Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Il Canzoniere
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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 6. Jan 2018, 03:50

Das Jahr 1003 (Oktober, November, Dezember)

Das Jahr 1003 war von Aufräumarbeiten, Beerdigungen und Trauerfeiern gesäumt wie eine Kuh von Fliegen. Viele die nicht in der Schlacht selbst gefallen waren kamen verletzt nach Hause, mussten um das immer teurer werdende Brot betteln, obwohl sie ihre Gesundheit für Genua gegeben hatten! Zwar rief die Kirche in jedem Gottesdienst zu spenden auf, aber es reichte dennoch nur an wenigen Tagen.

In mehreren Sestiere, besonders aber in Domus grassieren außerdem allerlei Krankheiten die von den durch die Sarazenen achtlos liegengelassenen Leichen, der allgemeinen schlechten Gesundheit und der Manegelernährung herrühren. Das fehlen des Domus Medicorum wird nun umso schmerzlicher.

Hunger macht sich, vor allem in Clavicula und Ravecca, breit. Die Menschen darben und versuchen über die Runden zu kommen. Zu wenig Nahrung ist im Umlauf, haben doch viele der Bauern des Umlandes in den Heeren der Genuesen und Mailänder gekämpft statt ihre Ernte einzuholen. Zwar hat der Erzbischof von Mailand einen Konvoi mit gespendeten Hilfen geschickt, doch ist in Clavicula und Ravecca davon nicht viel angekommen.

Auch viele Handwerker, teilweise von großem Talent, scheinen nicht mehr ganz recht über die Runden zu kommen und verlassen die Stadt, ziehen ins Umland. Der Graf ist sicher erfreut darüber. Für Genua ist es ein Verlust.

Der Skandal im Senat macht es nicht besser. Während der Abstimmung über die Konfiszierung der Bianchi-Güter stand Tommaso Bianchi, Patriarch der Familie Bianchi, auf - wie alle dachten um sich zu verteidigen. Mit nichten! Er gestand alle Taten ein! Er und der Capitano del Mare, sein Cousin Mario Bianchi, hätten Konvois der Fieschi überfallen, ausgeplündert und außer Landes geschmuggelt um sie dort gewinnbringend zu verkaufen. Die Suche nach der "Magdalena" war ein vorgeschobenes Argument um mit den Schiffen der genuesischen Flotte all die Nahrung transportieren zu können. Ihm sei Christus erschienen und er bereue zutiefst.
Der daraufhin im Senat losbrechende Tumult war ohrenbetäubend. Beinahe wäre der Senator von seinen eigenen Kollegen ermordet worden, doch Armando Pietro Fieschi konnte die Ordnung wieder herstellen und Recht und Gesetz aufrechterhalten. Tommaso Bianchi wurde wegen schweren Verstoßes gegen die res publica seines Senatsposten enthoben, wie auch Mario Bianchi seines Postens des Capitano del mare. Alle Güter der Bianchi in Genua wurden zur Beschlagnahmung durch die Stadtwache freigegeben, ein Dutzend in die empörende Operation Beteiligte wurden verhaftet und vor dem Stadtgericht in Clavicula verurteilt, darunter auch Mario Bianchi. Tommaso kam nur aufgrund seines Geständnisses mit dem Leben davon und wurde für immerdar aus Genua verbannt, wie auch der Rest seiner Verwandtschaft. Die Güter fallen nun zu Teilen den anderen Familien sowie der Stadt zugute.

Trotz all dieser deprimierenden Ereignisse ist es so das das Leben weitergeht. Besonders in Ravecca scheint man sich dessen bewusst zu sein. In vielen Kneipen und Gasthäusern wird ungebrochen gesungen und getanzt. Einen Schlager hört man dieser Tage gar überall in diesem geschäftigen Sestieri, angeblich von einer Frau namens Rosalinde erdacht:
Roter Mond über weiter See, Herzensglut wärmt den kalten Tee.
Hoffnungsschein, in der Nacht, und noch ist der neue Tag nicht erwacht!

Sterne stehn, hell am Firmament! Solche Nacht, findet nie ein End!
Dieser Ort, rau und schön, und wir dürfen seine Herrlichkeit sehn.
Dieser Ort, wild und schön, und wir dürfen seine Herrlichkeit sehn.

Weißer Fels, Holz, Lavendelkraut, weit entfernt schon der Morgen graut.
Fahne weht, weiß und rot, das Meer es schimmert, nachts so rot.

Fahrt vorbei, morgen geht es fort. Kommen wir wieder an gleichen Ort?

Osten ist unser Glück und in uns bleibt nur die Erinnerung zurück,
Osten ist unser Glück und wir schwören uns ein neues Zurück.
Stadtpolitik:
- Tommaso Bianchi aus Mascharana wurde wegen schweren Verstoß gegen die res publica aus dem Senat entfernt. Neuwahlen wurden, im Hinblick auf die bereits laufende Wahl in Mascharana, ins nächste Jahr verschoben.
- In Broglio wurde Renzo Serpico in das Sestieriparlament gewählt. Als Freund der Melissiden steht er seinem Vater, ebenfalls Senator in Broglio, offenbar nicht sonderlich nah, es heißt sogar er sei von dessen Erbe ausgeschlossen. Nun scheint er sich mit durch eigene Kraft das holen zu wollen was er nicht durch Erbschaft bekommt.
- In Mascharana wurde Alard Arduinici, der erst in diesem Jahr die Geschäfte der Familie Arduinici übernommen hatte, in den Senat gewählt.
- In Clavicula wurde Lio 'il nano', seines Zeichens der größte "Vermieter" Claviculas, in den Senat gewählt.

Aus dem italienischen Umland:
- Januar: Herzog Otto von Kärnten erleidet an der Veroneser Klause eine schwere Niederlage gegen Arduin von Ivrea, den König von Italien.
- Papst Silvester II. stirbt am 12. Mai nach vierjährigem Pontifikat in Rom. Schon vier Tage später wird Giovanni Sicco vom römischen Patricius Johannes II. Crescentius zu seinem Nachfolger erhoben. Er wählt den Namen Johannes XVII., womit er dem wenige Jahre zuvor gestürzten Gegenpapst Johannes XVI. Legitimität verleihen will. Damit beginnt die Falschzählung der Päpste mit dem Namen Johannes. Der von Johannes Crescentius abhängige Papst stirbt nach kurzer Amtszeit bereits am 6. November.
- 25. Dezember: Der Kardinalpriester von St. Peter, der Benediktiner Johannes Fasanus, wird Papst Johannes XVIII. und übernimmt sein Pontifikat. Wie schon sein Vorgänger Johannes XVII. wird er vom römischen Patricius Johannes II. Crescentius zum Papst erhoben und ist von diesem abhängig.
- Am 23. Februar gründet der burgundisch-italienische Abt, Klosterreformer und Architekt Wilhelm von Dijon die Abtei Fruttuaria in San Benigno Canavese etwa 20 km nördlich von Turin. Stifter dieses Klosters sind Arduin, Markgraf von Ivrea und König von Italien, und dessen Ehefrau Berta, sowie Otto Wilhelm, Graf von Burgund, die zu seiner Verwandtschaft zählen

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