Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

[Mai '17]

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Fabrizio
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Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Mo 22. Mai 2017, 23:03

Fabrizio hatte einen Boten angeheuert. Einen einfachen Straßenjungen aus Platealonga, der aber wohl als zuverlässig galt. Trotzdem war die Botschaft möglichst einfach und kurz gefasst.
Der Junge sollte einen gewissen fränkischen Miles namens Roger de Arles aufsuchen, angeblich ein bekannter Söldnerführer, und ihm einfach nur folgendes ausrichten:
Der Botschafter bittet um ein Treffen mit dem Mädchen Angelique. In zwei Nächten und am selben ruhigen Ort wie letztes mal.

In jener Nacht wartete Fabrizio Begado mitten auf dem alten Friedhof. Seine Leibwächter ließ er dieses mal tatsächlich gelangweilt am Tor ausharren und hatte ohne Begleitung oder überhaupt eine Lichtquelle den Friedhof betreten.
Es war fast Vollmond und das silbrige Licht würde ihm genügen dachte er sich optimistisch. Bald hatte er sich an die Lichtverhältnisse und die verfallende Umgebung einigermaßen gewöhnt, während er gemächlich aber fortwährend die Reihen der Grabstätten abschritt - und nachdenklich wartete.

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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Angelique » Di 23. Mai 2017, 22:57

Bei den Leibwächtern erschienen, Friedfertigkeit mit offener Hand anzeigend, die beiden Vasallen Angeliques. Nicht feindlich wirkten sie, nur vorsichtig. In gehörigem Abstand blieben sie stehen und grüßten stumm nickend.

Angelique aber erschien tatsächlich von einem Augenblick zum nächsten wieder an derselben Stelle wie in jener letzten Nacht auf dem alten Grabstein hockend.
Sie trug das Harlekingewand in Schwarz und Weiß, wie sie es immer tat, wenn sie dem Klan Schatten begegnete. Auf die Maske aber hatte sie verzichtet. Sie legte neugierig den Kopf schief.

"Schiavo, wohlwerter Gesandter. Ihr wolltet mich sprechen?"
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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Di 23. Mai 2017, 23:38

Erschrocken drehte Fabrizio sich um und für einen Moment konnte man seine Reißzähne sehen, das Tier was in so einer instinktiven Regung auch die bestens gepflegte kultivierte Hülle kurz fallen ließ.

Der andere Kainit erkannte sie, auch wenn das seltsame Kostüm ihn eindeutig weiterhin total irritierte. Muskeln und Haltung entspannten sich.
Ein Routinierter rundumblick. Erst dann wahr er sich wohl sicher, dass niemand einen Hinterhalt versuchte.
Was ihn wohl so nervös machte...

"Werrte Angelique." Die Zähne zogen sich zurück und ein höfliches Lächeln erschien

"Es freut mich, dass du meiner Bitte direkt nachgekommen bist. - Sind tatsächlich schon wieder mehr als 10 Jahre vergangen, dass wir uns zuletzt hier trafen?"
Eine rethorische Frage, auch wenn sie tatsächlich etwas grübelnd klang.

"Ich wollte mich für den Streit zwischen unseren Gefolgsleuten bei dir entschuldigen. Die Absichten waren gänzlich andere als dir zu schaden."
Der Tonfall ließ erahnen, dass er diese anderen Absichten aber nicht weiter ausführen würde.

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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Angelique » Mi 24. Mai 2017, 22:05

"Wohlwerter Gesandter Siziliens", antwortete das kleine Mädchen und hüpfte vom Grabstein, um sich zu verbeugen.

"Ja, ich gebe zu, dass Ihr zu den liebgewonnenen Konstanten Genuas gehört, obwohl oder gerade weil Ihr die Nemesis von Alerio wart. Ich muss mich ebenfalls entschuldigen für Rogers Reaktion. Aber Ihr wisst doch selbst, wie ein Capitain zu sein hat. Schwäche kann man sich nicht leisten, will man den Respekt der Untergebenen.

Und ich muss mich auch noch bedanken für das Geschenk, Alerios Messer, das Ihr mir gabt. Das war mehr, als die meisten je taten, die mir blumig Hilfe bei einer Vergeltung oder Kompensation versprachen.

Sie seufzte. "Ich wünschte, es wäre alles einfacher gewesen. Ein Schlagabtausch damals und ich oder Ihr oder sogar wir beide wären nun bei Alerio.

Aber es ist nie so einfach, nicht wahr? Egal, was Ihr denken mögt, ich achte Aurores Schiedsspruch.
Und, obwohl ich nie vergessen werde, lerne ich auf bittere Weise christlich zu vergeben.
Bei allem, was ich fühle, darf ich nicht vergessen, was Ihr seid und dass Ihr nur tut, was Ihr tun müsst.
Eines Nachts, so wünsche ich mir, dass Ihr mir alles über Alerios Tod erzählen mögt, egal was geschehen ist, damit ich es verstehe."

Sie lachte freudlos. "Aber genug vom melancholischen, eitlen Geschwätz eines kindischen Weibes.

Sagt mir bitte, warum Ihr mich zudem hergebeten habt. So sehr es Euch ehrt, dass Ihr Euch persönlich wegen der Angelegenheit erklärt, glaube ich doch, dass ein darüber hinaus gehender Grund für dieses Treffen besteht."

Die geschliffene Redeweise Angelique schien sich noch mehr verfeinert zu haben im Laufe der Jahre. Sie konnte ganz anders, wie der schattige Pirat sich noch aus jener schicksalshaften Nacht ihrer ersten Begegnung erinnern mochte.

Jetzt aber war sie freundlich fast, die Nähe des Mörders ihres Geliebten nicht nur duldend, sondern sogar angeregt mit ihm plaudernd. Ein ewiges Rätsel, diese kleine Provinziale.
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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Mo 29. Mai 2017, 00:01

Der Lasombra bemühte sich zwar offensichtlich aufmerksam zuzuhören, doch sein Blick ging eher abwesend durch Angelique hindurch.
Der Pirat war wohl weder besonders einfühlsam, noch konnte er wirklich viel mit geschliffener Konversation anfangen.
Die ein oder andere Feinheit ging dann wohl leider in der Stille des Friedhofs verloren, wie Perlen vor die Säue.

"Ja genau. Ich bin hier um dich zu warnen."
Jetzt blickte er das kleine Mädchen wieder ernst an.

"Du musst dafür sorgen, dass Roger die Stadt verlässt. Sofort. - Vielleicht ins Umland, zum Erobern der Dörfer, das wäre doch ein sinnvoller Vorwand zumindest."
Er verzog etwas angespannt das Gesicht.

"Wenn er hier bleibt wird der Senat ihn verhaften lassen und vors Stadtgericht zerren. Ein verhafteter Ghul ist ein Risiko, dass wir uns nicht leisten können. In dem Fall würde dafür gesorgt werden, dass er Clavicula nicht mehr verlässt, keine umfangreichen Befragungen oder so etwas, ein kurzer Prozess..."
Beiläufig machte er dazu die eindeutige Geste am Hals.

"Ich bin informiert über Emilio, da sie ihn wegen der letzten Vorkommnisse als weiteren Zeugen einspannen wollen. Abwenden kann man das nicht mehr, is wohl zu viel passiert vorher schon. - Hab gehört dein Kerl hat ernsthaft nen Steuereintreiber ausgeraubt und zum Teufel gejagd?"
Wäre es nicht zu ernst würde er das wohl sogar lustig finden.

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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Angelique » Mo 29. Mai 2017, 16:06

Angelique war in der Tat sehr stolz auf Rogers trotzige Behandlung der Steuereinnehmer. "Jau, leider nicht zum Teufel. Dafür isser eifach zu ehrenhaft." Sie grinste breit, obwohl vor ihr der Mörder ihres Liebsten stand, und verfiel in den Gossenjargon ihrer Jugend. "Jetzt bedaure ich´s, dass er den nicht ´nen Kopf kürzer gemacht hat. Und den verdammten Senat gleich mit. Das is vielleicht ´ne Schlangengrube!" Sie tat als spucke sie aus.

Unbewusst tat es ihr so gut, all die Etikette und vorsichtigen Formulierungen der letzten Jahre mal zu vergessen, und sei es ihrem liebsten Feind gegenüber.

"Danke, Capitaine! Das werde ich dir nicht vergessen, selbst wenn ich´s nicht kapier´, warum du mich warnst.Ich werde deinen Rat jedenfalls ernstnehmen.
Schade, Roger hatte den Juden wirklich Schutz geboten. Jetzt werden sie nur noch ausgebeutet für schnellen Profit. Naja, können sich Pisa und deine Heimat Venedig freuen. Werden die Juden halt mehr Handel mit denen machen."

Sie legte den Kopf neugierig schief. "Du wirkst gehetzt, als seien Dämonen hinter dir her. Ich kenne mich damit aus."
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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Mo 29. Mai 2017, 23:01

Fabrizio nickte zufrieden, die Kleine schien ja zumindest keine weiteren Zicken zu machen. Kurz grinste er sogar als sie die Schlangengrube erwähnte.
Überhaupt schien ihm der Jargon deutlich besser zu liegen, auch wenn ihre ursprünglichen Dialekte ziemlich auseinander gingen und er nicht alles direkt verstand oder richtig einordnen konnte.

Dann stutzte er, wie vor den Kopf gestoßen.
Verzögert und gepresst reagierte er dann und widerstand der paranoiden Versuchung sich ab jetzt ständig etwas hektisch nach hinten umzublicken.

"Schatten..." erwiederte er nachdenklich "Was weißt du darüber?"
Hatte sie zufällig einen Treffer gelandet oder wusste sie wirklich mehr? Fabrizio war etwas verunsichert.

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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Angelique » Di 30. Mai 2017, 14:31

"Ach", sie winkte ab, "meine Prophezeiungen wegen der ,See der Schatten' und dem ,Schwarzen Hund und der flüsternden Ratte' hat noch nie wer geglaubt. Dabei habe ich sie jedem gesagt, seit ich nach Genua gekommen bin. Aurore, Benedetto, Maximinianus,... und hat wer nach ihnen gehandelt? Nein!
Ich hab dir auch vor langer Zeit orakelt, weisste noch? Da haste auch nich´ viel drauf gegeben. Und gezahlt hatteste auch nicht, nebenbei bemerkt."
Sie brachte mehr lombardischen Dialekt in den Slang ein und hoffte damit, seinem sehr eigenen und von der Norm abweichenden Venezianisch näher zu kommen.
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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Di 30. Mai 2017, 22:10

"Ich habe meine Meinung geändert." erklärte er frei heraus

"Vielleicht ist doch was dran an deinen Prophezeihungen - mehr als ein paar Münzen und staunende Gesichter auf dem Platz der Wunder jedenfalls, die ich dir damals anbot."
Kurz schien er über etwas lang vergessenes nachzudenken.

"Was schulde ich dir?"

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Re: Die Macht des Senats [Angelique, Fabrizio]

Beitrag von Angelique » Di 30. Mai 2017, 22:40

"Nichts, was nicht durch Alerios Messer und deine Warnung vor Rogers Todesgefahr abgegolten worden wäre. Nur Alerios Tod selbst ist noch unvergolten, aber die Prinzeps hat ihr Urteil gefällt. Ich halte mich ungeschränkt daran. Wahrscheinlich bin ich der einzige Vampir, von dem du nichts Heimtückisches erwarten musst. Verrückt!"

Sie lachte leise wie über einen kosmischen Scherz und schüttelte ungkäubig den Kopf.

"Aber wenn du willst, dass ich die, die dir nachstellen, offenbare, kann ich ein Orakel versuchen.
Wenn du Dinge deiner Widersacher in deinem Besitz hast, Dolche, Drohbriefe und Ähnliches, wäre es hilfreich, sie mir zur Verfügung zu stellen."
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