Die Chronik von Genua

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Die Chronik von Genua 2

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 30. Jan 2016, 10:38

Das Jahr 965 (Dezember 2015)

Ende des Jahres lief das prachtvolle byzantinische Schiff, das in den letzten Jahren immer wieder im Hafen gesehen worden war - die Chalkos - mit festlicher Verabschiedung aus. An Bord der Galeere befand sich eine Gesandtschaft des Markgrafen Januensis, des Schirmherren von Genua, Oberto I., der hoch zu Ross und begleitet von seinem alten Getreuen Luccio il Onnivoro und seiner jungen Frau das Schauspiel verfolgte.
Die Gesandtschaft, gebildet aus einigen der edelsten der Fieschi und einigen neutralen Repräsentanten des Reiches Byzanz, tritt eine langwierige diplomatische Mission an, die den Frieden auf der jüngst von Bürgerkrieg zerfressenen Insel Korsika sichern soll.

Grauenhafte Gerüchte machen die Runde, er sei in der Toskana ein gesuchter Verbrecher. Ein Mörder, der vor dem Grafen geflohen wäre. Man habe ihn sogar zum Bischof gehen sehen, ganz allein, und das Volk der Stadt ist gespalten. Die einen behaupten, Ferrucio Erminio habe sich verantworten müssen wegen Ketzerei, wegen Mord und Apostasie. Die anderen schwören Stein und Bein, seine unbeschadete Abreise sei Beweis seiner Unschuld.
Doch die Fragen bleiben. Hat er seiner Vergangenheit wegen vor Jahren seinen Posten aufgegeben und sich zurückgezogen auf das Land, wo er die Rolle des Dorfpredigers übernommen hat, geschützt von dem Einfluß des alten Ritters an der Kreuzung?

In Raveccha hat der ehrenwerte Priester von San Donato, womöglich um die Scharte des schlechten Rufes seines hurenden Trinkers von Vorgänger auszuwetzen, mit Hilfe der edelsten Bürger des Sestiere ein Heim errichten lassen für die Ärmsten der Armen.
Mit ausgestreckten Armen und strenger Erziehung werden dort all jene empfangen, die unverschuldet in Not geraten, deren Eltern verstorben und die ohne Familie, ohne Freunde auf der Straße leben müssen.
Man lobpreist insbesondere den alten Arduinici, dessen gütigen Spenden einen Großteil des Hauses finanziert haben.

Der Bischof hat, um weiter um sich greifenden Gerüchten von Korruption und Falschheit in der Kirche und insbesondere Anschuldigungen, er würde den guten Hirten Ferrucio aus reinem Kalkül von wichtigen kirchlichen Entscheidungen ausschließen, den alten Bischofsrat als beratendes Gremium wieder ins Leben gerufen.
Teil dieses Rates sind der Domkustos Salvatore il Lupo und der Domdekan Giacomo di Rienzi, beide hohe Verwalter im Kastell des Bischofs, sowie die Äbte Zacharias von San Sisto e Vittorio und Albanus von San Marcellino, außerdem der Priester von Santa Maria, Luigi di Gerusalemme.
Die Bürger vertrauen darauf, dass diese weisen Männer ihren jungen Bischof gut beraten werden.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 6. Feb 2016, 21:45

Das Jahr 966 (Januar 2016)

Bischof Teodolfo von Genua verkündete während des Osterfestes das Leiden der Armen zu lindern. Ihr Hunger, ihre Obdachlosigkeit und ihre Armut sei der Beweis das es zu wenig Nächstenliebe gebe unter den Menschen - und eine Schande für die gesamte genuesische Bevölkerung. Nicht der Graf wäre länger in der Pflicht etwas zu tun. Sondern jeder einzelne von ihnen. Die Kirche plane daher in den kommenden Jahren fünf Armenhäuser zu errichten. Gleich zwei davon in Clavicula, wo sie am dringendsten benötigt würden. Aber auch in Domus, Broglio und Ravecca sollen solche Zufluchtsstätten errichtet werden in denen die Armen ein Dach über dem Kopf und etwas warmes zu Essen bekämen.

In Platealonga hingegen wird bereits gebaut. Luigi di Gerusalemme, Pater di Santa Maria di Mascarana, der seit Monaten zu Spenden aufrief, dankte seinen mannigfaltigen Spendern für die Verschönerung ihrer aller Heimat. Arbeiter der Fieschi pflastern unterdessen die Zugangsstraßen Platealongas gen Mascarana, sowie den Piazzi di San Giorgio, die komplette Via Piana und die Vicolo Silenzioso - das Herz Platealongas.

Genau dort - also im Hafen - hat sich offenbar auch ein nobler, aber schüchterner Spender eingefunden. Unter der wachsenden Fischergemeinschaft macht sich das Gerücht breit, dass er Boote verschenke. Boote! Während die einen nun auf der Suche nach dem edlen Spender sind um vielleicht auch solch ein Boot zu ergattern, schüttelt die anderen nur mit dem Kopf - das klingt zu schön um wahr zu sein.

Fabio Arduinici, Patriarch des genuesischen Zweiges der Arduinici-Familie gibt offiziell seinen Rücktritt vom Posten des Patriarchen der Arduinici zugunsten seines Sohnes Marco bekannt. Er selbst wäre nicht mehr der jüngste, was man ihm - insbesondere in der letzten Zeit - auch deutlich ansieht. Die Geschäfte als Senator Mascaranas wolle er allerdings noch weiterführen. Zumindest ein paar Jahre noch. Sonst würde ihm schließlich langweilig.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » So 14. Feb 2016, 16:04

Die Jahre 967 bis 972 (Februar 2016 - erste Hälfte)

Überfall. Flüstern die Kainiten Genuas. Sie munkeln von Entführten Gästen der Domäne. Von vernichteten Kindern der Nacht. Von arabischen Aggressoren. Aus Fraxinetum soll ein Mordkommando geschickt worden sein. Sogar vor der Zuflucht der Prinzessin hätten diese kein Halt gemacht. Und einige von diesen... seien noch immer hier.

Aurore, la principessa bianca, soll darüber vor Wut kochen. Über ihren neuen Seneschall, Maximinianus, Ancilla vom Clan der Könige, ließ sie ausrichten das sie einen Feldzug gegen Fraxinetum vorbereite. Und das sowohl ihre Vasallen als auch ihre Gäste dazu aufgefordert sind diesen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Sie wird ihn selbst anführen. Maximinianus wird solange die Domäne in ihrem Namen verwalten - mit Ausnahme der beiden Domänen Clavicula und Burgus.

Aber dem ist nicht genug. Eine tödliche Seuche hat sich - beinahe über Nacht - in verschiedenen Teilen der Stadt festgesetzt. "Schwarzfieber" nennt sie der Volksmund. Ihr Haupterkennungszeichen: die sich langsam dunkel verfärbende Zunge schwillt innerhalb von 3-5 Tagen stark an und führt bei vielen zum Erstickungstod. Nach einer Woche kommt heftiges Fieber hinzu. Nicht jeder stirbt daran. Aber viele. Insbesondere Clavicula und Platealonga sind betroffen. Aber auch in Broglio und Domus und sogar den näheren Siedlungen findet man einige der Kranken und Toten.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 1. Mär 2016, 23:00

Die Jahre 973 bis 977 (Februar 2016 - zweite Hälfte)

In Broglio gehen seit einiger Zeit Spukgeschichten um. Besonders an der Sestierigrenze gen Domus ist es schlimm. Eigenartige Geräusche, verschwundene Personen, tot aufgefundene Tiere. Der Teufel geht um, so sagt man. Aber auch die Dienerinnen des Herren sind nicht weit. Hier in der Nähe soll sich eine kleine Gemeinschaft Nonnen, vom Orden der Uberto-Schwestern vom kostbaren Blut niedergelassen haben. Und sie kennen keine Furcht.

Bischof Teodolfo hat im Jahre 973 das seltene Vergnügen eine Kapelle zur echten Kirche zu weihen. Denn die ehemalige Laurentuskapelle im Zentrum von Domus ist von seinem mittlerweile greisen Priester, Orso, mit viel Blut, Schweiß und Arbeit vergrößert worden. Unter Tränen dankt der alte Mann den vielen Helfern aus Domus, insbesondere Pietro Ungaretti für die Hilfe bei seinem Lebenswerk.

Elio Embriaci, der reichste Mann Genuas ist im März 974 von uns gegangen. Es heißt das Schwarzfieber habe ihn dahingerafft. Seine Beerdigung wurde in einem großen Trauerzug begangen, der Bischof selbst sprach einige Worte über den im Leben so harten Mann. Die Geschicke der Familie Embriaci werden nun von seinem drittgeborenen, Francesco Embriaci, übernommen und in seinem Sinne fortgesetzt.

Die "Heiligen der letzten Tage" machen wieder von sich reden. Hatten sie sich doch vor einigen Jahren beinahe völlig aus der Stadt zurückgezogen scheinen sie gerade im Osten Genuas erneut nach neuen Jüngern Ausschau zu halten. Auch auf dem Land sieht man ihre Prediger immer häufiger. Wie sie vom Ende der Tage prophezeien und nach Borgo Incocritati, zur Gemeinde der Gläubigen einladen.

Im Norden Platealongas finden emsige Bauarbeiten statt. Beinahe drei Dutzend Häuser wurden von Grund auf neu erbaut - teilweise auf vermülltem Brachland, teilweise auf den Trümmern der frisch abgerissenen Barracken der Vorbesitzer. Etwa auf der gleichen Höhe wurden zeitgleich mehrere (zuvor vom Senat gebilligte) hölzerne Kais aufs Wasser gebaut. Offenbar steckt hinter allem der gleiche ominöse Bauherr.

Eben jenes Fieber schien jedoch eingedämmt werden zu können, insbesondere durch die kenntnisreiche Hilfe der Mönche San Marcellinos, welche vom Grafen von Mailand, dem neuen Sindaco di Genova (Bürgermeister Genuas), Pietro Lombardi Fieschi, sowie Bischof Teodolfo ausdrücklich gelobt wurden. Kurz darauf erhob sich Benedetto zum Ancilla des Clan des Todes. Bisher widersprach niemand.

Das Jahr 975 war vom Feldzug gen Fraxinetum geprägt. Truppen des Grafen von Mailand, genuesische Freischärler, Aliierte aus Parma, Florenz und Lucca, Vasallen aus Nizza, Freunde aus Burgund, alle marschierten sie gemeinsam um den sarazenischen Brückenkopf ein für allemal auszuräuchern. Nach neunmonatiger Belagerung und einer Hafenblockade durch byzantinische Seesöldner, pisanische Freibeuter und einigen genuesische Galeeren, gelang es den Belagerern die Tore der Festung einzubrechen. An diesem Tag und in dieser Nacht floß das Blut in Strömen. Feuer brannten. Eisen schlug auf Eisen. Von der einst so bedrohlichen Festung, den lauten Märkten und den hohen Mauern blieb nicht viel mehr als verkohlte Balken, verbrannte Knochen und Asche. Die Sieger teilten darauhin die Beute: Nizza beanspruchte die Ländereien, Pisa und Genua teilten sich die erbeuteten Schiffe, Burgund bekam Sklaven und die Toskana hochrangige Gefangene. Der Rest, das Hab und Gut der Bevölkerung, überließ man den mordenden und brandschatzenden Fußsoldaten. Fraxinentum ward nicht mehr. Die Christenheit konnte aufatmen.

Die Toten und Verschwundenen Platealongas erreichen im Sommer 976 einen neuen Höchststand. Offenbar durch Bandenkriege zwischen Straßenbanden und Schmugglern, Seeräubern und anderem Matrosengesindel schießen die Todeszahlen für einige Wochen in die Höhe. Nur um dann, wie über Nacht, wieder auf ihren vorherigen - ziemlich hohen - Stand zurückzufallen.

In Contratra Predis scheinen einige Dinge aus dem Ruder zu laufen, so hört man. Nichts genaues. Nur von viel nackter Haut berichtet der ein oder andere Wanderer. Von schwarzen Messen und Fleischeslust auf dem Alter des Herrgott tuscheln die anderen. Die heiligen der letzten Tage verdammten den sonst so ruhigen Ort sogar wiederholt lauthals. Bis Mitte 976. Dann hörten sie auf einmal damit auf.

Umwälzungen waren das Motto des Jahres 977 - insbesondere in den großen Familien. Denn eine sechste gesellte sich zu den bisherigen fünf. Die Familie Bianchi schien ihren Coup von langer Hand vorbereitet zu haben. Die dicht aufeinander folgenden Tode der Patriarchen Guido Spinola und Alrado Brigori hinterließen ein Chaos aus Erbschaftsansprüchen, Testamenten, Eheverträgen und gut beleumundeten Zeugen aus welchem sich die Bianchi mit überraschender Macht erhoben. Insbesondere auf Kosten der Brigori verschoben sich Eigentumsverhältnisse, Grundstücke und Schiffsbesitze beinahe über Nacht.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 2. Apr 2016, 13:20

Das Jahr 977 (März 2016)

Ein gehetzt wirkender, ziemlich alter Mann erschien Ende des Jahres des Nächtens in San Donato. Er bat dringend um Einlass. Um Hilfe. Schreiend und weinend schmiss er sich vor das Hauptportal, wohl nicht wissend das die Verdammten den dezenten Seiteneingang nutzten. Er schrie "Hilfe! Sie ist weg! Einfach Weg! Meine Herrin..." offenbar litt er an geistiger Umnachtung. Wären da nicht einige wohl wissende Silben zwischen all dem Gestammel gewesen: "Ich brauche Blut! Gebt mir euer Blut! Ich sterbe sonst! Ich bitte euch!"

In Contratra Predis, auch Flussmund genannt, brennen seit kurzem die Feuer. Und die Ketzer. Aufgrund "ungeheurer Vorkommnisse" stellte eine Gruppe Gläubiger Bewaffneter den Priester der Dorfkirche unter Hausarrest und verbrannten seit Mitte November mehr als zwei Dutzend Anwohner. Der Kult der letzten Tage aus dem nahen Borgio Incrociati war bisher bei jeder einzelnen Verbrennung in größerer Zahl anwesend. Der Bischof verurteilt die Hinrichtungen als Mord - da es keinen Prozess gegeben habe - und kündigt an sowohl die Ketzereianklagen als auch die Bestrafungsausführungen untersuchen zu lassen. Zu allererst fordert er jedoch die Freilassung des römisch-katholischen Dorfpriesters aus den Händen der Sekte.

Eine brutale Mordserie erschüttert Broglio. Zwar sind die Ermordeten meist Verbrecher oder gar Sünder aber die Art der Morde erschüttert auch die erfahrensten Milizionäre: Zu Tode gehetzt, mit schreckengeweitetem Gesicht und mahnend präsentiert ermuntern sie das nächtliche Volk keineswegs für erhöhte Aktivität.

Eine Gruppe Einbrecher scheint sich darum jedoch weniger Gedanken zu machen. Denn die Lagerhäuser der Brigori-Loyalisten werden in Broglio vermehrt Opfer von Diebstählen und Übergriffen. Ob sich dahinter jedoch gewöhnliche Verbrecher verbergen die die Gunst der Stunde nutzen oder angeheuerte Schurken der Familie Bianchi weiß niemand mit gewissheit zu sagen.

Die erst vor kurzem verabschiedeten Gesetze zur Aufstellung eigener Seestreitkräfte scheinen bereits ihre Kreise zu ziehen. Viele Genuesen, aber auch Pisani und Venezianer haben sich den sich neu bildenden Mannschaften angeschlossen - selbstverständlich lediglich als einfache Matrosen. Und so kreuzen bereits die ersten beiden Schiffe die unter dem roten Kreuz fahren in der Bucht vor Genua.

Sechs Milizionäre der Miliz von Platealonga wurden im vergangenen Jahr durch Ordnungskräfte Claviculas hingerichtet. Die Anklage auf Mord, Amtsanmaßung und Vertuschung von Straftaten wurde in jedem Fall eindeutigi von den zuständigen Behörden in Clavicula bestätigt. Nun hat die Miliz Platealongas bis auf weiteres jede Kooperation mit der von Clavicula eingestellt und alle Straßen dorthin vollständig abgesperrt. Wer in Zukunft von Platealonga gen Clavicula gelangen möchte muss zwangsläufig einen Umweg durch Mascarana oder Domus machen.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 5. Mai 2016, 22:08

Das Jahr 978 (April 2016)

Die Feuer haben sich ausgebreitet. Sie brennen nun nicht mehr nur in Contratra Predis, auch Borgio Incrociati haben sie erreicht. Mehrere Ketzereiprozesse, nun offenbar auch unter der Fahne des Kultes der letzten Tage, haben Ketzer im Namen des Herren gerichtet. Trotz der abermaligen Beschwerde des Bischofs. Es wird gemunkelt das er als nächstes die Bischofsgarde schicken würde um die Rädelsführer zu einem Gespräch zu bitten. Man munkelt jedoch auch das diejenigen die die Feuer legen schwer bewaffnet seien.

In Platealonga, wo seit mittlerweile Jahren Leute verschwinden, wurden angeblich zwei Kinder gesichtet die ohne große Mühen den Leichnam eines ausgewachsenen Mannes getragen und achtlos ins Hafenbecken geworfen hätten. Angeblich soll sogar nur eines von ihnen den leblosen Körper getragen haben. Aber wie an den Haaren herbeigezogen wäre denn soetwas...

Ravecca munkelt über den alten Markus, früher "Rotnase" genannt. Er sei mit dem Teufel im Bunde, flüstern die einen. Er habe seine Seele an eine Hexe verkauft, die anderen. Wie anders wäre es zu erklären das er ein solch immenses Alter erreicht hat und trotzdem noch so jung aussieht? Kaum älter als fünfzig muss er sein. Doch er sei mindestens doppelt so alt erzählen sich die Waschweiber!

Der Stadtrat tagte in diesem Jahr ausgesprochen selten, offenbar haben sie einen Besuch des Grafen von Mailands abgewartete der im September in Casteletto weilte und auch die Abgesandten der verschiedenen Sestieri empfing. Erst einige Zeit nach seiner Abreise schien wieder Alltag in die Politik Genuas eingefunden zu haben.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 4. Jun 2016, 17:25

Das Jahr 979 (Mai 2016)

Es gehen Gerüchte um. Bereits zum wiederholten Male ist ein sterblicher in wenigen Wochen gealtert wie manche Männer es in Jahrzehnten nicht tun. Vor eingen Jahren war es Giovanni, der Priester der Santa Maria delle Vigne in Maddalena nun ein griechischer Barbier aus Borgio di Bisagio. Und Rotnase Markus, der langjährige Milizführer und Senator Raveccas? Auch er sah am Ende alt aus, berichten enge Freunde der Familie - auch wenn es bei ihm nur die bettlägerigkeit gewesen sein könnte...

Gottesfluch! Die Wölfe sind nach Luccoli zurückgekehrt. Vor Jahrzehnten von einem tapferen Helden vetrieben, suchen sie nun erneut die Gehöfte und Menschen Luccolis Heim. Die dortige Miliz gibt sich äußerst wachsam, aber auch sie trauen sich nachts nurnoch in kleinen Gruppen aus dem Haus...

Wahlen in Ravecca und Broglio: Die ehrenwerten Senatoren Leonardo Fieschi, aus Broglio und "Rotnase" Markus aus Ravecca sind im vergangenen Winter von uns gegangen. Die freigewordenen Posten in den Sestieriparlamenten sollen nun von gewählten Nachfolgern eingemonne werden. Die Wahlen finden Ende des Jahres statt, doch bereits jetzt gehen die ersten Kandidaten auf Stimmfang!

Bereits jetzt sammeln die Milizen Mascaranas und Domus illegale Bettler ein. Während Antonio Lugo Embriaci aus Mascarana die Schuldigen direkt hängen lässt, schickt Lugo Scolani aus Domus die von seinen Männern ergriffenen an den ordentlichen Gerichtshof in Clavicula. Viele der dort herumlungernden Armen weichen nun auf die anderen Sestieri aus, was die dortigen Verbrechensraten in die Höhe schnellen lässt und zu teils heftigen Revierkämpfen führt.

Sklavenausbruch! Claudio Sultana aus Platealonga setzt ein beträchtliches Kopfgeld auf seinen entflohenen "Harem" aus. Die Flucht der neun Sklavinnen aus Fraxinetum und Nordafrika sei von einer rothaarigen Frau instruiert worden die offenbar kämpfen konnte! Und da sage man das diese Welt nicht verrückt spiele! Auch auf diese Frau setzt der Senator ein hohes Kopfgeld aus.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 5. Jul 2016, 22:00

Das Jahr 980 (Juni 2016)

Bandenkriege in Broglio und Platealonga. Nahe der Porta Soprana in Broglio scheint ein Bandenkrieg stattzufinden. Handelte es sich erst lediglich um Übergriffe auf die dortigen Tavernen gab es gegen Ende des Jahres die ersten Toten, so sagt man. Und die nichtsnutzige Miliz, wie Luca Fieschi, neuer Abgeordneter im Broglioer Senat, während seiner Wahlkampagne stets betont hat, tut überhaupt nichts zur Wahrung der Ordnung. In Platealonga hingegen scheint der Konflikt von verschiedenen heimischen und claviculanischen Verbrecherbanden auszugehen. Auch die Milizen der beiden Sechstel scheinen sich irgendwie in den Konflikt verstrickt zu haben.

Wahlen. Ravecca und Broglio haben gewählt. In beiden Sestieri haben sich dabei die Favoriten durchgesetzt. Gewann in Broglio Luca Fieschi, Sohn des ehemaligen Senator Leonardo Fieschi mit einer aufsehenerregenden Kampagne in der er einen Teil der Strata Romana aus eigenen Mitteln bepflasterte und Männer der Fieschi als eigene Ordnungshüter durch die Gassen Broglios schickte, so setzte sich in Ravecca Hauptmann Felippe von der dortigen Miliz mit ehrlicher, harter Arbeit, kameradschaftlicher Treue und christlicher Nächstenliebe gegenüber den Armen durch.

Genua hat im vergangenen Jahr mehr Händler angezogen als jemals zuvor. Franken, Normannen, Korsen, Iberer, Aragonesen, Burgunder, Römer, Pisani, Neapolitaner, ja sogar den ein oder anderen Sardinen, oder Sizilianer sieht man gelegentlich in den immer enger werdenden Gassen Platealongas. Aber auch der Überlandverkehr nimmt zu und füllt die Tavernen Raveccas, Broglios und sogar Domus mit hungrigen Gästen.

Bettler im Osten. Die Obdachlosen Genuas sammeln sich in Broglio und noch viel stärker in Ravecca, deren Milizen noch nicht so hart gegen sie vorgehen wie die in Mascharana und Domus und wo sie in keine Dienste von Banden gepresst werden, wie etwa in Platealonga und Clavicula. Bischof Teodolfo hat daher alle Bürger Raveccas und Broglios aufgerufen ihr Brot mit den Armen zu teilen und verspricht die Errichtung von Armenküchen in den beiden Sestieri. Auch den Bau von Gotteshäusern, zur Entlastung der San Donato-Kirche soll seitens der Kirche erwogen werden. Nichtsdestotrotz steigt die Verbrechensrate in beiden Sestieris bedenklich.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Fr 5. Aug 2016, 11:53

Das Jahr 981 (Juli 2016)

Die Kirchenglocken der Stadt schlagen seit Tagen. Angefangen hat es im Kastell, wo am 19.11.981 Bischof Teodolfo nach kurzer aber schwerer Krankheit von uns gegangen ist. Trauergottesdienste und betrübte Gesichter unter den Gläubigen aller Orten. Der zu Lebzeiten zurückhaltende aber gütige Bischof und seine bestimmte, diplomatische Art fehlen nach seinem Tode. Er drängte die inneren Kirchenstreitigkeiten mit ruhiger Hand zurück und einte die ehemals zerstrittenen Kirchen der Stadt.

Kritik an den Milizen wird laut. Allen voran derjenigen in Broglio die seit Monaten kaum noch Verbrechen aufklären würde. Aber auch die Unzufriedenheit mit den Milizen in Clavicula und Platealonga wachse. Ihre Rivalitäten habe eine neue Höchstspannung erreicht. Man spricht sogar darüber das es am Hauptfriedhof nahe Burgus zwischen Mitgliedern und Sympathisanten beinahe zur offenen Schlacht mit mehreren hundert Beteiligten beider Seiten gekommen wäre.

Die Revierkriege zwischen Banden weiten sich immer weiter aus. War bisher nur Platealonga betroffen, berichten nun viele Bürger von steigenden Mordzahlen und Scharmützeln in Broglio und Ravecca. Einige besonders brutale Morde in Broglio wirken wie Antworten auf die sogenannten "Wolfsnächte" die jährlich im Herbst die Verbrecher Genuas in Angst und Schrecken versetzen. Aber auch die Wolfsnächte selbst traten in diesem Jahr zum ersten Mal in anderen Jahreszeiten als dem Herbst auf.

Der von Pietro Lombardi Fieschi eingesetzte Capitano del Mare, Mario Bianchi, meldet die Bereitschaft der genuesischen Flotte. Die aufwändig instand gesetzten, größtenteils in Fraxinetum erbeuteten, Schiffe hätten nun ausreichend Matrosen und Soldaten für eine Ausweitung der genuesischen Marinepräsenz von der genuesischen Bucht auf die gesamte ligurische See. Diese Ausweitung soll vor allem dem Schutz der zahlreichen Händler dienen die die Stadt seit einigen Jahren ansteuern und die in der Vergangenheit vermehrt Opfer von Piratenüberfällen wurden.

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Die Erinnerungen des verflossenen Jahres 2

Beitrag von Il Canzoniere » Fr 2. Sep 2016, 15:48

Das Jahr 982 (August 2016)

Die Tiere spielen verrückt in Broglio, zuerst sind viele der sonst so aufdringlich herumsitzenden Katzen verschwunden und jetzt hört man in manchen Nächten das Heulen eines Wolfes. Mitten in Broglio. Betrachtet man das wirken der Wolfsnächte dazu kann das nur eines bedeuten: in Broglio lebt ein Werwolf.

Überhaupt, die Katzen die vor wenigen Jahren nach Ravecca geströmt sind - die sind der wahre Grund für diese Misere, so hört man in Ravecca dieser Tage beinahe überall, aber auch in anderen Sestieri ist man dieser Meinung. Angeblich sollen sie sogar ein Mädchen, höchstens 9 oder 15 Jahre alt (je nachdem wen man fragt) gefressen haben. Mit Haut und Haaren. Am Stück. Miese Dinger. Unglücksboten. Lasst sie nicht an oder gar in eure Häuser!

Il Paladino kommt nach Genua! Das flüstert das einfache Volk an jeder Ecke. Der Held von Lucca besucht la superba! Woher man das so genau weiß, das ist schwer zu sagen. Händler und Pilger haben ihn angeblich gesehen wie er in diese Richtung steuerte. Und wie käme man dann an Genua vorbei? Niemand bei Verstand gehe freiwillig nach Pisa, wenn er auch nach Genua könne! Es muss so sein. Il Paladino kommt.

Wahlen in Broglio: Konsul Edmondo Trucca tritt alters- und krankheitsbedingt zurück. Die Bevölkerung Broglios wird dazu aufgerufen einen neuen Senator zu wählen. Die Kompanie von Broglio wird anschliessend über einen neuen Konsul entscheiden.

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