Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Welche Gespenster gehen um in der Domäne? Worüber redet das Volk und seine dunklen Herrschaften?
Gerüchte und Ankündigungen?

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » So 5. Feb 2017, 22:06

Das Jahr 987 (Januar 2017)

Broglio kommt nicht zur Ruhe. Im Februar jagte ein bewaffnetes Konglomerat aus Hauswachen, Stadtwächter und Verbrechern einen Mörder mit Hunden und Äxten durch Broglio und sicher halb Domus. Es heißt er konnte entkommen, aber einem solchen Angebot kann eigentlich niemand entgehen. Sicher haben sie ihn selbst gerichtet und nicht nach Clavicula an das städtische Gericht überstellt, wie es rechtens gewesen wäre.

Nur wenige Wochen später erzitterte das Sestieri erneut, als die Hochzeit des Luca Fieschi, der bereits den Werwolf Broglios überlebt hatte, ein zweites Mal heiratete. Eine örtliche Händlerstocher hieß es. Melissa hieße sie, raunten einige. Wie diese Hexe. Mitten in der Zeremonie jedoch, gerade als die Geschenke der Brauteltern präsentiert wurden, stürmte eine riesige Schar Ratten die Kirche San Ambrosio. Sie stürzten sich auf die Gäste als ob der leibhafte Teufel in ihnen stecken würde! Die Wächter vor Ort erschlugen viele, jedoch war der Zorn des Volkes geweckt. Luca Fieschis Fluch stürzte sie alle erneut in Gefahr. Ein wütender Mob stürmte das Haus des Patriziers und machte auch Versuche das seines Freundes Valentino Trucca anzugreifen, wurde jedoch von dessen Wachen gnadenlos niedergemacht. Es gab sicher mehrere Dutzend Tote.

Renzo Serpico hingegen verkündete, einige Monate später, abermals in Broglio, dass er den Wohlstand des Handelshofes mit den Ärmsten des Sestieris teilen und das Armenhaus nicht nur vergrößern, sondern Gemeinde, ihm Vorschläge zu unterbreiten, ruft sogar einen Wettbewerb aus! Wer ihm den besten Vorschlag für ein Gebäude einbringen kann, wird auch andere Aufträge von ihm erhalten.

Im Senat kündigt sich Ärger an. Graf Otberto hat anfragen lassen weshalb die Friedhofswache des genuesischen Zentralfriedhos denn eigentlich von der Stadt gestellt würde und nicht von seinen Männern. Das Land auf dem der Friedhof stehe gehöre schließlich ihm, nicht der Stadt. Er höre sich schon eine ganze Weile die Klagen aus Burgus an die Kriminalität und Grabschändung beklagen würde. Da hätte die Friedhofswache bisher wenig gegen getan.

Die raveccaner Handwerkerschau war ein voller Erfolg. Von nah und fern reisten Meister und Gesellen an um ihre Fähigkeiten vorzustellen. Einen ganzen Monat lang waren die raveccanischen Kneipen von fremden Dialekten und Sprachen erfüllt, Karren wurden beladen, Hände geschüttelt. Besonders beeindruckt hat die vielen Gäste ein Architekt hier aus der Stadt: Albano heiße der. Er präsentierte ein mehrere Meter hohes Modell eines Turms. Eigenartig konstruiert stürzte er dennoch nicht ein! Ja er trug sogar einen großen Stein auf der Spitze! Sapperlott!

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 21. Feb 2017, 11:19

Die Jahre 988-992 (erste Hälfte Februar 2017)

988
- Die Nachwirkungen des Handwerkerfestes werden sichtbar: offenbar hat einigen Gesellen Genua so gut gefallen das sie vorhaben sich hier niederzulassen. Insbesondere in Ravecca siedeln sich verschiedene Kunsthandwerker an, aber auch nach Domus zieht es mehrere neue Gesichter.
- Bei Borgio di Bisagno wird der Bau eines Pferdehofs abgeschlossen. Hier wurden Ställe und großflächig Weiden für ein Gestüt, das wohl aus der Toskana überführt wurde, aufgebaut. Einige Wochen später stapfen die riesigen Tiere auch bereits auf den Koppeln herum.
- Johannes Philagathos wird Erzbischof von Piacenza.

989
- In Domus werden Gerüchte über einen eigenartigen Vorfall im Domus Medicorum laut. Die sich teilweise stark widersprechenden Erzählungen sind teils hanebüchen. Jemand soll den Preis für den stattfindenden Sängerwettstreit gestohlen haben indem er die Rückwand durchbrochen hat, sagen die einen. Andere berichten von Dämonen die dort umgingen und dort in mehrere Leute eingefahren wären. Offenbar gab es Tote und Verletzte. Sogar Il Paladino soll irgendwie dort drin verstrickt sein! Aber jeder erzählt irgendetwas anderes. Auch eine Gruppe eigenartiger Nordleute scheint irgendwie in diese Sache verwickelt zu sein.
- Die deutsche Kaiserwitwe Theophanu unternimmt ohne ihren Sohn Otto III. einen Italienzug mit dem vorrangigen Ziel, am Todestag ihres Gatten für sein Seelenheil zu beten.

990
- Ein genuesischer Flottenverband soll in der Meerenge bei Messina versenkt worden sein. Sicher ein Dutzend Schiffe wurden mit Mann und Maus von der See verschluckt, so sagt man. Viele Genuesen haben Angehörige verloren und insbesondere in Platealonga ist die Trauer groß. Der Bischof hielt einen eigenen Gottesdienst in der Kathedrale San Siro ab um den Trauernden etwas Trost zu spenden. Der Senat hielt eine Gedenkminute ab. Und auch wenn man sich nicht sicher ist ob sie tatsächlich dahinter stecken: die Heiden werden für diese Tat bezahlen!
- In Luccoli wurden die bestehenden, eher übersichtlichen, Schmiedewerkstätten enorm ausgebaut. Es heißt sie wären nun (nach denen der Brmbillas aus Ravecca) die größten Schmiedewerkstätten des gesamten genuesischen Raums. Auch einige Arbeiter aus Genua zog es - für den Broterwerb - in die wachsende Siedlung von Luccoli.
- Kaiserwitwe Theophanu kehrt von ihrem im Vorjahr begonnenen Italienzug nach Deutschland zurück.

991
- Am südlichen Strand Platealongas wird eine Erweiterung der genuesischen Schiffswerft errichtet, welche das bisherige Werftvolumen mindestens verdoppelt. Die zusätzlichen Arbeitskräfte stammen beinahe vollständig aus Genua - und ernähren nun viele weitere genuesische Familien. Ab dem Frühjahr 992 wird hier mit dem Schiffsbau und der Reparatur von Schiffen begonnen.
- In Ravecca scheint sich eine Gruppe obdachloser Ausländer die Abwesenheit einer ordentlichen Kirche zu Nutze zu machen und ihre eigenen Ideen von Jesus Christi zu verbreiten - teilweise sogar auf italienisch! Die Kirche verurteilt diese Ketzerei und ruft die Anwohner Raveccas dazu auf diese Ketzer zu meiden. In den etwas schattigeren Ecken des Sestieris hat man allerdings seine eigene Methoden für so etwas: vermehrt kommt es zu Prügeleien und sogar einigen Morden denen die Stadtwache eher halbherzig nachzugehen scheint.
- Die venezianische Volksversammlung nimmt eine Erkrankung von Tribuno Memmo zum Anlass, diesen als Dogen abzusetzen. Pietro II. Orseolo wird zu seinem Nachfolger gewählt.

992
- Der bereits seit der Warenschau wieder eklatant ansteigende Zustrom fremder Händler im genuesischen Hafen hat in den letzten Jahren noch deutlich zugenommen. Noch nie in der Geschichte der Stadt kamen Leute aus fremden Ländern in solch großer Zahl. Noch nie waren die Märkte in Platealonga so überbordend gefüllt, die Kontore der Familien in solchem Hochbetrieb. Und auch bei den Kneipenbesitzern, den Huren und Bettlern, den Kirchenspenden und Spielleuten kam ein Teil der neu fließenden Gelder an. Und nicht nur die Märkte Platealongas, auch das in den letzten Jahren gebeutelte Ravecca dankte die ständig ausgebuchten Betten, die Handwerker des im Aufschwung befindlichen Domus die vollen Auftragsbücher, die Reichen Mascharanas die neuen Luxusgüter und auch die Broglioer Händler einen erfreulichen Anstieg des Geschäfts. Grund dieses Aufschwungs scheint die bisher als Verräter und Mörder verschriene Familie Bianchi zu sein, welche so ein deutliches Symphatieplus aufbauen konnte.
- Isabella di Ventura aus Mascharana wird vom Bischof wiederholt, namentlich und ausdrücklich für Ihre Aufopferungsvolle Arbeit und Ihre großzügige Spenden für das Ospizio per orfani di San Giovanni Battista in Ravecca gelobt. Alle guten Christen sollten sich an ihrem beispiellosen Umgang mit armen Waisenkindern ein Beispiel nehmen. Das scheinen einige auch zu tun - im folgenden verbessert sich die generelle Notsituation des Waisenhauses erheblich.
- Auf einem Hügel nahe Maddalena, unweit der Straße nach Genua, sind seit einigen Jahren größere Bauarbeiten im Gange. Mehrere Gebäude, eines sogar aus Stein (evtl. für eine Küche?) sind entstanden und teilweise sogar bereits bewohnt. Aktuell wird am Rande des Hügels ein Graben ausgehoben - wohl um dort Befestigungen oder eine Palisade zu erreichten. Fragt man was dort genau geschehe zucken die meisten Dörfler nur mit den Achseln. Graf Otberto habe es wohl einigen Soldaten erlaubt sich hier niederzulassen. Den Namen des Heiligen Martin hört man aber öfter in diesem Zusammenhang.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 9. Mär 2017, 12:43

Die Jahre 993-996 (zweite Hälfte Februar 2017)

993
- In Luccoli, Macelli und Borgio di Bisagno bilden sich lockere Bürgerwehren die im Kriegsfall die offiziellen Milizen und Truppen des Grafen mit freischärlerischen Kräften unterstützen können.
- Die erste Heiligsprechung der Kirchengeschichte nach einem kanonisierten Verfahren wird für den 973 verstorbenen Ulrich von Augsburg durch Papst Johannes XV. durchgeführt und am 3. Februar beurkundet.

994
- Um Luccoli wurden palisadenartige Wildschutzabsperrungen errichtet, die ursprünglich wohl auch eine Reiterabwehr beinhaltet haben. Angeblich auf Beschwerden des Grafen hin sollen diese jedoch wieder abgebaut worden sein.
- Der römisch-deutsche König Otto III. emanzipiert sich allmählich aus der Regentschaft seiner Großmutter Adelheid von Burgund und trifft zunehmend eigene Entscheidungen. Er macht seinen Vertrauten Heribert von Köln zum Erzkanzler von Italien, ein Amt, das bisher ausschließlich Italienern vorbehalten war.
- Benediktiner gründen nördlich von Bologna das Kloster Santa Maria in Strada.

995
- In Ravecca wurde gewählt. Der alternde Raffaele Brambilla hat sich zugunsten seines Sohnes Juliano Brambilla aus dem genuesischen Senat und von seinen Geschäften zurückgezogen. Nach dem Wahlgang der raveccanischen Bürger konnte sich der junge Inhaber der Schmiedewerkstätte durchsetzen und nimmt seitdem seines Vaters Posten im Senat ein.
- In Domus wurde das bekannte Haus der Heiler, das Domus Medicorum. großflächig ausgebaut. Alle angrenzenden Gebäude wurden abgerissen um ein komplexartiges Gebäude zu errichten das sich nun das größte Gebäude im ganzen Sestieri ansehen darf. Offenbar wurden hier, neben einigen Bewohnern, auch Werkstätte und weitere Heiler und Bader untergebracht.
- Papst Johannes XV. verfeindet sich mit dem römischen Patrizier Crescentius I. Nomentanus aus der Familie der Crescentier und muss in die Toskana fliehen. Er schickt einen Hilferuf an König Otto III.


996
- In Teilen Broglios und Raveccas scheint eine tödliche Krankheit umzugehen die bereits mehrere Dutzend Leute dahingerafft zu haben scheint. Getroffen werden offenbar stets die Ärmsten der Armen, die nun zusätzlich mit Verfolgung zu kämpfen haben, da sie ja "Seuchenträger" seien! Es gab bereits mehrere Fälle von tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und Bettlern. Meist zu Ungunsten letzterer.
- In Domus werden verstärkt die Ritter des Ordo Sancti Martini gesichtet wie sie Lebensmittel an Waisenkindern und andere arme Gestalten verteilen die Hilfe benötigen. Ganz dem christlichen Ideal der Nächstenliebe verschrieben scheinen diese wehrhaft aussehenden Männer doch ein goldenes Herz zu haben!
- Die Ankunft verschiedener Söldnerabteilungen, teilweise aus dem fernen Dänenreich, rauen den Umgangston in Platealonga erheblich auf und kurbeln den Umsatz der Wirte enorm an.
- März: Der 16-jährige römisch-deutsche König Otto III. unternimmt nach einem Hilferuf von Papst Johannes XV., der vom römischen Stadtpräfekten Crescentius I. Nomentanus und seiner Partei bedrängt wurde und Rom verlassen musste, seinen ersten Italienzug. Unterwegs übernimmt Otto in Verona die Patenschaft für Ottone Orseolo, den Sohn des venezianischen Dogen Pietro II. Orseolo. In Pavia trifft eine römische Gesandtschaft mit Otto zusammen, um mit ihm über die Nachfolge des inzwischen verstorbenen Papstes Johannes XV. zu verhandeln. Noch in Ravenna nominiert er seinen Verwandten und Hofkaplan Brun von Kärnten zum Papstnachfolger und lässt ihn von Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Hildebold nach Rom begleiten.
- 3. Mai: Brun(o) von Kärnten wird als Gregor V. erster Papst aus heute deutschsprachigem Reichsgebiet.
- 21. Mai: Otto III. wird vom neuen Papst Gregor V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.
- Der neue Kaiser und der neue Papst sitzen wegen der Vertreibung von Johannes XV. über Crescentius I. Nomentanus zu Gericht. Er wird zum Tode verurteilt, aber von Gregor begnadigt, woraufhin er Otto III. den Treueeid leistet.
- Juni: Otto kehrt über die Alpen ins Reich zurück.
- Bereits Ende September 996, nur wenige Monate nach seiner Begnadigung, vertreibt Crescentius Papst Gregor V. aus Rom und bereitet die Einsetzung eines Gegenpapstes vor.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 4. Apr 2017, 21:09

Das Jahr 997 (März 2017)

Die Zeitalterwendehisterie nimmt dramatisch zu. Wurden die Genueser in den letzten Jahren immer nervöser ist es nun beinahe an jeder Ecke spürbar: Tonamulette werden in schmierigen Gassen gegen unerhöht hohe Geldbeträge getauscht, Untergangspropheten und Apokalyptiker schreien sich auf den Plätzen Genuas gegenseitig nieder - schweigen nur wenn die Stadtwächter misstrauisch ihre Runden laufen, Kirchen und Kneipen sind über die Maßen gefüllt, der Blick in die Zukunft der meisten Genuesen düster. Die Endzeit naht.

Werwölfe in Broglio und Ravecca! War es doch in den letzten Jahren ruhiger geworden um den Werwolf von Broglio, der mutmaßlich eine Frau, ja eine Nonne gewesen sein mochte, aber nie wirklich aufgespürt wurde. Nun war wieder das schauerige Geheul des Wolfes, gefolgt vom wilden Gebell der örtlichen Hunde, zu hören. Ist der Werwolf wieder da? Die Stadtwache Broglios und Raveccas bittet um sachdienliche Hinweise, hat sogar eine Belohnung für solche ausgesetzt!

In Borgio Incrociati finden seit Anfang des Jahres wieder große Freiluftgottesdienste statt. Ein bescheidener Mann mit einem gottgegebenen Redetalent ruft dort zur Beichte, Buße und frommen Lebensweise auf. Er verkündet außerdem das er und seine Anhänger im kommenden Jahr "Nachtzüge" zum Piazza di San Giorgio in Platealonga durchführen werden, wo sie "die Wahrheit" verkünden wollen.

Die raveccanische Seuche wurde offenbar weitestgehend eingedämmt. Dank der stetigen, aktiven Hilfe durch den Ordo Martini konnten Heiler aus Ravecca und Domus die Seuche die im vergangenen Jahr in Ravecca und Broglio ausgebrochen war weitestgehend eindämmen. Zwar wird den Armen, unter denen diese grassierte, noch immer sehr misstraut aber sie werden nicht mehr sofort von dannen gejagt. Nunja zumindest nicht häufiger als sonst.

In Mascharana machen sich Gerüchte über einen Geisteraustreiber breit. Ein offenbar aus Venedig kommender Mann soll dort eine Schar Geister aus einer antiken Spukstätte vertrieben haben. Nun ist er wohl nach Genua gelangt. Einige Gerüchte sprechen dabei von einem Wanderpriester, andere von einem heidnischen Priester dunkler Götzen. Vorsicht sei angebracht!

Man erzählt sich in den Tavernen von Domus und sogar vor der Stadt in Maddalena und Burgus das der Ordo Martini neue Mitstreiter sucht. Auch unter den Waisenkindern Genuas löst die neue Karriereoption als strahlender Ritter unter den kleinen Jungs rasch den vorher sehr beliebten Piraten ab.

In einer prunkvollen Zeremonie hat Maria Auralia di Ventrua, Tochter der Isabella di Ventura, Anfang des Jahres den ehrenwerten Vincenzo Doria geehelicht. Die in der Kathedrale San Siro vom Bischof persönlich geführte Hochzeitszeremonie hatte neben dem Grafen Otberto auch allerlei genuesische und mailändische Prominenz zu Gast.

In Broglio tut sich etwas. Eine ganze Reihe Händler, der Hauptmann der Stadtwache und drei Senatoren sagen sich von ihren Familien los und nennen sich fortan "Melissiden". Natürlich sind die so "betrogenen" Familien alles andere als glücklich darüber und viele Lieferketten werden neu besetzt um solchen Verrätern nicht auch noch Geld in die Taschen zu wirtschaften...

Wahlen in Platealonga. Der Konsul Platealongas, Claudio Sultana, hat den Winter nicht überstanden. Wahlen für den vakanten Senatsposten sind für Winter 998 angesetzt. Auch der Konsulposten in Platealonga muss neu vergeben werden.

Aus dem italienischen Umland:
13. Februar: Anhänger des Markgrafen Arduin von Ivrea ermorden Petrus, den Bischof von Vercelli.
Februar: In Pavia suspendiert Gregor V. den Klerus des Konzils von Verzy bei Reims.
Februar: Der römische Stadtherr Crescentius I. Nomentanus erhebt Johannes Philagathos, zuletzt Bischof von Piacenza, als Johannes XVI. zum Gegenpapst gegen den im Vorjahr von Otto III. eingesetzten Gregor V.
Kaiser Otto III. bricht im Dezember zu seinem zweiten Italienzug zur Unterstützung Gregors V. auf. Ottos Tante Mathilde, Äbtissin von Quedlinburg, wird mit der Regentschaft im Reich betraut.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 6. Mai 2017, 14:04

Das Jahr 998 (April 2017)

Man munkelt von merkwürdigen Geistererscheinungen in Burgus. Angeblich soll dort eine Geistermühle des Nachts von selbst das Korn schroten. Stunden um Stunden dreht sie sich in vielen Nächten, wenn auch nicht in jeder, obwohl alle Ochsen oder Gesellen die dies des Tags erledigen bereits tief und fest schlafen...

Die Männer des Heiligen Martin oder Martinsritter, wie sie sich selbst nennen, werden immer aufdringlicher. Lassen arme Leute nicht einmal ihre Grippe ausschlafen, drängen sowohl in Domus als auch in Ravecca jeden mit einem Schnupfen in ihr Stadtdomizil, dem Domus Medicorum oder gleich vor die Mauern nach Maddalena zu ihrem Stützpunkt. So hört man es wiederholt in den Straßen der Stadt.

Die aus Ravecca vertrieben Schar fränkischer Flüchtlinge, der man Ketzerei und Teufelspaktierer nachsagt, hat sich In Borgo di Bisagno niedergelassen. Offenbar haben sie hier mehr Freundlichkeit erfahren als im angespannten Ravecca. Was sie jedoch so nahe an Borgio Incrociati und seinen Kult der letzten Tage getrieben haben mag, das kann man nicht sagen. Vielleicht gibt es auch Absprachen mit dem Vates...

...der im vergangenen Jahr erstmals seit langem Sternmärsche gen Platealonga organisiert hat. Aus den nahen Dörfern strömen die Gläubigen des Tages gen Burgus, sammeln sich auf dem Torplatz und ziehen dann in den frühen Stunden der Nacht mit Fackeln und laut betend gen Platealonga. Ihr ursprüngliches Ziel, den Piazza di San Giorgio haben sie bei den ersten drei der zwölf Märsche zwar erreichen können, jedoch wurden sie von der Stadtwache abgehalten ihn auch zu betreten. Also beschränkten sie sich darauf lauthalts abwechselnd zu beten und dann den Zutritt zu fordern. Beim vierten Marsch trat der "Vates" selbst vor und überzeugte die guten Stadtwächter sich ihrem Zug anzuschließen. Schon lange hat man den Piazza vor der Georgskirche nicht mehr so gefüllt gesehen. Seit dieser Nacht spricht der Vates wieder zu seinen Anhängerschar, die jeden Monat zu wachsen scheint. Er spricht von einem kommenden Ende. Einem nahen Ende. In wenigen Monaten soll es soweit sein. Die letzten Nächte sind herangekommen. Umarmt eure Lieben. Vergebt euren Feinden. Folgt Gottes Gesetz. Und ermahnt auch jeden der euch lieb und teuer ist dies zu tun. Das Ende steht vor der Tür. Wen es zwischen den Beichten erwischt, der kommt unversehens in die Hölle. Also sündigt gar nicht erst. Und sorgt dafür das eure Lieben dies ebenso nicht tun. Dies ist eine heilige Pflicht. Gott erlaubt das ihr hierzu Gewalt anwendet.

Emilio Sartos Gesetzesvorschlagsinitiative scheint auch die Ohren vieler anderer erreicht zu haben. Lauthalts gibt es Proteste der wehrkraftzersetzend Vorschläge des Platealonger Schneiders. Die offenbar vom Ordo Martini eingeleiteten lautstarken Proteste haben offenbar auch den Senat wachgerüttelt, mit überwältigender Mehrheit, so sagt man, seien die betreffenden Gesetze Sartos abgelehnt worden. Andere jedoch, wie etwa die die jüdische Gemeinde beunruhigende Kopfsteuer, hätten den Senat passiert.

Das Dörfchen von Maddalena hat eine eigene Miliz aufgestellt, so sagt man. Damit ist es neben Burgus und Luccoli nun eine der drei Ortschaften außerhalb der Mauern der Stadt die über eine eigene, bewaffnete Beschützertruppe verfügt.

Wahlen in Platealonga: In den Senatswahlen im vergangenen Jahr hat sich Giovanni da Venti, Schwager der Arduinici durchgesetzt und vertritt die Belange der ehrenwerten Familie im genuesischen Senat.

Neuwahlen:
- in Domus. Der langjährige Senator Pietro Ungaretti verstarb im Herbst des vergangenen Jahres. Sein Posten wird nun vom Volke von Domus neu gewählt.
- in Platealonga wird über den Senatskonsul des Sestieris neu abgestimmt.

Aus dem italienischen Umland:
20. Februar: Otto III. erreicht auf seinem neuen Italienzug Rom, wo ihm freiwillig Einlass gewährt wird. Crescentius I. Nomentanus, der Anführer der kaiserfeindlichen Partei, verschanzt sich in der Engelsburg, während Gegenpapst Johannes XVI. aus der Stadt flieht. Er wird wenig später von ottonischen Truppen in einem Turm entdeckt, geblendet, grausam verstümmelt und im Triumphzug durch die Stadt geführt. Auf einer rasch einberufenen Synode wird er formell abgesetzt und in ein Kloster gesteckt. Papst Gregor V., ein Verwandter des Kaisers, erhält wieder die Herrschaft über die Stadt.
28. April: Auf einer Urkunde Ottos III. erscheint erstmals offiziell die Devise der Renovatio imperii Romanorum.
29. April: Nach längerer Belagerung wird Crescentius I. Nomentanus gefangengenommen und enthauptet.
Am Christi-Himmelfahrtstag erringt eine venezianische Flotte unter dem Dogen Pietro II. Orseolo einen Sieg über die Dalmatiner, an die die Stadtrepublik seit einer Niederlage im Jahr 887 Tribute hat zahlen müssen. Seither trägt Pietro den Namen eines Herzogs von Dalmatien.
2. November: Abt Odilo von Cluny bestimmt diesen Tag als Gedenktag für die Verstorbenen. Der Tag entwickelt sich darauf in wenigen Jahren zum kirchlichen Gedenktag Allerseelen.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 3. Jun 2017, 15:14

Das Jahr 999 (Mai 2017)

In Domus wurde zu Beginn des Jahres im Domus Medicorum ein Armenhaus mit Bedürftigenspeisung eingerichtet. Angeblich soll es irgendwie mit dem Orden des Heiligen Martin verbandelt sein. Jedoch muss ein Unternehmer das Haus betreiben, denn wer nicht arbeiten kann oder will fliegt dort schnell wieder heraus, so behaupten böse Zungen. Lediglich diejenigen die zum anpacken bereit wären bekämen dort häufiger Schlafplätze und würden vorne in der Essensausgabe stehen! Ja sogar ein Geschäft wurde dort eröffnet das Tagelöhner für allerlei Tätigkeiten "vermietet". Wo bleibt denn da die Nächstenliebe? Das wäre der Beginn der Christen-Sklaverei munkelt man. Andere halten dagegen das es die Zahl der taugenichtse und Bettler reduzieren würde. Und gegen ehrliche, harte Arbeit sei doch nie etwas einzuwenden, ja die sei sogar gottgewollt!

Der Kult der letzten Tage hat seinen Weg zurück in die Stadt gefunden. Des Tags auf Plätzen in Broglio und beginnend auch im östlichen Domus sowie dem östlichen Ravecca, des Nachts in riesigen Versammlungen auf dem Piazza di San Giorgio in Platealonga. Jeden Donnerstag schmettert hier der Vates des Nachts seine Reden und jeden Donnerstag sind es mehr Leute die gebannt seinen Worten folgen und sich die Sakramente von ihm geben lassen. Der Wein Christi. Der Laib Christi. Das in den Kirchen gewarnt werde, es handele sich hier um Blut und Menschenfleisch scheint die epidemieartige des Kultes aber nur auszubremsen, nicht zu stoppen. Der wortgewaltige Vates kontert mit der "Angst der korrupten vor den Rechtschaffenden". Und er nennt Namen. Juliano aus der Kirche San Giorgio? Es sei kein Zufall das er ein Ebenbild des Bartolomeo di Firenze sei, der vom Bischof in Schimpf und Schande hinfortgejagt wurde! Luigi di Gerusalemme von der Kirche Santa Maria in Mascharana? Ein Diener Mammons! Für das einfache Volk habe er keine Zeit! Manfredo aus San Damiano in Domus? Ein käuflicher Mann! Und ein Knabenliebhaber! Fiorello von San Donato? Auf ihm lastet ein dunkler Schatten! Der Bischof? Ein abtrünniger Anhänger des Gegenpapstes. Oder wieso widersetzt er sich den Anweisungen des rechtschaffenden Erzbischofs von Mailand?

Selbstmord oder Mord? Emilio Sarto, Schneider und Schwager der Spinola wurde in seiner Werkstatt erhängt aufgefunden. Hat er sich selbst das Leben genommen? Oder hat ihn jemand dazu getrieben? Der er nach jüngsten Gesetzesvorschlägen Morddrohungen erhielt war nicht unbekannt. Roger von Arles, ein Gefolgsmann des Grafen Otbert von Mailand habe ihn vor vielerlei Zeugen mit dem Tode bedroht! Haben sie den Senator nun aufgeknüpft? Der einzige Zeuge der Emilio Sarto in dieser Nacht gesehen habe, ein Lehrling des Schneiderhandwerks, ist außerdem spurlos verschwunden. Zur Klärung des Falles wurde Roger de Arles an den städtischen Gerichtshof nach Clavicula einberufen, er floh jedoch und versteckt sich nun im Umland! Auf seine Ergreifung wurde vom Senat ein Kopfgeld ausgesetzt. Außerdem bietet die Stadtwache Platealongas für sachdienliche Hinweise eine üppige Belohnung.

Ausgangssperre in Maddalena! Die maddalenische Miliz ordnet an: Kein Dorfbewohner darf nachts mehr alleine das Haus verlassen, sie sollen sich im schlimmsten Falle mit drei Leuten zusammentun. Wer trotzdem dazu gezwungen sei nach Einbruch der Dunkelheit hinaus zu müssen, bekomme Geleit von der Miliz, die ihre nächtlichen Patroullien verdoppele. Grund sei eine eigenartige Serie Verschwundener unter denen zum Beispiel auch der Erbe eines örtlichen größeren Weinbauerns befand...

Wahlen in Domus. Unerwarteterweise setzte sich ein Neuling in der politischen Landschaft durch. Und was für einer! Joseo Carpentiere, Zimmermann aus Domus entschied die Wahl für sich. Seine Aufrichtigkeit und seine Erfolge beim Ausbau des Sestieris haben ihn zu einem, dem Volke nahen, beliebten Kandidaten gemacht. Seine Aufrichtigkeit bei gleichzeitiger Verwerflichkeit seiner Konkurrenten (die sich größtenteils durch Korruption und Unzucht auszeichneten), haben zum Schluss sogar Il Palladino selbst dazu gebracht sich öffentlich für ihn auszusprechen! Alle Achtung!

Heerlager von Genua? Am Grafenhof in Casteletto scheint sich ein Heerlager zu bilden. Auch in der Stadt hört man vermehrt toskanischen oder fränkische Dialekte die in den Kneipen singen, lachen oder sich streiten. Auch haben sich die Preise für Nahrungsmittel deutlich erhöht. Als ob jemand großen Mengen davon aufkaufen würde. Zum Glück spühlen die vielen neuen Besucher auch mehr Geld in die Kassen, andernfalls würde bereits der Hunger drohen...

In Platealonga hört man dieser Tage Gerücht die insbesondere die genuesischen Kainiten interessant finden dürfen: Laut ihnen ist Fabrizio Begado, ehemaliger Kapitän und Freibeuter auf der Magdalena, zuletzt sehr zurückgezogen auf seinem Ruhesitz irgendwo außerhalb der Stadt lebend, nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Als Nachfolger habe sich ein mysteriöser Kerl namens Fabrizio Aurelio Sizilianus - nach seinem Vater, seinem angeblichen Geburtsort Sizilien und wegen der vergoldeten Maske die er niemals abzusetzen scheint... angeblich sei er schrecklich entstellt, wahlweise von einer schlimmen Krankheit im Kindesalter, einer heroischen Kampfverletzung oder weil sein eigener Vater ihn verflucht habe...

Auf dem Monte Bisagno, nahe Borgio Incrociati laufen seit einiger Zeit Bauarbeiten. Offenbar wird die alte (römische?) Signalstellung dort wiedererrichtet oder zu einem Wachturm umgebaut. Wer jedoch dort genau baut ist nicht ersichtlich. Der freiherr von der Kreuzzung beteuert es wären keine seiner Leute. Angeblich habe er Beschwerde beim Grafen eingelegt.

Von reisenden Händler hört man von militärischen Operationen, ja gar Plünderungen genuesischer wie pisanischer Flottenverbände. Offenbar wurden, nun bereits zum wiederholten Male, Siedlungen auf Sardinien attackiert um Sklaven zu erbeuten. Und auch die Schwemme an Raubware die auf den genuesischen Märkten sowie das fremde Geld was in den Kneipen Platealongas auftaucht, unterstreicht diese Gerüchte.

Stadtpolitik:
- Giovanni da Venti, Großhändler und Schwager der Arduinici wurde vom Sestieriparlament Platealongas zum Konsul gewählt.
- Giulio Scarpa Spinola, Schuster und Freund der Bianchi ist in hohem Alter verstorben. Neuwahlen in Ravecca finden in diesem Jahr statt.
- Durch den Mord an Emilio Sarto stehen außerdem in diesem Jahr Neuwahlen in Platealonga an.
- Joseo Carpentiere konnte die Wahlen in Domus aus dem vergangenen Jahr für sich entscheiden und nimmt seinen Platz im genuesischen Senat sowie dem Sestieriparlament von Domus ein.

Aus dem italienischen Umland:
- April: Markgraf Arduin von Ivrea wird auf einer Synode in Rom wegen Bischofsmordes exkommuniziert.
- In Süditalien wird erstmals die Anwesenheit normannischer Ritter erwähnt.
- 18. Februar: Papst Gregor V. stirbt im Alter von nur 27 Jahren in Rom, vermutlich an Malaria. Gerüchte, er sei vergiftet worden, können nicht bestätigt werden. Der Salier wird neben dem Sarg von Kaiser Otto II. beigesetzt, der als einziger Kaiser des Heiligen Römischen Reichs in Rom gestorben und dort bestattet ist.
- 2. April: Der aus ärmlichen Verhätlnissen stammende (!) Gerbert von Aurillac wird zum Papst gewählt und nimmt den Namen Silvester II. an.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Do 6. Jul 2017, 21:50

Das Jahr 1000 (Juni 2017)

Das Weltenende ist da! Rufen die einen, während die anderen sich furchtsam umsehen. In den Monaten direkt vor dem Jahreswechsel und direkt vor dem Jahreswechsel zum Jahr 1001 häufen sich die Verbrechen und die Schlangen vor den Kirchen. Die eine Hälfte der Bevölkerung sucht sein Glück in der Frömmigkeit, die andere in den Kneipen der Stadt. Eine düstere Stimmung liegt auf der Stadt wie eine schmutzige Wolke. Prediger jeglicher Coleur gewinnen enormen Zulauf. Allen voran diejenigen des Kultes der letzten Tage. Ihre Sternmärsche gewinnen jede Woche hunderte neue Anhänger und jeder Gottesdienst ist fanatischer als der vorherige. Der Vates ist nur einer der Männer die die Züge anführen. Und auch die aufkommenden Gerüchte über Sündern in den Reihen des Kultes führen nur zu einem weiteren Anstieg des wahnhaften Prozesses. Stattdessen wird jeder Menschen zur Beichte aufgerufen und den Sündern göttliche Strafe angedroht. Der Vates ist jedoch auch der gezogene Korken der aus den friedlichen Gottesdiensten ein Fanal des wahnhaften Glaubens macht. Schwitzend und katatonisch wippen die Gläubigen nächtelang von Ferse auf Ballen und von Ballen auf Ferse. Jungfrauen gebären Kinder, Sünder werden gesteinigt und der Vates lässt sich mehr als einmal kreuzigen. Frenetisch sind diese Nächte in Platealonga...

...so sehr das den Kräften der Hölle mulmig wird, wenn man den Gerüchten in der ganzen Stadt glauben darf. Mörder, Brandschatzer und Vergewaltiger, alle die die Hölle mobilisieren konnte haben sich versammelt, wie es heißt. Nur eine Nacht nach dem bisher größten Sternmarsch des Vates. Haben sie mit Höllengold Söldner gedungen und das Dorf Kreuzdorf samt der Kirche des Heiligen Stephan, die Heimat des Vates, angegriffen. Von Dämonen angeführt haben sie die Bewohner dahingeschlachtet und unzählige Sklaven gemacht. Das ganze Dorf wurde in einer fiebrigen, wahnsinnigen Nacht niedergebrannt. Gott erbarme dich ihrer armen Seelen!

... der ehrenwerte Senator Marco Arduinici, Patriarch der Genueser Arduinici kann sogar Namen nennen. In den Wochen nach dem Brand von Kreuzdorf insbesondere nach den Trauergottesdiensten für dessen Opfer, tauchen Dutzende Marktschreier auf verschiedenen Plätzen auf. Zwar werden die meisten rasch von den Stadtwachen wegen unwahren Behauptungen verhaftet, aber die Namen sind genannt. Schuld am Massaker von Kreuzdorf sind die Dämonen des nächtlichen Genuas, die sich mit Bädern im Blut der Unschuldigen (und des trinkens dieses) Unsterblich halten und im Schutze des Mondlichts (das Sonnenlicht meiden sie!) des Nächtens morden. Jeder von ihnen stehe für eine der sieben Todsünden:
- Fabrizio Begado, der schwarze Korsar von Platealonga, sei der Anführer und schlimmste des dämonischen Zirkels. Er stehe für Ira, den Jähzorn.
- Melissa, die rote Hexe von Broglio, kontrolliere den Werwolf von Broglio, der ihr das Fleisch und das Blut liefere welches sie gefrässig in sich hineinstopfe. Sie stehe für Invidia, den Neid.
- Acacia della Velanera, die wunderschöne Verführerin der Nacht, sei eine Inkarnation eines Sukkubus. Schlau und gerissen locke sie die Reichen in den Tod um in ihrem Blut und ihrem Gold zu baden. Sie steht für Avaritia, die Habgier.
- Angelique, die Schuldige, verstecke sich im Körper eines Kindes und täusche so die Helfenden über ihre Verderbtheit hinweg, locke die Gütigen in ihre niederträchtigen Fänge, vergehe sich an ihnen und schleudere sie schlussendlich als leere Hülle hinfort. Sie stehe für Luxuria, die Wollust.
- Brimir, der Unersättliche, den der Teufel selbst mit tierischen Merkmalen beschenkt habe, steht für Gula, die Gefräßigkeit.
- Benedetto, der faulige Mönch der in seiner schwarzen Bibel dunkle Worte hüte, stehe für Acedia, die Trägheit.
- Maximinianus, der schwarze Priester, Korrumpierer der heiligen Kirche, stehe für Superbia, den Hochmut.
Die Marktschreier rufen die rechtschaffenden und gottesfürchtigen Männer und Frauen Genuas auf diese Dämonen des Tags aus ihren Löchern zu treiben und sie der Sonne - oder dem Feuer zu überantworten. Für jeden vernichteten dieser Kreaturen spende er fünfhundert Genovesi an die heilige Mutter Kirche. Und weitere fünfhundert demjenigen der mutig genug war die Welt (und seine geliebte Stadt) von einem dieser Dämonen zu befreien.

Zeitgleich tauchen in Luccoli und Umgebung Gerüchte über einen seit langem vergessenen Namen wieder auf: Maximinianus. Es heißt er sei aus der Hölle zurückgekehrt um sich an der Stadt zu rächen. Und er soll er irgendetwas mit dem Brand und dem Massaker von Kreuzdorf zu tun haben.... vielleicht hat ihn der Teufel zur "Feier" des Milleniumsjahres erneut freigelassen...

Außerdem berichten zahlreiche Leute aus dem ganzen Stadtgebiet von einem blonden und blauäugigen Engel der aus dem Himmel herabgestiegen ist um sie vor der Milleniums-Apokalypse zu schützen! Die Amulette die es verkauft hat waren gar wunderbar günstig! Und sie wirken! Denn trotz allem ist die Welt nicht untergegangen oder?

In Domus und auch in Ravecca unterdessen echauffieren sich zahlreiche Männer und Frauen über den aktuell diskutierten Gesetzesvorschlag des genuesischen Senats die den Orden des heiligen Martins aus der Stadt verbannen soll- Das ist nicht gerecht! Sie hätten nur Nächstenliebe im Herzen! Jeder hier wisse, wer es war, der das blühende Ravecca vor der Seuche und den Ketzern gerettet habe: der Orden.
Wer sich hier fleißig um die Armen und Schwachen kümmere: der Orden.
Sie appellieren an die Bewohner Genuas doch ihre Senatoren und Klienti zu bitten, den Orden in der Stadt zu erhalten. Mit Erfolg wie sich später herrausstellte. Das entsprechende Gesetz wurde vom Senat abgelehnt.

In Burgus, am Zentralfriedhof, ziehen seit einiger Zeit vom Grafen bezahlte Söldner, statt der eigens dafür gegründeten genuesischen Friedhofswache ihre Kreise. Offenbar gab es Streitigkeiten mit dem Grafen, der die Männer nicht mehr auf ihre Posten auf kirchlichem Land lässt. Der Zentralfriedhof gehöre offiziell zu Burgus. Und die Leute aus Burgus haben sich zu häufig über die verbrecherischen Genuesen die der Senat dorthin entsandt habe, beschwert. Nun hat dieser offenbar reagiert.

In Quinto al Mare zieht eine schreckliche Seuche ihre Kreise. Zwar sind bereits einige Heiler vor Ort, aber auch diese kämpfen machtlos gegen die erschöpfende Krankheit. Woher diese kam ist unklar. Zuerst hieß es es könne nur eine Geschlechtskrankheit, übertragen von auswärtigen Huren, sein. Dann jedoch wurden auch ehrenhafte Männer und Frauen befallen. Es muss also mit der Apokalypse des Jahres eintausend zu tun haben! Wehe uns Gott und errette uns von diesem Leiden!

Stadtpolitik:
- Bernardo, Kneipenwirt und Bekannter der Spinola, hat die Senatorenwahl in Ravecca für sich entschieden und nimmt seinen Platz im genuesischen Senat sowie dem Sestieriparlament von Ravecca ein
- Gianluca Marchetti, Großhändler und Schwager der Embriaci, hat nach einem heftigen (und teuren) Wahlkampf einen zweiten Senatsplatz für den genuesischen Senat sowie dem Sestieriparlament von Platealonga für die Familie Embriaci erstritten
- Leider verstarb sein (entfernter) Verwandter Tiziano Cremonesi einige Woche später. Der hochbetagte Senator hinterlässt damit erneut einen vakanten Platz im genuesischen Senat sowie dem sestieriparlament Platealongas. Auch im kommenden Jahr wird daher am Hafen gewählt.

Aus dem italienischen Umland:
- 9. Mai: Der venezianische Doge und Herzog von Dalmatien, Pietro II. Orseolo, besiegt die dalmatinischen Piraten in der Adria und fixiert damit die Vorherrschaft Venedigs in der Region. Mit der Festa della Sensa wird noch Jahrhunderte später in Venedig dieses Ereignisses gedacht.
- um 1000: Das Spiel Fuchs und Gänse ist von Island ausgehend in ganz Europa verbreitet.
- um 1000 : Ausbruch des Ätna am Monte Sona, der nach Südwesten einen 8 Kilometer langen Lavafluss nach Paternò entsendet

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 5. Aug 2017, 13:33

Das Jahr 1001 (Juli 2017)

Man hört derzeit allerlei ungutes über den 'ehrenwerten' Senator Luigi Spinola aus Broglio, in den Kneipen im Umland heißt es er halte sich nicht an Absprachen, was jedoch wohl mit seiner Lepraerkrankung zusammenhänge. Wieso lässt man eigentlich jemanden mit Lepra in den Senat? Ein Heiliger ist er ja offensichtlich nicht. Erkennt man ja schon am Namen.

Unter den Greisen und Senioren Platealongas munkelt man einen lange vergessenen Namen: Maximinianus. Die Hölle soll ihn wieder ausgespuckt haben! Wisst ihr noch? Damals? Er hat den vorletzten Bischof ermordet! Mitten in Domus und am hellichten Tage! Er kam in Schlangengestalt, schlängelte sich durch die Menschenmenge und biss dem guten Bischof Romperto mit einem Biss den Kopf ab, ehrlich ich habs gesehen! Schimpf mich einen Claviculanern wenns nicht so gewesen ist.
Und auch in Luccoli munkelt man über einen erwischten satanischen Priester der die Dorfkirche schändete. Jemand habe ihn aber, Gott sei Dank, ermordet.

Die hohen Herren scheinen den Krieg zu riechen. Raffen ihre Güter zusammen und bringen sie in Sicherheit. Wer heutzutage ein gutes Auge und eine Schaufel hat kann schnell ein gemachter Mann sein, so sagt man in den Gossen der Stadt - in denen das Goldgräberfieber herrscht. Die Reichen verstecken und die Armen suchen. Es ist wie ein riesiges Osterfest. Nur Olaf der Hase fehlt. :P

Truppenbewegungen sind überall auszumachen. Kriegsschiffe sind eingelaufen. Beinahe jede Woche zieht es neue Söldner in die Stadt - zahlt man hier gut, heißt es offenbar. Wie die Spürhunde die Blut riechen sind sie der Fährte aus Münzen bis nach la Superba gefolgt. Hartgesottene Kerle. Kampfgestählt aus iberischen Konflikten, fränkische Piratenjäger, byzantinische Fremde. Viele Zungen sind in den Straßen und gassen Genuas zu hren. Und auch Teile der Truppen des Markgrafen der Toskana, die vor kurzem noch draußen vor dem Casteletto gelagert haben, wurden vom Senat in die Stadt gelassen. Die Kneipen füllen sich des Abend so sehr mit Gerüsteten das manch ein Einheimischer seinen Wein zu Hause genießt. Aus Angst im Streit erschlagen zu werden.

Und auch im Umland rüstet man auf. Sehen die Milizen von Burgus, Maddalena und Luccoli dieser Tage beinahe wie schwer gerüstete Söldner. Graf Otberto von Mailand, residierend im Casteletto befürchtet von seinem Cousin aus Mailand usurpiert zu werden und ruft daher seine Vasallen, Lehnsknechte und Leibeigenen zu den Waffen.

Stadtpolitik:
- Danielo Pietro Spinola, ehemaliger Kapitän und Unternehmer wurde in den Senat und das Sestieriparlament Platealongas gewählt.
- Isaia Magro (der hagere Jesaja), Pisani und Freund der Melissiden ist nach kurzer, heftiger Erkrankung verstorben. Neuwahlen in Broglio finden in diesem Jahr statt.

Aus dem italienischen Umland:
- Anfang des Jahres: Kaiser Otto III. belagert die Stadt Tivoli in Latium, die sich gegen die kaiserliche Herrschaft aufgelehnt hat. Die Stadt unterwirft sich nach der Vermittlung von Bischof Bernward von Hildesheim. Im gleichen Monat übergibt Otto acht Grafschaften aus der italienischen Pentapolis an Papst Silvester II., wobei er in der Schenkungsurkunde den kaiserlichen Primat hervorhebt. Etwa gleichzeitig kommt es zu einem antikaiserlichen Aufstand in Rom, der jedoch ebenfalls friedlich beigelegt werden kann. Otto III. und Papst Silvester ziehen sich im Anschluss nach Ravenna zurück.
- Frühling: Auf Sardinien kommt es zu vermehrten Überfällen muslimischer Sklavenjäger und Plünderer.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 4. Sep 2017, 12:20

Das halbe Jahr 1002 (August 2017)

Das relativ ruhig, mit einem öffentlichen und gut besuchten Duell zwischen den beiden Patriziern Lauro Embriaci und dem siegreichen Marcello Embriaci, beide aus Mascharana, beginnende Jahr zirkelte sich bis zum Sommer in eine eigenartige Stimmung. Nicht nur das Berichten zufolge ein mailändisches Heer auf die Stadt zuhalte, auch wurden Teile der, mit dem Grafen alliierten, toskanische Truppen in der Stadt untergebracht. Die Stimmung war bereits zu Beginn des Jahres explosiv. Und dann begann es...

Ein verlustreicher Handelskrieg zwischen den Familien Fieschi und Bianchi - welche einst eng kooperierten - ist ausgebrochen. Geschäfte werden untergraben, Angebote überboten, Schulden aufgekauft und Händler ruiniert. Und auch die anderen Familien beteiligen sich freudig an den Möglichkeiten auf Kosten der einen oder der anderen Familie eigene Profite schlagen zu können. Die Eröffnung des Krieges scheint von den Bianchi getätigt worden zu sein, auch wenn beide Familien sich wenig geben was Härte und Biss angeht. Die Kirche hat sich - wie zu erwarten -auf Seiten der alteingesessenen und recht frommen/spendefreudigen Fieschi geschlagen die die halbe Stadt renoviert und nach dem Sarazenenüberfall Essen verschenkt haben und wettert scharf gegen gegen die verräterischen Emporkömmlinge die mit teuflischen Tricks ihre eigenen Verwandten (die Spinola und die Brigori) hintergangen haben. Auch der Volksmund scheint auf Seiten der Fieschi. Allerdings waren die Bianchi nie sonderlich beliebt.

Und auch andere scheinen nicht tatenlos dazusitzen während der Reichtum neu verteilt wird: So berichten die Plappermäuler in den Straßen von einem gestohlenen Thron den die Familie Arduinici mit teuersten, aus dem Ausland importierten Gütern hier in Genua hatte herstellen lassen. Ein dreister Coup der eines ihrer bestgesicherten Lagerhäuser in Platealonga getroffen hat.

In Clavicula, so hört man, ist dieser Nächte eine ungewöhnliche Mordserie im Gange. Das heißt: ungewöhnlich für Clavicula. Denn es sind die härtesten Schläger, die brutalsten und rücksichtslosen Messerstecher und die mitleidlosesten Schänder die es erwischt. Die die sonst selbst austeilen drehen sich nun zweimal um bevor sie in einer dunklen Gasse ihr Geschäft verrichten wollen. Denn nur die Hälfte von ihnen starb durch Fremdeinwirkung. Die zweite Hälfte... nahm sich selbst das Leben. Schnitt sich selbst den Bauch auf. Stürzte sich selbst von einem Dach oder zündete sich selbst an. Die Autoritäten haben Aufklärung versprochen. Und wenn den Claviculaner Autoritäten eine ihrer seltenen Aussagen abgetrotzt werden kann, dann haben sie diese bisher immer gehalten.

Der Schweinestall des Senators Luigi Spinola aus Broglio ging in einer Frühlingsnacht plötzlich in Flammen auf. Zum Glück waren rasch Leute vor Ort die ein übergreifen der Flammen auf Häuser nahe des freistehenden Schweinestalls verhindern konnten. Auch die Schweine des Herren Spinola scheinen mit einem Schrecken davongekommen zu sein. Ob es ein Unfall oder eine Botschaft an den Herren Senator war ist umstritten. Hatte der Spinola doch in der Vergangenheit bereits Probleme mit der Stadtwache wie es heißt.

Im Umland gab es in den vergangenen Monaten eine zunehmende Anzahl an Überfällen auf Nahrungsmitteltransporte der Fieschi. Angeblich soll eine Gruppe Schurken in Mönchskleidung dahinter stecken. Die Kirche verurteilt eine solche Entweihung der christlichen Gewänder aufs Schärfste und ruft auf den Dörfern nach Augenzeugen. Die Fieschi hingegen scheinen Söldner einzusetzen um ihre Transporte besser schützen zu können.

In Platealonga und auch einigen Kneipen Raveccas hört man neue Geschichten über das Monstrum namens Maximinianus. Er soll sich in eine Schlange verwandeln können, man habe sie sogar gesehen! Eine riesige, schwarze Schlange, hier in Ravecca! Man habe nur so lange nichts von ihm gehört weil er im Ausland war und dort einem Bischof den Kopf abgebissen habe! Das ist eine Nachricht aus erster Hand! So gehört in einer Kneipe in Toulon! Bei Gott, so ists gewesen!

Ebenfalls vom Hafen ausgehend sind die Gerüchte, dass innerhalb der nächsten Monate oder gar Wochen eine riesige sarazenische Piratenflotte Genua plündern wird. Und zwar noch stärker und grausamer als damals anno 934! Dies erzählen zumindest einige Seeleute die es in sizilianischen Häfen selbst gesehen haben wollen als sie dort... äh... nun Sklaven befreit hätten! Der Capitano 'Sicilianus' käme ursprünglich von dort und habe noch einige verlässliche Kontakte während er gegen die muslimischen Unterdrücker dort ankämpfe. Die ersten fremden Händler haben offenbar auf diese Gerüchte hin bereits die Stadt verlassen.

In Domus ist es im Sommer zu Aufständen gekommen die gegen die allgemeine Situation gerichtet schienen: die verteuerten Nahrungsmittelpreise ob der vor der Stadt lagernden Heere (woran die Fieschi schuld seien), die fremden Soldaten im Sestieri die mit den Töchtern von Domus anbandeln wollen und der Kirche die nichts gegen diesen Teufel Maximinianus tue, ja angeblich wurde er sogar in der Laurentuskirche gesehen! Die Stadtwache schlug diese Aufstände unter Mithilfe der toskanischen Truppen und später dem Ordo Martini teils blutig nieder. Am kommenden Tag folgen Festnahmen. Ein selbsternannter Anführer wurde vom claviculanischen Stadtgericht zum Tode verurteilt und gehängt. Dann wurde das Herz des Sestieris, der Komplex des Domus Medicorum, von ausländischen Soldaten niedergebrannt und geschliffen. Es kehrte eine gespenstische Ruhe in das sonst so arbeitssame Sestieri ein. Auch werden noch Dutzende Bürger sowie mehrere Senatoren vermisst.

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Re: Die Erinnerungen des verflossenen Jahres

Beitrag von Il Canzoniere » Di 12. Dez 2017, 23:53

Die zweite Jahreshälfte 1002 (September, Oktober, November 2017)

Die zweite Jahreshälfte des sich immer weiter zuspitzenden Jahres 1002 begann mit einem Villensturm in Mascharana. Bewaffnete Söldner der berüchtigten Einheit Roger de Arles und Etienne 'la mano rossa' stürmten eine Patriziervilla im nobelsten Sestieri der Stadt. Es kam zu heftigen Gefechten mit der Hausgarde und einer Reihe Verletzter und Toter. Offenbar wurde das Haus im Anschluss geplündert. Nach Ermittlungen der Stadtwache stellte sich jedoch heraus das das Haus offenbar ein muslimisches Schmugglerversteck und der harte Einsatz der Söldner gerecht war.

Auch anderswo machten die vielen Soldlinge Probleme. So überfiel eine Gruppe Deserteure in Borgio di Bisagno ein Pferdegestüt, vermutlich um Pferde für den Kriegseinsatz zu erbeuten. Die Gebäude blieben jedoch weitestgehend intakt. Der Graf versprach daraufhin ein hartes Durchgreifen gegen solcherlei Banditen.

Mario Bianchi, amtierende Capitano della mare gab den Befehl der verstärkten Suche nach einem Piratenschiff namens "Magdalena" aus. Er zahle für Hinweise für den verbleib dieses gotteslästerlichen Kahns und verstärkte die Seepatroullien der genuesischen Marine. Das Schiff sei zu versenken oder in Brand zu setzen. Im Senat gibt es empörte Stimmen. Die Magdalena habe noch nie ein genuesisches Schiff überfallen! Der Capitano della mare wolle so nur seine eigenen, schmutzigen Geschäfte zu vertuschen!

Silvestro Embriaci, Sohn des Konsul Antonio Lugo Embriaci, Hauptmann der Wache Mascharanas wurde - angeblich nach dem Besuch einer Orgie - in Mascharana des Nachts auf offener Straße erschossen. Offenbar war der Mörder ein gekonnter Armbrustschütze. Die intensiven Ermittlungen wurden jedoch vom hereinbrechen Krieg abrupt unterbrochen. Es heißt jedoch der Konsul würde ein hübsches Sümmchen für Hinweise zu dem Fall bezahlen.

Die restlichen genuesischen und toskanischen Einheiten verließen Anfang August die Stadt um zum Heerlager in Casteletto zu stoßen. Ab hier wird es ungewiss, hört man doch hunderte persönlich eingefärbter Geschichten, eine wilder als die nächste. Sicher ist offenbar noch das sich das Heer teilte um sowohl Polceveratal gen Pontedecimo als auch Ferreginatal gen Vegoli und Zinestedo zu ziehen. Die einen behaupten nun es hätte eine Schlacht oder zumindest eine Reihe Gefechte gegeben, die anderen sagen die Armeen seien einfach aneinender vorbeigezogen. Die vielen Gräber in beiden Tälern sprechen jedoch eine klare Sprache. Es muss in beiden Tälern zur Gefechten gekommen sein. Offenbar hat Mailand zuerst im Polceveratal die Überhand gewonnen und sei dann den siegreichen genuesischen Truppen im Ferregianotal in den Rücken gefallen. Und während beide Seiten ineinander verkeilt waren wie tollwütige Hunde, haben sarazenische Sklavenfänger die Stadt im Sturm eingenommen. Bei Nacht und wie aus dem Nichts fielen sie über die Stadt her. Die kläglichen Reste Verteidiger die zurückgeblieben waren, waren rasch überrannt. Auch weil die Sarazenen offenbar Hilfe hatten! Zumindest sei es in Broglio während der Eroberung zu wilden Menschenjagden gekommen - noch ehe die Sarazenen das östlichste Sestieri erreicht hatten!
Sofort begannen die ausländischen Teufel alles mit Wert an sich zu raffen und die Kinder Genuas in Eisen zu schlagen. Wohl um sie auf den Sklavenmärkten der arabischen Welt zu verkaufen. Bis kurz vor das sinken gefüllte Schiffe verließen jeden Tag den Hafen und raubten Genua seine Zukunft wie auch seinen Reichtum. Und erst als sich Mailänder und Genuesen, die noch immer im Ferregianotal kämpften sich dieser neuen Gefahr bewusst wurden, vereinten sich ihre Kräfte und vertrieben die fremdländischen Eroberer aus ihrer italienischen Heimat.
Zum Dank für die unerwartete Hilfe der mailändischen Aufständischen verlobte Graf Otbert seinen Ältesten Sohn mit der einzigen Tochter seinens aufständischen Cousins - und legte somit den Grund für den Bürgerkrieg mit einer Hochzeit bei!
Viele Edle und tapfere Genuesen sind tot. Darunter zwei Patriarchen angesehener Genueser Familien. Als sich das Kastell des Bischofs dem Feind ergeben hatte, dachte man auch es sei um den guten Herr Bischof geschehen. Doch er tauchte noch während der Kämpfe in der Basilica San Siro auf und linderte die Pein der gebeutelten Schafe Gottes. Im Namen der Kirche rief er zu großzügigen Spenden für die Armen und Zusammenhalt unter kriegsgeschüttelten Genuesen auf. Zum Winter hin wird der Hunger größer. Auch der Ausbruch von Seuchen könnte bevorstehen, gingen die Sarazenen doch sehr achtlos mit den ermordeten Genuesen um. Die Stadt selbst erlitt nur partielle Schäden. Aber ihre Seele ist tief erschüttert.

Bei der Verteidigung und Rückeroberung der Stadt soll sich besonders Marcello Embriaci hervorgetan haben der die Sarazenen zu Dutzenden erschlug, glaubt man dem Getratsche der Waschweiber. Offenbar wurde das Familienanwesen der Embriaci überfallen - auch Francesco Embriaci, Patriarch und reichster Bürger Genuas sei bei diesem Überfall zu Tode gekommen - Marcello jedoch stieg über die Leichen seiner Angehörigen und zerschmetterte die Heiden! Ein wahrer Held Genuas!

Stadtpolitik:
- Neben zahlreichen einfachen genuesischen Bürgern und Gästen, Besuchern und Freunden haben folgende Senatoren den Tod gefunden:
Valentino Trucca, Fuhrunternehmer - Broglio
Francesco Embriaci, Patriarch der Embriaci - Mascharana
Marco Arduinici, Patriarch der Genueser Arduinici, Cousin des Grafen von Turin - Mascharana
Der graue Silvio, Hauptmann der Miliz - Clavicula
- Die diesjährigen Wahlen in Broglio wurden ausgesetzt und finden im kommenden Jahr statt.

Aus dem italienischen Umland:
- Kaiser Otto III. stirbt im Castel Paterno unweit von Rom im Alter von 21 Jahren nach schweren Fieberanfällen. Der Tod des Kaisers wird zunächst geheim gehalten, bis die eigenen Aufgebote informiert und zusammengezogen sind. Danach zieht das ottonische Heer aus Italien ab, um den Willen Ottos zu erfüllen und ihn in Aachen beizusetzen. Angeblich empfängt Herzog Heinrich IV. von Bayern den Leichenzug in Polling und lässt den Verstorbenen in Augsburg beerdigen. Anschließend zwingt er Erzbischof Heribert von Köln, ihm die Herrscherinsignien zu übergeben. Es fehlt jedoch die Heilige Lanze, die wichtigste Reliquie des Reiches. Damit macht er seinen Anspruch auf Ottos Nachfolge geltend. Neben Heinrich erheben aber auch Markgraf Ekkehard von Meißen und Hermann von Schwaben Ansprüche auf die Nachfolge.
- Arduin von Ivrea wird in Pavia von den lombardischen Großen zum König von Italien gewählt.

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