Die Chronik von Genua

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Il Canzoniere
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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 3. Okt 2016, 15:21

Das Jahr 983 (September 2016)

Das Jahr 983 geht zu Ende. Und was für ein Jahr das war!

Begonnen mit dem Besuch einer pisanischen Delegation die mit ganzen sechs Schiffen angereist sei um hier angeblich Geschäfte in abnormaler Höhe abzuschliessen, über die offizielle Begrüßungszeremonie des neuen Bischofs Johann II von Genua, der nach einem zweiwöchigem Zwischenstopp im Kloster San Marcellino, in der Kathedrale in Burgus mit allen Ehren vom Senat und dem Grafen empfangen wurde, bis hin zu den Senatorenwahlen in Broglio, bei denen sich recht überraschend Luigi Spinola durchsetzte. Der Senat einigte sich daraufhin auf den tapferen Luca Fieschi als Konsul Broglios.
Aber auch all die anderen Dinge...

...die Broglio erschütterten:
Da sind die sich überschlagenden Gerüchte aus zahllosen Mündern, zahllosen Quellen. Jeder hat etwas anderes gehört, jeder kann etwas neues zu ihnen beitragen. Die "neue Miliz" die das ganze Jahr über das Viertel terrorisiert oder beschützt hat - je nachdem wen man fragt. Hinter der die "rote Lissi" stecke, eine Hexe, die Valentino Trucca, dem Anführer der Räuberbande, den Kopf verdreht haben soll.
Über die Wolfsnächte, die dieses Jahr immer wieder zugeschlagen hätten, nicht nur im Herbst. Sogar die Hunde Broglios würden schon verrückt. Nächtliches Wolfs- und Hundegeheul habe die meisten der zahlreichen Katzen vertrieben und um ein Haar hätten sie einen Senator Broglios, Luca Fieschi, zerrissen. Mit Mühe und Not sei er entkommen, aber seine ganze Familie ist tot! Augenzeugen schwören das sie am Ort des Massakers einige Leichen dieser Monsterköter gesehen hätten, offenbar helfen sie dem Werwolf! Die Abdecker die die Leichen jedoch tatsächlich mitgenommen haben, widersprechen diesem Humbug jedoch. Dort waren keine toten Hunde. Nur schrecklich zugerichtete Menschen. Wie es sich wirklich zugetragen hat, darüber wird viel spekuliert. Insbesondere eine Kinderreim der "der roten Lissi" oder auch "Melissa" die Schuld zuschiebt, ist häufig zu hören.
Statt jedoch aufgrund dieser Tragödie auf die Knie zu gehen, verschrieb sich Luca Fieschi der Jagd nach dem Werwolf und hat sogar einen Überlebenden eines solchen Angriffs aufspüren und vom Wolfsfluch heilen können! Der Heiler Samuele, der dies zustande brachte, hilft bereits seit Jahren den Ärmsten und kann sich nun vor Arbeit kaum retten. Auch sei man dem Wolf selbst nähergekommen. Gemeinsam mit dem Konvent vom Orden des heiligen Hubertus hier in Broglio sei man dem Werwolf schon lange auf der Spur, hätte ihn beinahe gehabt, dann kam der Angriff.
Auch wer sich selbst davon einen Überblick verschaffen mochte wird nicht enttäuscht: die über dreißig Toten wurden trotz der teilweise grausigen Verstümmelungen öffentlich aufgebahrt, bevor sie in einer Trauerzeremonie quer durch Broglio vor den Toren der Stadt begraben wurden. Alle knapp dreißig Mann. Sie werden ausgestellt, ihre Wunden (die nur von großen Klauen und Bissspuren stammen können) natürlich herum gezeigt.
Daraufhin explodiert die Zahl der Werwolfssichtungen. Die am häufigsten wiederholte ist diejenige das mehrere Augenzeugen eine hässliche Nonne in einer Gasse nahe San Donato dabei beobachtet hätten, ihre Kleider von sich geworfen und in einen Wolf verwandelt zu haben.
Von den sonst so häufig in Broglio gesichteten Nonnen war daraufhin wochenlang nichts zu sehen. Und ein Prediger des Kults der letzten Tage steht seitdem jeden Tag auf dem Piazza di Sant'Andrea an der Porta Soprana und ruft üble Flüche auf eben diese Nonnen herab.
Zuschlechterletzt trat Adalberto Damiano 'lo scudo' Valenti, Hauptmann der Miliz von Broglio von allen Posten und Ämter zurück. Er gibt sich selbst die Schuld an vielen der passierten Dinge und wolle mit seiner Frau aufs Land ziehen.

...die Ravecca erschütterten:
Nicht viel weniger heiß als in Broglio ging es unterdessen in Ravecca her. Anfang des Jahres gab es einige Fälle von Vergiftung in zweien der dortigen Gasthäuser und vemehrt zu Bandenüberfällen bei Nacht und Tag. Einige wohlbekannte Claviculaner Gesichter sieht man ziemlich häufig zwischen den Obsthainen, dieser Tage. Und auch viele Bettler und Obdachlose aus Broglio kommen nach Ravecca, da hier die Miliz wesentlich milder gegen sie vorgeht.
Trotzdem führte die Raveccaner Miliz eine großangelegte Razzia in Ravecca durch und vermeldete einige Verhaftungen von Verbrechern die hier offenbar Arme für Straßenbanden rekrutierten. Während des Prozesses in Clavicula wurden allerdings Zweifel an der vorgehensweise Hauptmann Felippes erkennbar und auch die Kirche beklagte den Umgang mit Kirchenbesitz während der Razzia.

...die Platealonga erschütterten:
Ende des Jahres kam es offenbar zu einer kurzzeitigen Übernahme des Sestieris durch die Milizen von Ravecca, Clavicula und Mascharana und angeblich sogar hier und da zu Scharmützeln zwischen den beiden erstgenannten. Auch mehr oder weniger offen ausgetragene Straßenschlachten zwischen verfeindeten Straßengangs wurden lediglich im Süden des Sechstels unterbunden.
Wenige Tage darauf vermeldete die Miliz Platealongas in sehr knapper Weise das Konsul Jacopo 'il Gatto', Hauptmann der Wache Platealongas tot sei. Zu den genauen Umständen schwieg sie. Auch die Beerdigung einige Tage danach fand mit verschlossenem Sarg statt. Einige munkeln er wäre leer gewesen.

...die Domus erschütterten:
Auch Domus vermeldet den Tod seines Milizhauptmannes, Konsul Lugo Scolanis und einiger seiner Hauptleute. Auch sie hält sich dünn was weitere Informationen angeht. In Domus selbst gehen jedoch die Gerüchte um, eine ganze Reihe Augenzeugen vermeldet das Scolani von Milizionären aus Platealonga ermordet worden sei. Trauernde konnten in dem in der Laurentuskapelle aufgebahrten Körper von ihm Abschied nehmen.

...die Mascharana erschütterten:
Auch das sonst so ruhige Mascharana kann etwas zu diesem wirren Jahr beitragen: So wurde die Stadtvilla des Marco Arduinici Ende des Jahres beinahe niedergerissen. Aufgrund eines unbekannten Hergangs brach ein Teil des Hauses ein, Baumeister geben dem Keller die Schuld, diese seien einfach nicht mehr zeitgemäß. Es hätte schon seine Gründe weshalb man sie heutzutage nicht mehr nutze. Dennoch musste die Hausgarde des Patriarchen den Palazzo völlig abriegeln um Diebstählen und Schaulustigen den Zutritt zu verwehren.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 3. Nov 2016, 12:21

Das Jahr 984 (Oktober 2016)

Nach dem turbulenten Jahr 983 kehrte im kommenden Jahr ein wenig Ruhe in Genua ein, was viele den Umstrukturierungen der außer Rand und Band befindlichen Milizen zur Stadtwache zusprechen. Kämpfe zwischen den Milizen gab es keine weiteren, ja es scheint als ob der Sindaco mit seiner Reform sogar den seit Jahrzehnten teils offen teils im verborgenen abspielenden Konflikt zwischen den Milizen Platealongas und Claviculas beilegen konnte.

Der neu ernannte Capitano della Cita, Bruno Mancini, ernannte neue Hauptmänner als Nachfolger der verstorbenen Hauptleute in Platealonga und Domus, mit Billigung der dortigen Sestierparlamente. Gleichzeitig bestätigte er die amtierenden Hauptleute in Mascharana, Clavicula und Broglio. Felippe hingegen, der Hauptmann Raveccas, wurde nicht bestätigt. Er widersetzt sich seiner Absetzung jedoch und scheint dabei sogar die Milizionäre Raveccas hinter sich zu haben! Sindaco Pietro Lombardi Fieschi bittet nun den Senat Genuas um Absetzung Felippes als Senator Raveccas, da dieser ein schweres Verbrechen gegen die Res Publica begehe. Der Senat wird noch in diesem Jahr darüber entscheiden.

Senatswahlen in Broglio führten, trotz bemerkenswert niedriger Wahlbeteiligung und gegen eine lächerlich schwache Konkurrenz, zur Ernennung des wieder angetretenen Valentino Truccas zum Senator. Aufgrund der Neuregelungen zu den Senatorenwahlen, die eine Kandidatur der Stadtwachenhauptleute verbietet, gelangten bei den Wahlen in Platealonga Enrico Fieschi und in Domus Cesare Agnelli in Senatorenwürden.

Hauptmann von Felippe aus Ravecca führte eine Reihe von Razzien, zur Bekämpfung der Claviculaner Banden die immer weiter nach Ravecca vordringen, durch. Am hellichten Tage ließ er verschiedene Häuser teilweise unbescholtener Bürger und sogar die zweier Senatori durchsuchen. Auch das Waisenhaus fiel einer Razzia zum Opfer und alle Bewohner auf offener Straße begutachtet. Es soll auch Anfragen für Razzien in anderen Sestieri gegeben haben, die jedoch von den dortigen Hauptleuten als unbegründet abgelehnt wurden.

Die Bandenkriege Platealongas wurden durch hartes Durchgreifen der dortigen Stadtwache stark eingedämmt. Überraschenderweise wurde erstmals schwer gegen heimische Banden vorgegangen. In Amtshilfe kümmerte sich die Stadtwache Claviculas ihrerseits um dortige Banden. Während des Vorgangs wurden eine Reihe ehemaliger Capitanos der platealonganischen Miliz gegen Kopfgeld zur Fahndung ausgeschrieben. Der Vorwurf: Fahnenflucht.

In Domus eröffnete eine Einrichtung die Genua so noch nicht gesehen hatte: das aus einem Gasthaus umgebaute Domus Medicorum, welches verspricht sich der Gesundheit seiner Patienten anzunehmen. Neben Badern, Medicussen und einem gesalbten Priester der die Sterbenden ins Himmelreich führe steht auch nahrhaftes Bier und gesunder Wein in gewohnter Schankumgebung zur Verfügung - für diejenigen Genuesen die sich prophylaktisch frei von Krankheiten halten wollen. Sogar Il Palladino soll hier gesehen worden sein!

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 5. Dez 2016, 15:32

Das Jahr 985 (November 2016)

Felippe, der Hauptmann Raveccas und Senator wurde wegen Verstößen gegen die Res publica aus dem Senat Genuas entlassen. Im laufenden Jahr gibt es daher Neuwahlen für seinen Ratsposten in Ravecca. Auch das Amt des Milizführers habe er aufgrund des dauerhaften öffentlichen Drucks niedergelegt, auch wenn es heißt das er noch viele Freunde unter den neu uniformierten Stadtwächtern habe.

In einigen Teilen Broglios kam es im vergangenen Jahr wiederholt zu äußerst blutigen und tödlichen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Banden und Bürgerwehren außerdem sind einige Leute offenbar spurlos verschwunden. Auch der allgemeine Ton scheint zunehmend rauer zu werden. Einer der Problemherde der Stadt scheint sich aus dem immer sicherer werdenden Platealonga ins östliche Ende der Stadt zu verschieben.

Vor den Toren, nördlich von Platealonga entwickelt sich eine kleine Siedlung. Offenbar mit Duldung des gräflichen Hofes und außerhalb der Zuständigkeit des städtischen Senats. Es heißt dort sollte auch ein Heim für gefallene Frauen entstehen.

In der jüdischen Gemeinde Genuas und auch der einiger umliegenden Städte ist der Name Roger de Arles in aller Munde. Als einer der wenigen christlichen Streiter die auch Juden in Gerichtskämpfen vertreten hat er eine außergewöhnlich gute Siegquote. Kaum jemand der ein gutes Haar an ihm lässt - außer natürlich den sonst so gebeutelten jüdischen Kaufleuten.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 3. Jan 2017, 17:56

Das Jahr 986 (Dezember 2016)

Der ehrenwerte Senator Raffaele Brambilla aus Ravecca lässt verkünden das zur Mitte des Jahres 987 eine Handwerkerschau in Ravecca stattfinden wird. Geladen wird hier jeder tüchtige Handwerker dessen Füße oder Planken ihn nach Ravecca tragen. Auch außerhalb Genuas wurde die Schau weithin bekannt gemacht.

Im Domus Mediocrum in Domus hat dieses Jahr ein Sängerwettstreit stattgefunden den der famose Rudolfo Brabanti mit seiner harfengleiche Stimme für sich entscheiden konnte. Die Damen (und einige Herren) schmolzen dahin als er über die See sang. Sagt man jedenfalls.

In der ganzen Stadt, vor allem aber in Ravecca macht sich ein Name breit der die Kainiten aufhorchen lässt: Gerüchte vom wundertätigen San Alerio, dem Schutzpatron der Waisenkinder. Den meisten Menschen scheint er einfach ein weiterer der vielen Heiligen zu sein und so verwundert es nicht das das raveccanische Waisenhaus Ospizio per orfani di San Giovanni Battista schnell die Abkürzung "San Alerio" abbekommen zu haben scheint.

Die höhere Gesellschaft fiebert der Hochzeit des broglioischen Konsuls Luca Fieschi entgegen, der in der Villa Trucca in Broglio eine rauschende Hochzeit vorbereitet. Zahlreiche Gäste, Senatoren und sogar der Sindaco haben ihr kommen angekündigt, es verspricht das Fest des Jahres zu werden.

In Borgio Incrociati machen sich Gerüchte um eine kindliche Hexe breit. Sie soll schwarzen Locken, dunkle Augen und feine Züge, sowie ein zierliches, ja mageres Aussehen besitzen. Vielleicht elf Jahre soll sie zählen. Häufig versteckt sie sich in der Tarnung einer Pilgerin, mit Jakobshut und Pilgerstab. Barfuß ist sie unterwegs und schleppt diejenigen hinfort die allein unterwegs sind, um ihnen des Nacht ihre Lebenssäfte zu stehlen. Sie lästere Gott, morde Kinder und koche Flugsalbe aus dem Fett der Getauften. Ein wahrlich widerliches Monster.

Wahlen: In Ravecca wurde Ottovani Scuto, Gastwirt und Schwager der Brigori, in den Senat gewählt.

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