[1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Sousanna
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[1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Sousanna » Di 12. Sep 2017, 20:33

Ein gemütlicher Abend war über das Alla Murra hereingebrochen. Während der Wein in Strömen floss war eine sehr amüsante Schlägerei ausgebrochen, die alle der Beteiligten auf ihre Weise genossen. Die Rohheit in den simplen Gemütern, in denen sich Frustration über verpfuschte Leben und angekratzter, darum ins Unermessliche gesteigerter Stolz über die Resultate dieses Lebens, hatte sich einmal mehr Bahn gebrochen. Die Schönheit des Gossenlebens entfaltete sich in diesen ewigen Augenblicken und ließ in dem erstickenden Muff der Gossen einen befreienden Atemzug nehmen. Einen Moment der Freiheit in jenen haltlosen Fesseln, in denen sie hier alle gefangen waren und sich doch von den Oberen in ihren goldenen Käfigen erzählten.
Auch Tiziano blühte in diesen Momenten beflügelnder Brutalität auf. Jene Ketten, in denen ihn sein schönes Wesen mit zarten Fingern und hilflosen Blicken gefangen hatte und von denen er meist nicht wusste, dass er in ihnen eingewickelt war, schienen so viel leichter zu werden. Seine Schultern hoben sich, wann auch immer Leiber in brutaler Gewalttätigkeit aufeinander prallten, und ein wildes, vielleicht etwas irres Lächeln gab den ungeschlachten Zügen ihre Ungezähmtheit zurück.

So taumelte er mit seinen vernarbten Zügen in wildem Glück verzerrt zum Thresen zurück und ließ sich von Bernardo Wein ausschenken, ehe er das Geplärre genoss, dass ihm wie Musik in seinen Ohren klang. Mit einem selbstzufriedenen Blick lehnte er sich mit dem Rücken an das abgeschrammte Holz und beobachtete das Treiben mit vor der stolzgeschwellten Brust geschwellten Brust.
Sie hatte das hier geschaffen. Hatte der Taverne und ihm den Glanz verliehen, den sie verdient hatten. War wie die byzantinischen Öle auf ihrer weichen Haut, die alles nur noch weicher machten.
Sie war ohne Frage ein Traum, doch hin und wieder fragte er sich, was geschehen wäre, wenn sie ihm nie sein Blut gegeben hätte. Leider waren seine Gedankengänge nicht so eleganten gewunden wie die ihren, so dass er diese Frage nicht weiterverfolgen konnte. Stattdessen stellte sich wieder nur dieser unbändige Stolz ein, dass sie ihn erwählt hatte. Dass sie sein Potential erkannt hatte und ihm ihre Zuneigung und alles andere schenkte.

Ihre Schönheit machte die Schäbigkeit ihrer aller Leben glanzvoll. Ließ Tiziano von dem Anführer einer jämmerlichen Bande zu einem Märchenprinzen werden. Und die heruntergekommene Taverne zu einem Ballsaal, wo der gesammelte Schmutz Genuas sich in einen Hofstaat verwandelte. Sie war eine Zauberin, vermochte alles in den Glanz des Orients zu hüllen.
Bei diesem Gedanken wurde Tizianos Grinsen noch eine Spur breiter und schmutziger. Vor allem aber war sie seine Zauberin - und deshalb vertraute sie ihm so sehr, dass sie ihn auf Bernardo, das Alla Murra und die weiteren Geschäfte aufpassen ließ.

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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Vikram » Sa 23. Sep 2017, 10:44

Es wäre Vikram lieber gewesen, diesen Teil der Stadt zu meiden. Ein Kainit wie er hielt nicht viel von den niederen Klassen und deren Art zu leben. Tavernen betrat er deshalb nur, wenn es sich nicht umgehen ließ; so wie im Augenblick. Spaß definierte er für gewöhnlich anders und nicht durch einen Überfluss an Alkohol, Prügeleien und einem Gestank, der wohl noch tagelang in seiner empfindlichen Nase sitzen würde, ganz zu schweigen von dem teuren Stoff seiner Kleidung, die eindeutig verriet, dass er nicht hierher gehörte.
Da es ihm jedoch widerstrebte seine Cousine um weitere Gefallen zu bitten, da er sich nach wie vor nicht sicher war, wie Acacias Wiedergutmachungen ausfielen, brauchte er Verknüpfungen zu anderen Kaniten hier in Genua, um sich das aufzubauen, was ihm so oft im Sinn gestanden hatte. Dafür brauchte er nun einmal ihre Unterstützung, so sehr es ihm auch missfiel, anderen etwas schuldig zu sein.

Mit ruhigem, kontrolliertem Blick, sah er sich in der Taverne mit dem Namen "Alla Murra" um. Eine Schlägerei war im Gange, der Alkohol hatte den Weg aus den Bechern auf den Boden und die Möbelstücke gefunden und die Menschen tobten und jaulten, während im Hintergrund eine fröhliche Musik erklang, die in Vikram eher den Wunsch erweckte, auf eine recht aggressive Art und Weise für Ruhe zu sorgen. Er riss sich jedoch zusammen, nicht zuletzt weil er etwas von diesen wenigen dieser Leute wollte.
Als er nach wenigen Augenblicken endlich seine Zielperson ausfindig gemacht hatte, setzte er sich mit eleganten, fließenden Schritten in Bewegung, während seine schwarzen Haare, die heute sein bleiches, kantiges Gesicht umschmiegten, bei jedem Schritt leicht wippten. Sein treuer Begleiter folgte ihm dabei auf dem Fuß, eine Hand am Griff des Schwertes verwahrend so aufmerksam, wie es ein abgerichteter Mensch eben sein konnte.
Neben dem Tisch der Zielperson kam er zum stehen, senkte den Blick seiner stahlblauen Augen auf die Person, der er seine Aufmerksamkeit schenken würde und blieb so neutral und gelassen, wie es nur den Kainiten vorbehalten war.
„Seid Ihr der Mann, den man Tiziano nennt?“, hakte er, wie immer, auf lateinisch nach, da er der italienischen Sprache nicht mächtig war.
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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Sousanna » Sa 23. Sep 2017, 11:26

Natürlich war Tiziano der feine Herr aufgefallen, der da in seine Taverne spaziert war. Auch so ziemlich jedem anderen. Mit gierigen Blicken, rechneten seine Leute schon aus, wie viel sein schnöseliges Haupt wohl wert sein mochte. Auch zu Tiziano flogen die Blicke, doch er deutete ein leichtes Kopfschütteln an. Nicht hier, nicht jetzt.
Außerdem war er sich ziemlich sicher, dass das ein Blutsauger war. Menschen waren nicht so dumm und arrogant in einem solchen Aufzug in das Murra zu spazieren. Und der Mensch da an seiner Seite? Nein, Mensch konnte man das ja kaum mehr nennen. Schoßhund eher. Wie gut, dass die Byzantinerin so viel weiser war als der da und ihn nicht so dressierte. Sie hatte seinen Wert erkannt.

Mit diesem Gedanken schob sich der Kiefer in Stolz nach vorne und die dunklen Augen des Schlägers trafen in jener Missachtung aller Autoritäten, die sich nicht schon einmal mit ihm geprügelt hatten, die stahlblauen. Man konnte erahnen, dass er einst gar nicht mal unansehnlich gewesen war.
Doch bedauerlicherweise hatte er sich offensichtlich entschieden, sein gutes Aussehen für einen hohen Rang in der Gosse zu Opfern. Die Spuren von Prügeleien und Schlimmerem hatten ihn zu einer wahren Landkarte der Gewalt werden lassen. Offensichtlich hatte er auch immer wieder einige Schnitte abbekommen. Gerade am Oberkörper. Sein schiefes, vielleicht etwas trotziges Grinsen in die Richtung des Bleichen verlieh ihm etwas Verwegenes.

Und in dieser Verwegenheit schüttelte er auch leicht das Haupt als der Andere zu sprechen begann. Er verstand nur seinen Namen, aber mehr nicht. Typisches Gehabe dieser Blutsauger, dass sie irgendwo hineinspazierten und sich einbildeten, jeder würde ihre komischen Sprachen sprechen. "Ich weiß nicht, was ihr da sprecht. Aber wenn das eure Frage ist, dann ja, ich bin Tiziano.", stellte er betont langsam und deutlich klar. Selbst diese Aussprache konnte sein ungeschliffenes Gossenitalienisch nicht verdecken.

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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Vikram » Di 10. Okt 2017, 22:49

Selbstverständlich waren dem Kainiten die gierigen und interessierten Blicke der anderen Tavernenbesucher nicht entgangen, doch Vikram verzichtete darauf diese auch nur eines Blickes zu würdigen. Der Mensch, welchen er seinen treuesten Diener nennen dürfte, hielt seinen Rücken frei und den Rest, war er in der Lage selbstständig zu verteidigen. Er war vielleicht noch recht jung und recht unerprobt im Kampf, doch sein Verstand war eine sehr scharfe Waffe, auf die er jederzeit zurückgreifen konnte und das noch, bevor auch nur irgendein Mensch in der Lage gewesen wäre, sein Schwert zu ziehen. Die viel größere Gefahr stellten die übrigen Kainiten da und nach genau so einem suchte er nun. Um genau zu sein nach einem weiblichen.

Bereits als sein letztes Wort der gestellten Frage verklang, wusste Vikram, dass sein Gegenüber ihn nicht verstanden hatte. Allmählich begann ihn die Dummheit der Leute zu nerven. Latein war eine durchaus gängige und logische Sprache, dennoch schienen sie nur die Wenigsten zu beherrschen und bis auf Acacia und den „Reiseführer“, den sie ihm bereitgestellt hatte, war ihm noch Niemand in Genua begegnet, der sich die Mühe gemacht hatte, über den Tellerrand seiner Sprache zu blicken und seinen Horizont zu erweitern. So wie der Mann vor ihm.
In diesen Situationen war Vikram froh, dass Acacia ihm jemanden zur Seite gestellt hatte, der sich nicht nur in Genua und unter den Kainiten auskannte, sondern auch mehrere Sprachen sprach. Dieser trat nun als dritte Person der kleinen Gruppe hervor, stellte sich an Vikrams Seite auf und übersetzte diesem, was der Mann vor ihm geantwortet hatte.

Allein das Verkrampfen seiner Finger verriet, wie sehr er innerlich daran arbeitete, nicht die Geduld zu verlieren. Ein emotionaler Ausbruch war das Letzte, was er nun hervorrufen wollte. Sonst würde aus der einfachen Tavernenprügelei deutlich mehr und deutlich unangenehmere Dinge hervorgehen.
Nachdem Vikram seinem Reiseführer mitgeteilt hatte, dass dieser Tiziano vermitteln sollte, dass er seine Herrin zu sprechen wünschte, machte sich dieser auch sogleich daran, dem Mann dies ins italienische zu übersetzen und Vikram warte mit zunehmender Ungeduld auf die Reaktion des Anderen. Blieben seine Gesichtszüge auch neutral, seine Augen verrieten doch deutlich, dass er es leid. Er war es leid zu warten, leid verfolgt zu werden von jemanden, der gleichzeitig Hilfe und Spion war und vor allem war er es leid von anderen abhängig zu sein. Dieses Gefühl hatte er vor seiner Ankunft in Genua nicht gekannt und verabscheute es auch nun.
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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Sousanna » So 22. Okt 2017, 13:59

Der großschlächtige Mann mit dem Grinsen eines Kampfhundes nickte leicht und blickte kurz zum Reiseführer, schien sich dann aber klar zu werden, dass er diesen als noch unwichtiger empfand als den Bleichen, der ganz offensichtlich einer dieser Blutsauger war. Warum mussten die eigentlich alle so schrecklich arrogant sein? Ohne so ehrliche und ehrenhafte Helfer wie Tiziano, es war, waren sie doch auch nur hilflos. Gut, dass es wenigstens sein kleines Rehlein verstand und immer den richtigen Ton traf.
Da der Übersetzer geendet hatte, erhob er sich langsam zu seiner gar nicht mal unbeeindruckenden Grüße und ließ erkennen, dass ihn einiges an Muskulatur zierte. Wieder nickte er und wies dann mit einer grobschlächtigen Pranke an die Decke. "Ich bringe euch nach oben, weg von dem ganzen Pack. Dann hol ich sie.", war seine recht simple und nicht gerade auf besondere Höflichkeit ausgelegte Antwort. In solchen Fällen lieber schnell auf die Wünsche eines Blutsauger eingehen, war ihr Rat gewesen. Und je schneller an sie übergab, desto besser.

Also würde er die Gesellschaft ohne große Umschweife eine schmale, knarzende Holztreppe hinaufführen und in einem Flur eine der windschiefen Türen wählen, hinter der nicht gut hörbar einiges an Vergnügungen stattfand. Es war ein schlichtes, für ein solches Etablissement sogar überraschend sauberes Zimmer mit einem Bett, einer Truhe und einem Blumenstrauß darauf, der tatsächlich frisch war. Die Byzantinerin bestand auf solche Details. Sollte einer der Anwesenden schnuppern, würde er neben dem Duft der Blüten auch etwas anderes riechen. Etwas fremdländisches. Fast wie Weihrauch, nur weniger beißend. Ein dezenter Duft nach fremden Landen, der den Gestank nach Menschen, Essen und einem vor Schmutz starrenden Viertel dämpfte. Hier war die Geräuschkulisse anders, ein wenig ruhiger und doch immer noch sehr ... menschlich, sinnlich.
Der Italiener sah sich kurz um, nickte, da er zufrieden darüber war, dass alles ungefähr so war, wie sie es gern hatte und verkündete dann: "Sie wird in einigen Augenblicken bei euch sein."
Damit würde er auch verschwinden und die Ravnos in einem anderen Raum bei ihren nächtlichen Aufgaben stören, um ihr zu berichten.

Sorgenvoll pressten sich die vollen Lippen kurz aufeinander und mit einem gereizten Blick erhob sie sich von einer Liste, ehe sie sich rasch zu ordnen schien und ihm ihre Anweisungen zuraunte, ehe sie sich auf den Weg machte.

So betrat eine junge Frau das Zimmer und schenkte den Anwesenden ein so unschuldiges, wunderschönes Lächeln, dass jeder Schnee sofort schmelzen musste. Sie war klein, aber sehr wohl geformt und ihre Bewegungen verrieten, dass sie sehr genau wusste, wie sie diesen Umstand einzuordnen hatte. Ihre schlichte, aber für solch einen Ort viel zu hochwertige und vor allem saubere Kleidung betonte das noch mehr.
Ohne jede Umschweife, trafen große, unbescholtene Augen, die stählernen des blassen Mannes und obwohl Klugheit darin lag, umfing jeden Betrachter sofort das Gefühl, in die Augen eines Rehs zu blicken, das Schutz brauchte und nicht auch nur an etwas Böses zu denken vermochte. Als sie sacht das Haupt neigte, verströmten die dunklen, leicht gewellten Haare, den Duft Byzanz'. Das Fremde, Anziehende, Lockende schien in sachten Wellen alle Anwesenden zu umfangen und die Sinne zu umschmeicheln.
Im schönen Gesicht lag eine sanfte Röte. Insgesamt zeigte sie keine Form von Blässe oder dem typischen Gebaren einer Tochter Kains. Dennoch lächelte sie Vikram direkt an.

"Seid gegrüßt, werter Vikram.", verkündete sie sacht und Wärme lag auch in ihrer angenehmen Stimme. Leicht wurden ihre Worte durch eine fremdländische Einfärbung gebrochen und doch noch einmal betont wurden. "Ihr habt um ein Gespräch mit mir gebeten und nun bin ich hier."
Charmant lächelte sie zu ihm hinüber als wären sie beide zwei Menschen, die miteinander flirten würden. Unterdessen schritt sie zu der Truhe, um sich gelassen und ihre perfekte Gestalt betonend daran zu lehnen. "Sousanna von Byzanz, Tochter des Caspar, des großen Fürsten und Erretters der thrakischen Lande, Neugeborene vom Clan der Wanderer, für Ravecca bestellte Senatorin unter dem Monde.", stellte sie sich während ihrem Weg vor und das sachte Lächeln verbreiterte sich unter diesen Worten, verlieh dem salbungsvollen Ton, den sie mysteriöserweise angeschlagen hatte, einen leicht schelmischen Unterton. "Was ist es, das ihr von mir wünscht?"

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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Vikram » Do 26. Okt 2017, 12:59

Vikrams Laune besserte sich zumindest ein Stück weit, als sich dieser Tiziano erhob und sich tatsächlich als nützlich erwies. Dabei ließ er sich weder von dessen Gestalt, noch von seiner Ausstrahlung in irgendeiner Weise beirren. Natürlich musste dieser Mann groß und stark sein, sonst wäre er wohl kaum von einem Kainiten geschätzt worden. Davon abgesehen schien der Mann vor ihm weder dumm noch unzivilisiert zu sein. Er hob sich von dem sonstigen Abschaum ab, der sich in der Taverne befand. Glücklicherweise, sonst wäre er wohl dumm genug gewesen ihn, mit seiner ohnehin schon schlechten Laune, noch zusätzlich warten zu lassen. Somit wurde nur weitere Zeit vergeudet, in der sein Reiseführer ihm die Übersetzung von Tizianos Worten übermittelte. Es ging jedoch schnell gut zu, sodass Vikram sich mit seinen beiden Begleitern kurz darauf in einem gemütlichen Raum wiederfand, der zumindest so weit von dem Schankraum isoliert war, dass Vikrams Nerven nicht weiterhin strapaziert wurden. Somit wurden die Geräusche zu einem akzeptablen Summen im Hintergrund, während der Kainit sich daran machte, den Raum auf seine ganz eigene Art und Weise zu erkunden. Gerüche umgaben ihn, die keineswegs aufdringlich waren und sein Gemüt ein wenig beruhigten. Die Natur hatte etwas wundervoll Beruhigendes an sich, wenn man wie er ursprünglich vom Land kam.

Als sich nur kurze Zeit später die Tür erneut öffnete und eine schöne Frau im Türrahmen erschien, die sein Reiseführer ihm mit einem Nicken als Sousanna bestätigte. Vikram entließ den Menschen mit einem Nicken, der daraufhin den Raum verließ und vor der Tür seine Funktion als Wachtposten einnahm. Der von Acacia gestellte Stadtführer, blieb jedoch im Raum und würde fleißig zwischen den Beiden vermitteln, sodass sie sich zumindest unterhalten konnte.
Vikram neigte bei ihrer Vorstellung respektvoll den Kopf und begann dann seinerseits mit der Vorstellung, wie es unter den Kainiten üblich war. „Es ist mir eine Ehre. Mein Name ist Vikram, Neugeborener der Magister, Kind der Ginevra, Ankilla vom Blute Lasombras, Kind der Marcellina, Ahnin vom Blute Lasombras, Kind des Eli, Ahn vom Blute Lasombras, Kind des Saadi, Methusalem der Schatten, Kind des Tubalcain, Methusalem der Schatten, Kind Lasombras, erster seines Blutes. Ich hörte viel Gutes über Euch, auch dass Ihr in der Lage seid Besorgungen von großem Wert zu tätigen.“
In seinem Tonfall änderte sich nichts, keine Nuance. Er blieb kühl und erhaben wie je. Reh hin oder her, die Zeit hatte ihn abgehärtet und keiner von ihnen hatte ein leichtes Leben. Vikram würde keineswegs dem Anschein, dass sie verletzlich war, Glauben schenken.
„Ich benötige ein Gebäude mit eine großen Saal, um dort ein Fest zu veranstalten. Könnt Ihr mir ein solches vermitteln?“, fragte er direkt, da er selbst es nicht leiden konnte, lange Zeit um den heißen Brei herumzureden.
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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Sousanna » Fr 27. Okt 2017, 12:06

Der Mensch draußen würde auf einen, mit verschränkten Armen im Flur herumlungernden Tiziano treffen, der sich dort wie zufällig mit drei anderen, bedeutend abgerisseneren - und vor allem weniger zivilisiert aussehenden Männern im schmuddeligen Italienisch der Gossen plauderte und den Neuankömmling kurz misstrauisch musterte. Einen Augenblick lang schien er sich genau zu überlegen, ob er sich diesen Wächter zur Brust nehmen wollte - zur Vorsorge gewissermaßen, doch schließlich besann er sich und würde ihn tatsächlich mit einem schiefen Lächeln auf einen Schluck einladen.

Die byzantinische Schönheit unterdessen neigte auf diese Vorstellung hin ihr Haupt. "Die Ehre ist ganz meinerseits, werter Vikram.", erwiderte sie mit einem zarten Lächeln auf den vollen Lippen, ehe sie tatsächlich ein wenig geschmeichelt die Augen niederschlug und sich vollends dem Anschein des höchst anständigen, schönen Mädchens hingab. "Es ist mir eine Freude zu hören, dass die Kinder Gottes ebenso wie die des Kains solch schmeichelhafte Dinge über mich sagen.", heuchelte sie in sehr großartig dargestellter Bescheidenheit.
Auf seine Anfrage hin, hob sich ihr Blick und etwas Dunkles, vielleicht war es Verschlagenheit, blitzte in den großen Rehaugen auf. Kurz schien sie über diese Anfrage nachzudenken und weiße Schneidezähne bissen kurz in für eine Tote überraschend rote Lippen. "Es gibt einige Säle, die vielleicht geeignet wären.", erklärte sie schließlich langsam und auch die warme, von einem leichten Akzent noch markanter gemachte Stimme hatte etwas von jener, auf ein Geschäft harrenden, lauernden Gier angenommen. "Um euch etwas Passendes anzubieten, muss ich wissen, was es für ein Fest sein soll. Ihr wirkt nicht wie ein Mann, der seine Zeit mit dem ewigen Geplänkel zweier Unsterblichen verschwenden will. Sagt mir, was ihr euch vorstellt und ich sage euch, ob und zu welchem Preis ich es euch beschaffen kann."

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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Vikram » So 29. Okt 2017, 20:42

Die Lippen des Kainiten verzogen sich zu einer Andeutung eines Lächelns, als die Frau vor ihm genau den richtigen Ton anschlug und keine Umschweife zu machen begann. Dabei konnte man jedoch nicht von einem gewöhnlichen, freundlichen oder gar erfreutem Lächeln sprechen, wobei Letzteres in einem anderen Sinne doch zutraf. Vikram war in der Tat erfreut über die Art und Weise, mit der Sousanna ihm begegnete, doch er war es auf seine ganz individuelle Art und Weise. Das milde Lächeln wirkte also kühl und sehr selbstgefällig, schmiegte sich dennoch passend in seine markanten Züge und wurde auch von seinen besonderen Augen angenommen.
Diese Kainitin war keineswegs das zerbrechliche, Schutz suchende Reh, als dass sie sich ausgab. Wie eben jeder von ihnen so über die Runde kam. Ihre Strategie war keineswegs verkehrt. Er schätzte Leute wie sie, die eine solche Tarnung an den Tag legten. Das zeigte nicht zuletzt ihre geistigen Fertigkeiten, die für Vikram eine noch viel größere Rolle spielten als die körperlichen, was nicht zuletzt daran lag, dass er den Meisten Kainiten und selbst einigen Menschen körperlich unterlegen war. Ein Fehler den er sofort beheben musste, wenn er sich in Genua Rang und Namen gemacht hatte und dafür brauchte er nun einmal Sousanna.
„Ich sehe dass Ihr meine Ansichten bezüglich geschäftlicher Gespräche teilt. Bei dem Fest handelt es sich um eine Veranstaltung für das gehobene Volk. Ich benötige also vor allem einen großen, prunkvollen Saal. Zudem empfinde ich kleine Rückzugsräume als angepasst“, gab er seine Überlegungen preis und schloss dann vorerst mit seinen Bedingungen.
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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Sousanna » Di 31. Okt 2017, 12:53

Beeindruckend wie verflucht arrogant Kinder des Kains sich sogar gegenüber ihresgleichen verhielten, sinnnierte die Hehlerin düster. Dennoch schwand ihr leichtes, auf ihre Weise charmantes und doch listiges Lächeln nicht. Sollte er sie belächeln. Wenn er hierher kam, hatte er sich offenkundig bereits festgestellt, dass auch ein Schatten nichts allein schaffte.
Sie schenkte ihm noch einen leicht nachdenklichen Blick als er seinen Wunsch geäußert hatte. Einen Moment lang hüllte sich die unschuldige Schönheit in Schweigen, blickte leise im Raum herum, ehe sie mit einem Seufzen aber sehr elegant die Beine überschlug. "Eine Veranstaltung für das gehobene Volk. Räume im Separé.", wiederholte sie als setze sie die Wünsche auf eine Liste. Dann erwiderte sie seinen Blick direkt und die Klarheit aus den großen, braunen Augen schien direkt durch den fremden Kainiten hindurch zu blicken. "Ich gebe zu, prunkvolle Säle sind nicht mein Kerngeschäft. Aber ihr seid klug, also habt ihr das gewiss schon erraten. Aber es ist nicht unmöglich. Nichts ist mit genug Gold unmöglich. Was wünscht ihr auf dieser Feierlichkeit mit den Rückzugsmöglichkeiten anzustellen?"
Leicht hob sich eine der schön geschwungenen Augenbrauen. Sousanna war es tatsächlich völlig gleichgültig welche Schweinereien er dort vollziehen wollte, aber es war wichtig, um den Raum besser auswählen zu können. Außerdem war sie neugierig - und je mehr sie ihm aus der Nase ziehen konnte, desto besser konnte sie seine Wünsche erfüllen und einschätzen wen sie da vor sich hatte. Sinnvoll wenn man jemanden das Geld aus der Tasche ziehen wollte.

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Re: [1002] Geschwister fremden Blutes [Vikram]

Beitrag von Vikram » So 5. Nov 2017, 22:05

Vikram war in der Tat alles andere als dumm. Zwar war er als ein einfacher Jung zweier ungebildeter Bauern geboren worden, doch in ihm hatte schon immer etwas geschlummert, das er nur als verborgenes Potenzial hatte deuten können. Als er in die Hand der reichen Leute geraten war, hatte er einen ersten Einblick auf diese in ihm verborgene Fähigkeit bekommen, eine Fähigkeit an die viele Gelehrte nicht einmal dachten, weil sie eigentlich hätte selbstverständlich sein müssen: die seinen Kopf zu benutzen, zu denken. Woher auch immer dieser Drang in ihm gekommen war, sein Geist war stets wach und bereit für die Aufnahme neues Wissens gewesen. Bis zum heutigen Tag profitierte er davon, wusste entsprechend worauf die Frau vor ihm aus war und ließ sie dennoch nicht das Geringste anmerken. Ein Kainit wie er fand den Genuss im Schweigen und durch sein eigenes, inneres und vor allem verborgenes Amüsement, das ohnehin kein anderer verstehen würde.
Ihm war unglücklicherweise nicht ganz unwichtig was andere von ihm dachten, noch wichtiger war ihm jedoch nicht zu viel von sich Preis zu geben. Vikram hatte schnell gelernt, dass man immer auf irgendeine Art und Weise Abstriche machen musste, auch wenn ihm das missfiel. So hatte ja auch seine Begleitung deutliche Vor- und Nachteile, die er an mehreren Händen abzählen konnte.
„Es geht dabei lediglich um Gesprächsräume, die gern etwas weiter voneinander entfernt liegen können“, verkündete er also wahrheitsgemäß. Das war so auch vollkommen richtig, wenn er davon absah, dass Gespräche, die auf seine Art und Weise bei einer solchen Feier stattfanden, kaum ein gutes Ende für den Gesprächsteilnehmer nahmen.
„Der Preis spielt keine Rolle.“ Auch das stimmte. Es wäre nicht die erste Feierlichkeit die er veranstaltete. In Genua gewiss, doch er hatte Erfahrung und inzwischen eine Hand voll Kontakte. Das Gold würde von allein in seine Taschen fließen.
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