Dunkle Straßen [La Vedova]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Ajax
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Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von Ajax » Di 4. Apr 2017, 19:21

Die Landstraßen waren leer. Längst hatten die Bauern ihre Waren wieder vom markt zurück ins heimische Hofgut gebracht. Längst waren Reisende in Gaststätten eingekehrt und fanden Wärme am schützenden Busen einer Frau oder dem Alkohol, welche nach und nach ihre Sinne vernebelten. Ajax lief, in einen großen Mantel gehüllt und die Kapuze weit ins Gesicht gezogen selbige Landstraße entlang. Sein Interesse lag heute bei den kleineren Gemeinden welche Genua umgaben. Leicht stützte er sich auf einen Wanderstab, seine Augen lagen tief und sein Gesicht war etwas blässer als sonst.

Er mochte die Ruhe, die die sich vor ihm ausbreitende Dunkelheit bot. Sie lies einen zur Ruhe kommen, etwas das den Brujah von jeher kein leichtes war. Abseits des Tumults der Straßen konnte er sinnieren und sich neue Wege zurecht legen, den Verstand schärfen und ihn zu einem Messer werden lassen welches manchmal schärfer Schnitt als Stahl. In der Ferne erkannte er eine Steineiche, er lenkte seinen Schritte dorthin. An des Baumes Wurzeln angekommen erkannte er, dass er seinen Gedanken nachhängend auf einem kleinen Hügel angekommen war, von welchem man einen guten Blick in das nahegelegene Dorf Luccoli hatte. Er genoss einen kurzen Moment den Schein einiger weniger Lichter die man noch aus der Ferne in den Häuser erkennen konnte bevor ihn seine Beine weider weiterzogen. Ein ewig getriebener, von einem Feuer das egal wie sehr man es bekämpfte doch nie ganz schwieg.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von La Vedova » Di 4. Apr 2017, 20:43

Unfern des Dorfes und des dahinter gelegenen Waldes war ein weiteres Bauwerk zu erkennen, das sich als dunkler Schatten von der Umgebung abhob. Es war nicht erleuchtet, doch wiesen die Umrisse auf einen Turm hin, vielleicht eine kleine Garnison oder eine Kirche. Aus der Richtung des Bauwerks führte auch ein Weg zu dem Eichenhügel, breit genug für Ochsenkarren, und von der Anhöhe aus weiter in Richtung Stadt.
Gerade als sich der Wanderer weiter auf den Weg machen wollte, erfassten seine scharfen Sinne mehrere Geräusche. Es nährten sich Schritte aus Richtung der Stadt, woher auch er gekommen war. Noch waren sie jedoch ein Stück entfernt. Doch ein anderes Geräusch war viel näher gewesen, hinter ihm? Als wäre irgendetwas zu Boden gefallen.

Ein paar Augen beobachteten den Wanderer unter sich neugierig. Kurz hatte sich die kleine Gestalt den Fehler geleistet und sich zu ruckartig bewegt, nun hielt der zierliche Schatten den Atem an , sein Blick wanderte von dem Fremden die Straße hinunter zu den beiden Gestalten, sie sich langsam aus dem Dunkel schälten und wieder zurück zu dem Fremden.

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Ajax
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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von Ajax » Mi 5. Apr 2017, 15:17

Ajax blickte sich um, dieses Geräusch war definitiv nicht von den noch sehr weit entfernten Gestalten gekommen, welche sich auf ihn zubewegten. Kurz blieb er ruhig stehen, hörte auf jedes noch so kleine Geräusch in seiner Umgebung und nachdem er sich noch einmal über die Distanz versichert hatte die die beiden Wanderer entfernten waren, hob er seinen Blick, einen Schritt zurück machend, in Richtung des Baumes. Er konnte durch die Dunkelheit nur Umrisse eins Schattens erkennen welcher wohl schon die ganze Zeit in der Baumkrone verharrt hatte. Ohne darauf zu achten was hinter ihm zu Boden gefallen war fixierten seine Augen die Gestalt und er erhob die Stimme.

"Gebt euch zu erkennen! Wer seid ihr und das tut ihr so spät des Nachtens in der Krone eines Eichenbaumes, fernab der Dörfer ?" seine Stimme klang misstrauisch, und unter dem Mantel legte er eine Hand auf seinen Schwertknauf. Nicht das er das Gefühl hatte ein Sethskind könnte ihm gefährlich werden, doch alles sollte mit gebührender Vorsicht behandelt werden.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von La Vedova » Mi 5. Apr 2017, 17:30

Der kleine Schatten zögerte kurz und überlegte sich, ob es nun noch Sinn ergab, sich weiter zu verbergen oder so zu tun als wäre hier garkeiner. Aber der Mann klang nicht so, als würde er locker lassen. also krabbelte die Gestalt langsam den dicken Ast entlang näher zu dem Fremden hinüber.
"Geht weiter, Fremder.", rief eine rotzige Knabenstimme zu ihm hinunter "Das hier ist nicht Euer Gebiet! Was ich hier mache geht Euch gar nichts an, und außerdem könnte ich Euch genau das gleiche fragen!"
Die kleine Gestalt ließ die Beinchen einige Schritt über dem nächtlichen Wanderer vom Ast baumeln, weitere Eicheln fielen nun hinunter auf den weichen Erdboden, eine davon traf den Wanderer an der Schulter. "Und kommt ja nicht auf den Gedanken, mir näher zu kommen, ich bin bewaffnet!"
Der Junge konnte kaum älter als vielleicht acht oder neun Jahre alt sein. Sein Gesicht war unter einem viel zu großen, breitkrempigen Hut verborgen, er trug zwei verschiedene Schuhe, einer viel zu groß, der andere zu klein, sodass sein großer Zeh aus einem Loch herausragte.

Die beiden Personen auf dem Weg hatten indess einen Schritt zugelegt, als sie die Simmen von oberhalb des Hügels hörten und kamen dem Geschehen langsam näher.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von Ajax » Do 6. Apr 2017, 11:18

Ajax musste schmunzeln. Der kleine Mann verteidigte von was er dachte, dass es seines wäre. Eine Eigenschaft für die er Respekt empfand. Er bückte sich und hob eine der Eicheln auf, welche auf den Boden gefallen waren. Seine Hand hatte schnell von dem Schwertknauf unter seinem Mantel abgelassen. Hier würden ein paar beruhigende Worte das schnell schlagende Kinderherz wieder beruhigen.

" Ich bin neu in der Gegend Junge und entschloss mich zu einem nächtlichen Spaziergang um mir die Gegend etwas anzuschauen. Entschuldigt das ich in euer Gebiet eingedrungen bin. Dies war nicht meine Absicht." Ein gutmütiges Lächeln umspielte seine Züge." Doch sag mir, vor welcher Waffe in deiner Hand hat sich ein einfacher Wanderer wie ich denn zu fürchten ?" die Anspannung war vergangen und es war nur ein winziger Rest Wachsamkeit geblieben. Seinen Sinnen war nicht verborgen geblieben, dass sich die Personen, nachdem sie die Stimmen gehört hatten, nun etwas beeilten. Vielleicht hatte der kleine Mann hier auf dem Eichenbaum auf seinen Vater oder Mutter gewartet, welche nun auf dem Weg zurück von der Stadt waren. Zu einer sehr späten Stunde kam es ihm kurz auf, machte sich jedoch nicht weiter Gedanken darüber.
Er nahm die Kapuze ab und darunter kamen kurzgeschnittene Haare und ein scharfkantiges Gesicht zum Vorschein. Der Rest seine Körpers war jedoch immer noch fast vollständig durch einen Mantel verborgen. Lediglich die große Statur und das muskulöse Kreuz zeichneten sich gegen den Mond ab. So stand er da und blickte zum Baum hinauf. Ab und an ein kurzer Blick zu den beiden anderen Reisenden die schnell näher kamen.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von La Vedova » Do 6. Apr 2017, 12:55

Der Junge spuckte zu Boden. Dieser Fremde ließ ja wirklich nicht locker, und Angst einjagen ließ er sich wohl auch nicht. Andererseits hatte er in seinem kurzen Leben schon mit allerlei zwilichten Gestalten zu tun gehabt.
"Na, das hier ist aber keine sehr sichere Gegend, um nachts spazieren zu gehen!", rief er deshalb zu dem Fremden hinunter, dass es sich hier gar nicht wirklich um sein Gebiet handelte, verschwieg er lieber. Da hätte der Fremde mal besser zuhören müssen, sollte der ruhig glauben, dass er hier der war, der etwas zu sagen hatte! Er überlegte kurz, dann meinte er mit gesenkter Stimme "Wahrscheinlich habt ihr noch nicht von dem Werwolf gehört, der hier hier sein Unwesen treibt...Er geht umher und frisst einsame Wanderer wie Euch..."
Na, wenn das dem Fremden keine Angst einjagte, wusste er auch nicht. Er hob schob die breite Krempe seines Hutes etwas zur seite, um ihn besser sehen zu können. Ein ganz schön harter Brocken war das. Auf die Frage nach der Waffe antwortete er lieber nicht. Sollte der Fremde sich doch überrschen lassen, er würde ihm sicher nicht zeigen, was er in petto hatte.


Die beiden Gestalten kamen näher und nun, wo sie maum mehr zwei dutzend Schritt entfernt waren, waren sie tatsächlich als ein Mann und eine Frau zu erkennen. Der Mann war hoch gewachsen, hatte helle Haut und schien nicht von hier zu sein und auch die Frau war ihrer dunklen Haut nach zu urteilen eine Ausländerin. Sie war nicht groß, aber ausgesprochen hübsch anzusehen. Dass es sich bei den beiden um die Eltern des Jungen handelte, war schwer zu glauben, wirkte dieser hier doch mehr als einheimisch.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von Ajax » Do 6. Apr 2017, 14:51

Der Wanderer lachte leise. Es war kaum zu übersehen, das sich der Jüngling so gerne mit einem Mysterium umgeben wollte, welches seine heranwachsender Körper und seine Kleidung leider nicht hergaben. Doch er hatte einen starken Willen, welcher es ihm in kommenden Jahren erlauben würde zu dem Mann heranzuwachsen der er jetzt schon so gern wäre. Er ließ das Lachen verhallen und schaute dann ein weiteres Mal nach oben. Dem Jungen war wohl kaum bewusst mit welcher Bestie er gerade Angesicht zu Angesicht sprach. Aber dem war besser so, bis auf wenige Ausnahmen waren Sethskinder so...einfach zu brechen. Weder ihr Geist noch ihr Körper war mehr als ein Zweig im Wind.

"Werwölfe also....Ja dann ist es bestimmt nicht sicher hier. Gut dass du dich da oben auf der Eiche vor ihnen versteckst, diese Bestien sollen nicht dafür bekannt sein auf Bäume zu klettern." Es schien ihn in keiner Weise einzuschüchtern eine solche Schreckensmär zu hören. Das der Junge nicht auf seine Fragen eingegangen war ihm entweder nicht bewusst oder er hatte sich dazu entschieden es zu ignorieren.

Seine Aufmerksamkeit verlagerte sich immer mehr in Richtung der ankommenden Gestalten. Wohl nicht seine Eltern, aber definitiv Personen die in irgendeiner Art und Weise zu dem Jungen gehörten. Ihr fremdländisches Aussehen weckte Ajax Interesse. Er würde noch etwas hier verweilen und warten bis die Beiden angekommen waren.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von La Vedova » Do 6. Apr 2017, 16:48

„Ha, du glaubst mir wohl nicht“, erwiderte der Junge etwas verärgert. „Aber wenn der Werwolf dich dann fängt, dann wirst du denken: Hätte ich doch auf Stradello gehört, der hat Recht gehabt mi dem Werwolf. Aber dann wird´s zu spät sein, weil dann hat er dich schon. Und bisher hat das keiner überlebt!“, er spuckte nochmal aus „Du wirst schon sehn!“

Inzwischen waren das Paar auf dem Hügel angelangt. Die Frau zog sich die Kapuze vom Kopf, ein breites Lächeln kam zum Vorschein, das ihre weißen Zähne in der Dunkelheit blitzen ließ. Sie mochte vielleicht Maurin sein und sie war wirklich ausgesprochen ansehnlich. Ihr Begleiter ging zu dem Jungen und hielt ihm etwas hin, das in ein Tuch eingeschlagen war und das dieser fix griff. „Na, Stradello, hast dem armen Mann hier einen Schrecken eingejagt?“, fragte er mit gespielter Strenge. Der Junge schüttelte den Kopf „Ne, der will mir nicht glauben.“
Die junge Frau zuckte mit den Schultern und sah ihren gegenüber an „Manchmal müssen die Menschen die Dinge eben selbst erfahren, um zum Glauben zu finden.“, sie lächelte noch immer „Aber Stradello hat schon recht, mein Herr, die Gegend ist in letzter Zeit tatsächlich nicht mehr sehr sicher. Deshalb würde ich auch empfehlen, diesen Weg zu nehmen“, sie deutete zurück zur Stadt „Niemand geht nachts nach Luccoli... außer natürlich denen, die dort wohnen…aber das ist etwas anderes.“

Derweil hatte ihr Begleiter dem Kind einen Wink gegeben und der Junge war neben ihm zu Boden gesprungen. Sie entfernten sich einige Schritte und sprachen leise zueinander.
Die junge Frau sah den Wanderer neugierig an, strich sich eine ihrer langen Locken aus dem Gesucht zurück unter ihre Haube und ließ einen Sack, den sie getragen hatte zu Boden sinken. „Wobei die Stadttore zu der Zeit jetzt natürlich geschlossen sind…Aber vor den Toren lagern immer einige Leute, die auf die Toröffnung am nächsten Morgen warten…“

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von Ajax » Do 6. Apr 2017, 18:07

Ajax schien nicht als ob ihn die Verärgerung des Jungen stören würde. Er sah ihn nur wortlos an und stieß dann einen Seufzer aus. "Ich denke das wird man sehen wenn es soweit ist." Lernen loszulassen wenn es die Zeit war...etwas was der Bub noch lernen würde. Auf die leichte oder die harte Weise. Seinem Verhalten geschuldet wahrscheinlich auf die harte Weise.

Nachdem das Paar auf dem Hügel angekommen war blickte Ajax ihnen entgegen. Es bestätigte sich was er gedacht hatte. Sie gehörten zusammen. Sein Blick war in Richtung der Maurin gerichtet als sie ihre Kapuze vom Kopf zog. Ein wahrlich schönes Gesicht. Er hatte durchaus schon Mauren in Konstantinopel und auf seinen Reisen gesehen, aber diese hier war ein besonders schönes Exemplar. Kurz schaut er dem Begleiter der Exotin nach und was er dem Jungen gab beziehungsweise was sie miteinander besprachen, entschied sich jedoch dass es nicht so wichtig sein konnte und wandte seine Aufmerksamkeit der Frau zu, die ihn direkt angesprochen hatte. " Macht euch keine Sorgen um mich, ich kann mich durchaus auf mich selbst aufpassen, auch wenn mich mein Körper heute etwas daran hindern mag. Und ich habe kein Interesse daran die Nacht vor der Stadmauer zu verschwenden." sagte er und hob lächelnd seinen Wanderstock ein paar Zentimeter vom Boden. Dabei konnte die Frau definitiv den Schwertknauf unter seinem Mantel erkennen, ob er das gemeint hatte oder auf seine gebeugtere Haltung hinweisen wollte war erstmal nicht zu erkennen. "Was meint ihr denn mit nicht ...sicher ? Wilde Tiere oder Räuber ? Und verzeiht die weitere Frage, wieso sollte man Nachts nicht nach Lucolli gehen ?" er schien bestimmt in seiner Absicht, seinen Weg nicht in die Richtung aus der er gekommen war fortzusetzen. Aber er würde sich erstmal noch informieren bevor er weiterging.

Sie hatte vom Glauben gesprochen...die Frage war ob sie wirklich glaubte. Ajax hatte Gewissheit, etwas was Glauben zumeist zu unterdrücken wusste.

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Re: Dunkle Straßen [La Vedova]

Beitrag von La Vedova » Do 6. Apr 2017, 19:25

Beim Anblick seiner Waffe zuckte die junge Frau kurz zusammen und sah schnell zu ihren Begleiter hinüber. Dann jedoch überspielte sie ihren Schreck, stemmte die Hände in die Hüften und schenkte ihm erneut ihr strahlendes Lächeln. Ihre Haltung offenbarte nun das Kleid unter dem Mantel, das schon einmal bessere Tage gesehen hatte, aber durch aus gewisse Assoziationen an das älteste Handwerk der Welt hervorrief, wäre die Bluse darunter nicht bis zum Halse zugeknöpft.
„Na, dass Ihr auf Euch selbst aufpassen könnt, glaube ich gerne“, meinte sie dann in plauderndem Tonfall und ohne dass das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand. „Tatsächlich klingt das nach einer ziemlichen Verschwendung. Nun, mein Herr, wilde Tiere trifft es ganz gut. Deshalb wurde vor einer Weile um Luccoli herum auch eine Pallisade zur Abwehr errichtet. Aber ich spreche auch von den Leuten dort, raue Burschen, bis an die Zähne bewaffnete Nordmänner…Nun, nicht alle natürlich. Es gibt dort auch normale Dorfbewohner, sogar eine Taverne…Aber man hält sich besser fern. Und nun ja, was der Junge von Werwölfen erzählt, das ist natürlich Geschwätz von Waschweibern, aber tatsächlich hört man nächtliches Geheul und es sollen immer wieder Leute verschwinden. Natürlich kommt das immer wieder vor, überall gibt es Halunken und manche laufen vielleicht auch einfach weg, aber…“, sie zuckte mit den Schultern. „Man weiß ja nie.“

Inzwischen war ihr Begleiter wieder zurückgekehrt und musterte den Fremden ebenfalls. Jetzt, wo er näher getreten war, waren einige Schrammen auf seinem Gesicht erkennbar geworden, so als wäre er vor einer Weile in eine Schlägerei verwickelt gewesen. Er stellte sich beschützend vor seine Begleiterin „Buonanotte, signore. Wir wollten Euch nicht belästigen und werden uns gleich weiter auf unseren Weg machen. Entschuldigt das Kind.“, er nahm den Sack der Frau vom Boden auf, schulterte ihn und machte Anstalten, in Richtung des größeren Gebäudes abseits des Dorfes zu gehen, als ihn die Frau jedoch am Arm zurückhielt und ihm sachte zu verstehen gab, kurz noch stehen zu bleiben.

„Mein Herr“, sagte sie dann leise und sah zu ihrem Begleiter hinüber „Es gibt noch eine andere Möglichkeit. Wir sind gerade auf dem Wege in Richtung St. Agnese. Zwar ist es den Nonnen dort nicht erlaubt, Fremde einzulassen, denn es ist ein Frauenstift, von den Umbauten in den letzten Jahren steht dort jedoch noch eine Bauhütte vor den Mauern, wo Ihr bis morgen sicher unterkommen könntet. Die Schwestern dort sind sicherlich auch bereit, Euch zu helfen, falls etwas mit eurem…Körper nicht stimmt.“, die letzten Worte klangen wie eine Frage. Ihr Begleiter schien nicht allzu begeistert von ihrem Vorschlag zu sein, zuckte dann jedoch mit den Schultern.
Der Junge hielt sich in einiger Entfernung auf und spuckte Obststeine umher.

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