[1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Acacia, Toma Ianos Navodeanu

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 181
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

[1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Seresa » Sa 7. Okt 2017, 12:02

Seresa stand schweigend vor den Überresten des Medicorum. Sie hatte von dem Feuer gehört, das in Domus gewütet hatte. Doch warum ausgerechnet das Medicorum?! Für einen kurzen Moment war sie versucht an eine ihr bekannte Türe zu klopfen. Wahrscheinlich würde der Drache mehr darüber wissen. Könnte ihren Verdacht bestätigen oder verneinen. Doch fürchtete Seresa um den Preis, den Toma für diese Auskunft fordern würde. Als hätte sie ihn mit ihren Gedanken beschworen, hörte sie plötzlich Schritte hinter sich, näher auf sie zu kommen. Mehrere paar Schritte und wenn sie sich zu dem Geräusch umdrehen würde, würde sie drei vermummte Gestalten sehen. Seresa hatte den Tzimisce noch nie in seiner Draußenkleidung gesehen, so mochte sie ihn vermutlich nicht erkennen. Doch er erkannte sie. Einige Schritte blieb der Drache mit der Holzmaske, die ein menschliches Gesicht zeigte vor der jungen Brujah stehen. Flankiert wurde er von zwei ebenso maskierten Gestalten, die Speere trugen.

Toma: „Werte Seresa. Eine Überraschung und Freude euch wieder zu sehen.“

Neugierig musterten die großen Augen hinter der Maske die Brujah und fielen dann auf den restlichen Schutthaufen, dass das Medicorum einst gewesen war. Eine Verschwendung und ein Mahnmal. Die Menschen hatten zu Tage schon begonnen die Trümmer abzutransportieren, aber noch waren die Spuren des einst stolzen Hauses des Heilers nicht verschwunden.

Toma: „Domus hat sich verändert nicht wahr? Bereits so kurz nach eurer Ankunft.“

Toma mochte Veränderungen, doch waren es Gute? Immerhin spülte der Krieg mehr Menschen in die Stadt. Mehr Beute. Seresa betrachtete die Person, die sie angesprochen hatte kurz skeptisch und dann noch einmal eingehender, als sei sie sich nicht wirklich im Klaren darüber, wer da tatsächlich vor ihr stand. Das Holz der Maske und die Wortwahl der Person, ließ sie dann ihren ersten Verdacht aussprechen.

Seresa: „Werter Toma?!“

Sie zögerte kurz, bis sie vom Drachen eine Bestätigung ihrer Vermutung erhalten hätte. Dann fuhr sie fort, den Blick nicht von ihm nehmend.

Seresa: „Ja, das hat es wohl.“

Sie blickte kurz auf die Ruinen, dann zu Toma.

Seresa: „Ich gestehe, ich möchte Eure Zeit nicht überstrapazieren, werter Toma, kenne ich Euer Ziel in dieser Nacht nicht. Das Meinige ist für den Moment der Hafen. Ich würde mich geehrt fühlen, könntet Ihr etwas Zeit für einen Neuankömmling in der Stadt erübrigen.“

Seresa neigte ihren Kopf respektvoll in Richtung Toma. Dann fuhr dann fort.

Seresa: „Ich gestehe, mich interessiert sehr, wie es dazu kommen konnte.“

Die Brujah deutete auf die Trümmer.

Seresa: „Vor allem aber auch, wie es Euch dabei ergangen ist. Würdet Ihr mir die Ehre eines gemeinsamen Spaziergangs erweisen, werter Toma? Und, natürlich nur sofern Ihr es möchtet, mir davon berichten?!“

Er nickte ihr zu, als sie ihn mit seinem Namen ansprach. Und war etwas überrascht darüber, dass sie ein Interesse daran hatte, wie es ihm ergangen war.

Toma: „Hmm…“

Toma machte ein nachdenkliches Geräusch und legte den Kopf leicht schief.

Toma: „Zum Hafen. Eigentlich keines meiner Ziele. Aber…es wäre sicher interessant zu sehen, was sich sonst alles verändert hat.“

Antwortete er und trat näher auf sie zu, um ihr zu bedeuten, dass sie losgehen konnten. Zudem hatte er so die Gelegenheit ein gewisses Maß an Vertrauen mit ihr aufzubauen, sodass sie sich vielleicht doch zu einer Untersuchung überreden lassen würde.* Seresa nickte dem Tzimiscen zu und setzte sich als gleich in Bewegung. In all den Irrungen und Wirrungen, die Genua für sie seit ihrer Ankunft bereitgehalten hatte, war der Drache noch immer eine der Begegnungen gewesen, die sie persönlich am meisten gereizt hatte. In mehr als einer Bedeutung des Wortes.

Seresa: „Dinge verändern sich. Oft schneller als uns lieb ist.“

Seresa blickte in Richtung Westen. Auf Grund der vollen Straßen kam die Gruppe nur langsam voran und Worte mochten gerade hier in der Öffentlichkeit sorgfältiger gewählt werden. Wusste man schließlich noch weniger als an anderen Orten, wer einem gerade tatsächlich zuhörte.

Seresa: „Ich hoffe, das Feuer hatte für Euch keine schädlichen Veränderungen?“

Die Brujah sah Toma etwas besorgt an. Sich wohl unsicher, ob die Maske zu mehr diente, als nur sein gewöhnliches ungewöhnliches Antlitz vor der Welt zu verbergen.

---
* (Text bis zu der Stelle gemeinsam mit Toma verfasst)

Benutzeravatar
Toma Ianos Navodeanu
Tzimisce
Beiträge: 988
Registriert: Mo 3. Okt 2016, 12:41

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Sa 7. Okt 2017, 15:57

Toma schritt neben der kleinen Brujah her und seine Ghule folgten ihnen dahinter.
Der Tzimisce musste zu ihr hinunter gucken, als er mit ihr sprach. Wenn sie sehr genau hinsah, mochte sie seine gelben Augen hinter den Löchern in der Maske ausmachen können, die sie aus den Schatten heraus ansahen.
Ein Monster hinter einem menschlichen Gesicht.

"Schädliche Veränderungen?...hm.." Er dachte einen Moment darüber nach. "Ich wurde glücklicherweise nicht direkt vom Feuer betroffen. Das Haus ist verschont geblieben." Sagte er dann weiter. Nicht gewillt zuzugeben, dass es ihm durchaus Angst gemacht hatte, die Gefahr so nah zu wissen.
Er richtete den Blick nach vorn auf die Straßen von Domus. "Ich hoffe, das so etwas nicht wieder vorkommt. Eine unnötige Zerstörung und Verschwendung."

"Konntet ihr euch denn bereits ein Bild der Stadt machen? Geht eure Suche vorran?" fragte er Seresa sodann im Gegenzug.
"Messer rein...Gedärme raus...Messer rein...Gedärme raus..."

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 181
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Seresa » Sa 7. Okt 2017, 19:51

„Feuer ist bedauerlicherweise eines der größten Übel, von welchem wir heimgesucht werden können. Wie Ihr selbst bereits sagtet, werter Toma, ist es eine glückliche und überaus erfreuliche Fügung des Schicksal, dass Ihr und Euer Heim davon verschont geblieben wart. Ich gestehe, dieses Feuer hat mich durchaus unruhig werden lassen. Nächtige ich für gewöhnlich selbst nicht allzu fern innerhalb der Mauern. Ein Feuer in diesem Ausmaß ist…“

Seressa schwieg für einen Augenblick, als suchte sie nach dem passenden Wort.

„…besorgniserregend. Gibt es denn Erkenntnisse über den Ursprung des Feuers, werter Toma?! Das Feuer einer unabsichtlich umgestoßenen Lampe oder eines ungelöschten Kochfeuers ist meiner bescheidenen Erfahrung niemals so vernichtend.“

Während sie gemeinsam gingen, wich Seresa den entgegenkommenden Menschen aus, den Blick jedoch kaum von Toma wendend.

„Genua…“

War ihre persönliche Hölle auf Erden?! War ihr Gefängnis, dass zu ihrem Grab drohte zu werden?! War ein Drecksloch, dass verdient hatte ausgerottet zu werden?!

„…selbst hat sich mir als eine überaus interessante Stadt gezeigt. Nun für wahr keine, welche ich auf Dauer freiwillig wählen würde. Sie ist für mein Empfinden zu roh und ungeschliffen. Doch ich vermute genau darin liegt auch ihr Charm für manche. Dass man hier noch werden kann. Doch was ist mit jenen, die nicht werden wollen?! Die nicht nach Höherem streben?! Deren wahre Interessen nicht in der Politik, sondern in anderen Dingen liegen?!“

Seresa zuckte fast entschuldigend mit den Schultern, als sie bemerkte, dass sie von der eigentlichen Frage abgedriftet war.

„Doch ich schweife ab. Bitte verzeiht vielmals, werter Toma. Ihr fragtet mich nach dem Stand meiner Suche. Ja, sie hat durchaus erste zarte Früchte hervorgebracht. Jedoch wird sie mich noch einige Zeit in Genua gefangen halten. Und nach den Veränderungen in jüngster Zeit, voraussichtig sogar noch länger, als mir tatsächlich lieb ist.“

Der Ausdruck auf dem durch den Nieselregen feuchten Gesicht der Brujah wirkte angewidert. Dann winkte sie jedoch ab, als wäre dies kein Thema, dass man auf der Straße besprach. Sofern man es überhaupt besprach. Während sie gesprochen hatte, hatte sie fasziniert und zugleich fragend in die Augen des Tzimiscen geblickt.*

„Doch bei allem gegebenen und gebührendem Respekt, werter Toma, ich sehe bei Euch gibt es ebenfalls überaus interessante und - bitte verzeiht die Offenheit und Direktheit meiner Worte - sogar ganz und gar faszinierende, wenn auch zugleich verwirrende Veränderungen.“

---
* Wahrnehmung + Aufmerksamkeit (Veränderung von Tomas Augenfarbe)
@Seresa (Ria): 4d10 >=8 f1 = (1 9 9 7, 1 success) = 1

Benutzeravatar
Toma Ianos Navodeanu
Tzimisce
Beiträge: 988
Registriert: Mo 3. Okt 2016, 12:41

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » So 8. Okt 2017, 15:51

Auf ihre Frage des Ursprungs des Feuers hin, blickte er ihr erst eine Weile stumm entgegen, bis er ihr doch antwortete. „Ein Angriff, so scheint es. Es herrscht seit einigen Monaten immer wieder Aufruhr im Sesterie....zu viele Menschen auf einem Fleck, darunter Fremde.“ Das Gerücht, dass der Seneschall daran Schuld war, um Gaius zu bestrafen, hielt er vor ihr verborgen. So etwas ging den Neuling nichts an und Toma erzählte ungern Gerüchte herum.
„Bedauerlich.“ kommentierte er das ganze Geschehen, doch was genau er damit meinte, erklärte er nicht.

Er hörte ihr weiter zu, während er den Blick nach vorn gerichtet hielt.
„Aus roh und ungeschliffen, kann man etwas schleifen, oder nicht? Auch wenn man kein Interesse an der Politik hat. Ich habe kein Interesse daran. Eine Stadt, eine Gesellschaft, die noch formbar ist, bietet auch für andere Interessen Vorzüge.“ erwiderte er und dachte daran, dass gerade das Fehlen einer starken Struktur und gewisser Ämter dabei half, wenn man unbemerkt und frei leben wollte.
Kaum Ahnen, kaum Ancilla und nun war auch noch der Prinz verschwunden.
Wäre Gaius nicht ebenso ein junger Neugeborener, der sich gerade erst im Aufschwung befand, hätte Toma in Domus sicher mehr Schwierigkeiten sonst bekommen.
„Ihr müsst ja aber auch nicht hier bleiben, wenn ihr das nicht wollt. Die Dauer eures Aufenthaltes ist doch ohnehin an das Erfüllen eurer Suche gebunden.“
Er schaute wieder auf sie hinab.

„Welche verwirrende Veränderung meint ihr?“ fragte er überrascht und zog unter seine Masken die Stirn in Falten.Sie konnte doch nichts an ihm sehen und ihm viel nun nicht ein, was sich an ihm verändert haben könnte, seit sie sich gesehen hatten. Einfach weil er auch nicht mehr wusste, wie er zu diesem Zeitpunkt ausgesehen hatte. Oder meinte sie einfach seine Erscheinung durch seine Kleidung?
"Messer rein...Gedärme raus...Messer rein...Gedärme raus..."

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 181
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Seresa » So 8. Okt 2017, 17:05

„Eure Augen, werter Toma. Sie glänzen in der heutigen Nacht in einem herrlichen, wenn auch für mich noch immer sehr verwirrenden Schein.“

Sie deutete ein leichtes, respektvolles Nicken an.

„Ich gestehe, ich war besorgt, dass dies eine Folge des Feuers sein könnte. Schließlich hatte ich bisher bedauerlicherweise nur einmal das Vergnügen eurer Gesellschaft.“

Es lag keine Ironie in ihrer Stimme, sondern tatsächliche Besorgtheit und ein gewisses Bedauern darüber, dass ihr erstes Gespräch ein unschönes Ende fand.

„Was jedoch jenes Feuer angeht, werter Toma. Ein Angriff sagt ihr?! Auf einen Ort wie das Medicorum?! Ein wahrhaft schrecklicher Gedanke. Weshalb sollte jemand einen solchen Ort angreifen?! Ich hörte er war ein Ort der Heilung und der Genesung. Eine Unterkunft für die Armen der Stadt. Ein Ort des Schutzes und der Hilfe. Ich gestehe, es fällt mir wahrlich schwer dies zu glauben.“

Seresas Stimme war leiser geworden bei dem Thema, als wollte sie verhindern, dass zu viel des Gespräches nach außen drang. Auch wenn der anhaltende Regen bereits einiges verschluckte.

„Was die Rohheit und Ungeschliffenheit angeht, so habt Ihr wohl recht, werter Toma. Sofern man die Geduld aufbringen mag, könnte man durchaus daraus etwas Interessantes formen. Man müsste jedoch wohl überprüfen, ob das Material tatsächlich den Aufwand wert ist und wie man sein neugeschaffenes Werk am besten schützen kann. Doch ich muss gestehen, es wäre ein durchaus interessanter Gedanke für die Zukunft.“

Dann blickte die Brujah zu Boden, während sie überlegte. Sie schwieg, während ihre Augen für einen Moment zu schmalen Schlitzen wurden. Sie wirkte alles andere als glücklich. Dann zuckte sie fast gleichgültig mit den Schultern und sah wieder zu Toma.

„Dinge verändern sich, werter Toma. Oft schneller als uns lieb ist. Ein Moment der Unachtsamkeit kann dazu führen, dass Andere versuchen uns für ihre Zwecke einzuspannen. Versuchen über unsere Wege und unsere Freiheit zu bestimmen. Versuchen uns für Ihre Zwecke zu gebrauchen, gar missbrauchen. Versuchen Schuld auf uns zu laden, damit wir uns in Gefallen und Abhängigkeiten verstricken. Versuchen aus uns ihre Werkzeuge zu machen.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment, bevor sie einen weiteren Satz anhängte.

„Ich bezweifle, dass ich gerade Euch dies näher erklären muss.“

Seresa hatte das gerade Euch auf eine seltsame Weise betont. Eine Weise, die man durchaus als provozierend hätte deuten können. Wohl wissend dieser Tatsache, hatte sich Seresa deshalb bereits innerlich darauf vorbereitet hatte, im Zweifel die Klauen des Tzimiscen an ihrem Hals wieder zu finden.

Benutzeravatar
Toma Ianos Navodeanu
Tzimisce
Beiträge: 988
Registriert: Mo 3. Okt 2016, 12:41

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Mo 9. Okt 2017, 19:23

„Oh“ war das erste, was er dazu sagte, dass sie seine Augen erwähnte und fasste sich unbewusst an die Maske, als würde es etwas ändern, wenn er sie zurecht rückte.
„Ah ich erinnere mich. Ihr habt sie nicht in dieser Farbe gesehen?“
„Eine kleine Veränderung. Hin und wieder...sehne ich mich nach etwas neuem.“
Nein...es ist also keine Folge eines Schadens auf Grund des Brandes oder ähnlichem.“


Auf ihre weiteren Fragen zu dem Angriff hob er leicht die Schultern. „Es war nicht nur ein Haus der Heilung, auch ein Gasthaus, in dem sich wohl Soldaten aufgehalten haben.“ Mehr wollte er dazu eigentlich auch nicht mehr sagen. Er wusste selbst zu wenig darüber, was wirklich vorgefallen und alles abgelaufen war.
...

„Gerade mir.... „erwiderte Toma und grinste breit aber etwas dünn, was die Brujah aber ohnehin nicht sehen konnte.
„so...seht ihr mich also? Habe ich euch missbraucht, werte Seresa oder eure Freiheit beraubt?
Oder seht ihr mich als Opfer solcher Verstrickungen?“

„Beides trifft sicherlich teilweise zu. Andere für ihre Zwecke einspannen, den eigenen Vorteil suchen. Tut das nicht ein jeder von uns? Ist es nicht natürlich? Wir alle streben doch nach etwas. Würdet ihr nicht dasselbe tun, werte Seresa?“ fragte er zurück und schien keineswegs besonders erzürnt über ihre Anmerkung.
"Messer rein...Gedärme raus...Messer rein...Gedärme raus..."

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 181
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Seresa » Mo 9. Okt 2017, 21:28

Seresa hatte dem Drachen zugenickt, als dieser geendet hatte.

„Ja, selbstverständlich streben wir alle nach etwas, werter Toma. Ich müsste lügen, würde ich dies abstreiten. Jedoch lautet die Antwort auf Eure Frage im selben Atemzug auch nein.“

Sie schwieg einen Augenblick, während sie ihren Umhang enger um den Körper zog.

„Ich würde nicht dasselbe tun. Vielleicht weil es mir schlicht an der Doppelzüngigkeit fehlt, die dafür von Nöten wäre. Vielleicht auch einfach nur, weil ich es als den falschen Weg ansehe.“

Seresa zuckte mit den Schultern.

„Mir wurde beigebracht, dass ein Gefallen auf lange Sicht weitaus wertvoller ist, als ein schlechter Handel. Denn wahrlich ich sage Euch, werter Toma, was hätte ich davon, wenn ich mich bei einem Handel übervorteile?! Nun sicherlich, es wäre ein kurzfristiger Gewinn. Vielleicht würde es mir sogar ein zweites oder drittes Mal gelingen, weil mein Gegenüber schlicht keine andere Wahl hätte, als missmutig den bitteren Köder zu schlucken.“

Die Brujah sah den Tzimiscen weiter direkt und offen an.

„Betrachten wir die Dinge redlich, werter Toma, so müssen wir doch eingestehen, dass wir unser Gegenüber mit diesen Handlungen verprellen. Es vielleicht sogar verärgern. Definitiv wohl aber uns dessen Zorn und Hass auf uns ziehen. Vielleicht sogar dessen Rache. Deshalb lautet die Antwort, nein, werter Toma. Ich würde stattdessen nach Übereinstimmungen suchen. Dingen, die sowohl mir, wie auch meinem Gegenüber zum Vorteil gereichen. Eine Hand wäscht die andere, wenn ihr so wollt und beide Hände bleiben dabei sauber. Denn wahrlich, werter Toma, gerade Vertrauen und Loyalität sind in unseren Kreisen, das am schwierigsten zu erhaltende und behaltende Gut.“

Seresa verneigte sich leicht vor ihrem Gegenüber.

„Um Eure vorherige Frage jedoch redlich zu beantworten. Ja, werter Toma, ich sehe Euch sowohl als gewiefter Täter, wie auch als bemitleidenswertes Opfer. Doch bitte seid unbesorgt, werter Toma. Ich werfe Euch nicht länger vor, dass Ihr versucht hattet, Euch zu übervorteilen. Ich gestehe, ich vermute es liegt an der Stadt selbst, die das Schlechteste in uns zu Tage fördert. Das man beginnt nur noch auf sich selbst zu blicken und verzweifelt versucht mit viel zu langen Löffeln Suppe aus dem Kessel zu löffeln, anstatt die Augen zu öffnen und sich gegenseitig zu füttern.“

Erneut zuckte sie mit den Schultern und lächelte schließlich Toma an.

„Wie dem auch sei. Eure Veränderung steht Euch wahrlich gut, werter Toma. Ist die Frage gestattet, was der Grund für die Farbwahl war?!“

Benutzeravatar
Toma Ianos Navodeanu
Tzimisce
Beiträge: 988
Registriert: Mo 3. Okt 2016, 12:41

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Di 10. Okt 2017, 19:39

Toma schaute immer wieder zu Seresa hinab während sie sprach und war über ihre Antwort überrascht und dann aber auch sehr erfreut als er ihr Kompliment zu seinen Augen hörte.
„Es gab keinen besonderen Grund. Ich habe einfach etwas ausprobiert, was ich bisher nicht hatte.“

„Doch um auf das andere Thema zurückzukommen:
Nun, ich würde sagen, es kommt immer darauf an, was man möchte und wer einem dies bieten kann. Manchmal bleibt einem nichts anderes übrig als den schlechten Handel einzugehen, wenn man das angebotenen unbedingt haben will. Und manchmal ist die Möglichkeit auf einen Vorteil einfach so gut, dass es dumm wäre es nicht zu versuchen.
Am Ende hat jedoch jeder eine Wahl, so wie ihr gewählt habt meinem Angebot nicht nachzugeben.
Wobei ich sagen möchte dass ich wirklich versucht hatte ein angemessen ausgleichendes Angebot zu machen. Doch noch mehr konnte ich euch nicht bieten in dem Moment.
Doch es steht immer noch, obwohl es nun vielleicht mehr eine Anfrage ist?
Solltet ihr jemals etwas benötigen von mir, wisst ihr ja was ich dafür verlange.

Ihr habt auf jeden Fall recht, dass ein gerechter Handel auf lange Sicht immer besser ist.
Ihr solltet jedoch auch bedenken: Ein jeder wird Gefälligkeiten mit einem anderen Wert bemessen. Es kann demnach auch manchmal einfach ein Missverständnis sein und keine Übervorteilung.“
"Messer rein...Gedärme raus...Messer rein...Gedärme raus..."

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 181
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Seresa » Di 10. Okt 2017, 21:19

Seresa nickte Toma zu, als er geendet hatte.

„Ein durchaus berechtigter Einwand, werter Toma. War es denn dies in Euren Augen? Bei unserem ersten Treffen meine ich. Keine versuchte Übervorteilung?! Nur ein schlichtes Missverständnis?“

Die Brujah betrachtete die Augen und die Körpersprache des Tzimiscen aufmerksam, als würde sie versuchen Erkenntnisse daraus zu gewinnen, da sein Gesicht für sie noch immer verborgen war. Ihr Blick wanderte für einen Moment nach vorne.

„Ja, Ihr habt durchaus Euren Preis genannt, werter Toma. Doch um der Wahrheit die Ehre zugeben, war das was Ihr geboten hattet nicht das was ich tatsächlich benötigt hätte. Ihr besitzt und besaßt zu jedem Zeitpunkt Wissen, welches mir tatsächlich nützlich ist oder nützlich gewesen wäre. Doch statt es anzubieten, hattet Ihr Euch loyal verhalten. Etwas was ich zu akzeptieren und respektieren weiß.“

Seresa blickte erneut zu Toma und verneigte sich leicht.

„Doch ich gestehe - ohne Euch und Eure Loyalität in Frage stellen zu wollen, werter Toma - ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich die Loyalität oder gar Eure eigene Unkenntnis über die Mächtigkeit Eures Wissens war, die Euch hinderte Euer Angebot reizender zu gestalten.“

Die Brujah wandte den Blick für einen Moment ab und zuckte dann mit den Schultern.

„Vermutlich misstraut Ihr mir. Gab ich Euch schließlich keinen Grund es nicht zu tun.“

Jedoch auch keinen, es tatsächlich zu tun. Zumindest nicht soweit sie wusste. Seresa blickte wieder zu Toma.

„Wie dem auch sei.“

Ihr Blick wurde wieder interessierter, als sie ihm länger in die Augen blickte.

„Sofern die Frage Euch nicht beleidigt, werter Toma, was ist es, was Euch reizen würde als Nächstes auszuprobieren?“

Benutzeravatar
Toma Ianos Navodeanu
Tzimisce
Beiträge: 988
Registriert: Mo 3. Okt 2016, 12:41

Re: [1002] (K)ein Spaziergang [Seresa, Toma]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Do 12. Okt 2017, 00:25

„Es gibt mehrere Dinge die ich ausprobieren möchte, jedoch seit ihr noch nicht so weit, dass ich euch darüber einweihe.“ Die Erwiderung klang womöglich etwas harsch, doch war es für den Tzimisce nur eine simple Feststellung.

„Zu eurer Frage: Da ihr sagt, dass euch die angebotenen Informationen gar nicht sonderlich interessiert hatten, war es wohl eine Übervorteilung. Ich wollte etwas und versuchte es zu bekommen. Da ich aber versuchte euch etwas anzubieten, nicht wissend, dass es auch nicht genug war, war es ebenso ein Missverständnis.“ antwortete er bereitwillig, den Blick auf die Straße vor ihnen gerichtet.
Sie konnte ja froh sein, dass er überhaupt gefragt hatte und etwas angeboten. In anderen Fälle lief diese Sache ganz anders.

„Ich muss gestehen, ich kann mich nicht mehr genau an alles erinnern, über das wir sprachen.“
fuhr er fort und sah sie an.
„Welches Wissen hättet ihr denn begehrt, stattdessen? Und von welcher Loyalität sprecht ihr in diesem Bezug?“ Vermutlich war es tatsächlich Unkenntnis gewesen.
"Messer rein...Gedärme raus...Messer rein...Gedärme raus..."

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Vergonzo Faro und 2 Gäste