(H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

[Mai '17]

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Angelique » Sa 13. Mai 2017, 15:53

Angelique hörte für ihre Verhältnisse geduldig zu und ließ Luca in Ruhe aussprechen. Ungeduldig wippte sie auf den Zehenspitzen. Als er schließlich geendet hatte, sagte sie wie von der Armbrust geschossen: "Gerne, mach ich, Ihr seid mir sympatisch. Macht mir keine Schande und so. Und wehe, Ihr brecht Sousanna das Herz oder irgendwelche Knochen. Dann breche ich zurück."

Dabei grinste sie immer noch so entwaffnend. Und doch konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie die Worte, obwohl leichten Herzens gesprochen, so ernst meinte, als wäre sie Titus, der gerade abgestandenes Blut getrunken hätte.

Das Mädchen streckte seine kleine Hand dem Mann entgegen.

Angelique seufzte schwärmerisch, als sie den Namen Gaius vernahm. "Hach, ja", machte sie. "Er heilte mich und stand mir bei, als mein Liebster ermordet worden war. Er müsste es nur sagen und ich wäre die Seine."
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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Luca » So 14. Mai 2017, 20:07

Nun huschte auch ein seltenes, ehrliches Lächeln über Lucas Antliz. Das war ja einfacher als gedacht. "Sicher, Sousanna wird von mir kein Leid erfahren. Ich werde sie höhstens einmal necken, wie es zwischen Bruder und Schwester üblich ist." Sein Augenzwinkern wirkte eher spitzbübisch als bedrohlich, während seine Hand in die des kleinen Mädchens einschlug und sie schüttelte. Nachdrücklicher fügte er hinzu: "Keine Sorge, niemand wird meinetwegen etwas zu beanstanden haben."

Es wirkte recht befremdlich auf Luca, als die Tochter der Nacht so von Liebe und Schwärmereien redete. In manchen Aspekten war sie wohl tatsächlich ein Kind geblieben, so schien es zumindest. Trotzdem nickte er recht ernsthaft, während sie den Liktor in höhsten Tönen lobte. "Euer Liebster ist ermordet worden? Das tut mir leid. Was ist denn geschehen?"

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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Angelique » Mo 15. Mai 2017, 21:51

Das scheinbare Kind hockte sich trübsinnig hin. "Es scheint in Vergessenheit zu geraten, obwohl ich es in die Possen der Sterblichen einfließen lasse, ohne die Stille zu brechen. Das Stück eben handelte davon. Mein liebster Alerio, Liktor Genuas, wurde ermordet. Vom eigenen Klanbruder, dem mächtigen Gesandten des sarazenischen Siziliens, Fabrizio. So wie das Stück diesen Mord widerspiegelte, spiegelte der seine den des Kain an Abel wider. Die weise Aurore hat dies erkannt und ihn belohnt mit Straffreiheit und unantastbarem Diplomatenposten. Aber es ist schwer, das zu ertragen. So schwer!"
Sie schaute auf und ihre weiße Schminke verlief, als kleine Rinnsale aus blutigen Tränen darüberliefen.
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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Luca » Mi 17. Mai 2017, 23:32

Während das Mädchen so dasaß und weinte, machte es auf Luca einen so zerbrechlichen und mitleiderregenden Eindruck, dass sich Mitgefühl ins Herz des Ravnos schlich. Einen kurzen Moment hatte er das Bedürfnis, sie zu trösten, da riss er sich innerlich zusammen. Wenn man dich manipulieren wollte, dann wäre das wohl eine geschickte Möglichkeit dazu, schoss es Luca durch den Kopf. Er durfte sein Urteilsvermögen nicht von Emotionen trüben lassen. In dennoch angemessen entsetztem Tonfall antwortete er:

"So erscheint euer Schauspiel gleich noch in einem ganz anderen Licht! Da glaube ich euch wohl, wie sehr euch die Anwesenheit dieses Fabrizio gegen den Strich gehen muss. Bei meiner Ankunft hier erwähnte die wohlwerte Acacia etwas von einem Krieg, der sich am Horizont abzeichnet. Könnte da womöglich ein Zusammenhang bestehen? Mir zumindest scheint es nicht die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Diplomatie zu sein, einen Mörder als Botschafter bei sich zu beherbergen." Die anfangs zur Schau gestellten Bestürzung ob der Ungerechtigkeit, die dem Harlekin widerfahren war, war der Neugier gewichen, die sich in Lucas lebhafter Stimme niederschlug. War das hier den Anknüpfpunkt zu den Informationen, die er bereits erhalten hatte?

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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Angelique » Do 18. Mai 2017, 14:05

Ein leicht sarkastisches Lächeln erhellte das herzförmige Gesichtchen des Mädchens. Mit den roten Streifen über den Wangen sah die Maske gleich noch kunstvoller aus. Ein scharfer Kontrast wie Blut im Schnee.

"Heißt das Sprichwort nicht: Halte deine Freunde dir nah, deine Feinde aber noch näher? Ein Mörder und Agent in so exponierter Position ist recht machtlos, seinen Job zu erledigen, nicht wahr? Was meine Gefühle gegen Fabrizio angeht, versuche ich eher seine Beweggründe zu verstehen. Ein Wolf ist nicht schuld, weil er das Lamm reißt. Es ist seine Natur. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich ihn richten darf, wie man die sterblichen Sünder richtet. Und ich glaube ohnehin an ewiges Leben und Wiedergeburt."

Kaum hörbar fügte sie aber hinzu: "Trotzdem tut es immer noch weh."

Jetzt wurde aber auch Angelique neugierig: "Acacia die Allerschattigste spricht von Krieg? Hmm, das will mir nicht gefallen. Wenn Vampire Krieg führen, sind es die Menschen die leiden. Mir liegen die Menschen am Herzen. Wie ist es mit Euch?"
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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Luca » Fr 19. Mai 2017, 15:38

Nachdenklich hörte der Ravnos dem Kind reglos zu. "Ich kenne dieses Sprichwort, aber ich denke nicht, dass es in jeder Situation Anklang findet. Ein Feind bei sich zu beherbergen ist nur sinnvoll, wenn man ihn vollständig unter Kontrolle halten kann. Natürlich steht er in seiner Stellung unter Beobachtung, doch könnt ihr wirklich genau feststellen, was er alles tut, wenn ihm gerade niemand auf die Finger schaut und was seine Lakeien unternehmen? Mich betrifft dies alles bisher nicht und ich bin mir sicher, dass die höhst verehrte Aurore die richtige Entscheidung getroffen haben muss ... aber im Allgemeinen befürworte ich keine halbherzigen Lösungen." Wie genau seine Lösung nun ausgesehen hätte, sprach der Ravnos nicht aus, ließ die angedeutete Antwort aber für einige Sekunden zwischen den beiden schweben. Er schwieg also kurz, noch immer auf dem Holzeimer sitzend und mit den Ellenbogen auf den Knien abgestützt, hielt den Blick gesenkt und betrachtete gedankenverloren seine gefalteten Hände. Die Kapuze rutsche dabei nach vorne und verbarg sein Gesicht fast vollständig im Schatten.

"Nach eurem Vergleich mit dem Wolf klingt es ganz so, als ob dieser Fabrizio sein Tier nicht unter Kontrolle hatte? Schwach geworden ist? Ein Gangrel kann wohl kaum sein, denn ihr spracht davon, dass er ein Blutsbruder eures geliebten Alerio gewesen sei, und ich denke nicht, dass ihr einer solch verrohten Bestie eure Liebe schenken würdet." Während er diese Worte aussprach, schüttelte Luca den Kopf. Zudem würde niemand, der bei Verstand war, einen dieser nutzlosen Gangrel zum Botschafter ernennen.

"Auch mir tut es leid, wenn Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden," log der Ravnos, "doch glücklicherweise habe ich noch keinem Krieg zwischen Kindern der Nacht beiwohnen müssen. Ihr schon? Es klingt, als spreche die Erfahrung aus euch. Bei mir ist es noch nicht allzu lange her, dass ich den Kuss bekam, daher muss ich mich allein auf Gerüchte und Mutmaßungen stützen."

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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Angelique » Sa 20. Mai 2017, 13:35

Angelique lächelte grimmig. Das sah diesmal durchaus unheimlich aus. Bewusst oder unbewusst blitzten ihre Fänge dabei auf. Ein Kindervampir war trotz allem in erster Linie ein Vampir.

"Nein, wäre ich anwesend gewesen bei Alerios Untergang, wäre der Ausgang vermutlich ein anderer. Ich war zu dem Zeitpunkt auf Pilgerreise nach Santiago.
Ansonsten wäre Fabrizio wohl eher Staub im Wind und würde sich wundern, wieso Kindervampire dies bewerkstelligen könnten, während er der Wiedergeburt als Wurm oder so harren würde.

Oh, wenn es nach mir ginge, würde er in einem Keller hausen, mit rausgebrochenen Fängen, ausgebrannten Arm- und Beinstümpfen und gegossenem Gold, das er so liebt, in den Wunden, damit er nicht regenerieren kann. Blut könnte er von meinen Füßen lecken." Sie geriet ins Schwärmen bei diesen Worten.

"Irgendwann würde ich ihn wieder freilassen, wenn er ehrlich bereut hätte. Aber," sie seufzte, "es geht nicht nach mir. Sein Schicksal wird wohl weniger gnädig sein.
Das dauert mich, hat er mir doch Alerios Messer geschenkt." Sie lachte bitter. "Er war der einzige, der einen Nachlaß meines Liebsten schenkte. Ich liebe Fabrizio dafür so sehr, wie ich ihn hasse."

Malkavianer zu sein, musste wohl so angenehm sein, wie die Qualen, die sie eben geschildert hatte.

Irritiert kam sie auf die Frage nach dem Klan des Brudermörders zu sprechen:
"Nein, Gangrel ist er nicht. Er gehört zu den Schatten wie Alerio. Und Ihr täuscht Euch, wenn Ihr glaubt, man könne keine Liebe zu einem Kind des Belials empfinden. Ich neide der allerschattigsten Acacia ihren Liebesbund mit dem Liktor Brimir, dem auch mein liebster Alerio in brüderlicher Hingabe zugetan war."

Sie schaute in weite Ferne. "Krieg ist immer gleich für die von niedriger Geburt. Es ist die Hölle auf Erden, was für Adlige und Hohe Klane der schönste Sport ist. Sklaverei, Verstümmelung, Schändung, Hungertod, Seuchen und der Bettelstab ist´s, den man zu erwarten hat, während die Mächtigen noch reicher und mächtiger werden."
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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Luca » Mo 22. Mai 2017, 22:27

Aus dem Dunkel unter der Kapuze kommte man erahnen, dass der Ravnos das grimmige Lächeln erwiederte. "Eine sehr blutrünstige Rede. Wie ich gedacht habe, wäre es falsch, euch nur aufgrund eurer Gestalt zu unterschätzen. Eure Gefühle scheinen in dieser Hinsicht opak, was in eurer Lage jedoch bestimmt verständlich ist." Die Kainstochter klang in dieser Hinsicht zwar etwas durcheinandern, was Luca mit ihrer Clanszugehörigkeit in Zusammehang brachte, aber - vielleicht etwas verrückt, aber nicht gefährlich, sagte er sich.

Luca bemerkte die Irritation in der Mine der Schaustellerin, die sich durch ihre Worte erklärte. Da war es wohl geschickter, verbal zurückzurudern - früher oder später würde sich ohnehin jedem Kind der Nacht von Verstand zeigen, dass die Welt ohne diese Wilden besser dran war. "Verzeiht mir meine wohl etwas voreingenommene Haltung. Sie kommt durch alte Vorurteile meine Clans zustande; und ich möchte lieber gar nicht so recht wissen, was die Gangrel über uns Wanderer sagen. Nur werdet ihr wohl mit mir darin übereinstimmen, dass es sicherlich verständigere Wesen gibt als diese Kainiten, welche dem Tier so nahe stehen." Ein Gangrel aus Liktor, wer hatte sich denn das ausgedacht? Dem sollte Luca wohl besser aus dem Wege gehen.

"Auch die Reichen und Mächtigen haben viel zu verlieren - zumindest, wenn sie im Krieg die falsche Partei ergriffen haben." Luca streckte die Beine aus und lehnte sich etwas zurück. Die gehockte Haltung auf dem alten Holzeimer wurde langsam unkomfortabel. "Und anderen mag sich darin die Möglichkeit ergeben, ihren Aufstieg zu machen. Ein Krieg ist schließlich auch häufig genug eine Umwälzung der festgefahrenen Gegebenheiten. Versteht mich nicht falsch - ich will keine Konfrontation heraufbeschwören. Meine Worte mögen sich berechnend anhören, doch wenn der Krieg ohnehin unausweichlich ist, schadet es doch nichts, seine Möglichkeiten auszuloten. Aber wie ihr schon erwähntet, an so etwas habt ihr ja gar kein Interesse."

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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Angelique » Di 23. Mai 2017, 23:05

Das Mädchen grinste. Durch Schminke und verlaufene Bluttränen wirkte es trotz Kindlichkeit fast diabolisch.

"Meine Gedanken, wahrhaftig. Ich mag keine politischen Ambitionen haben, aber durchaus merkantile. Krieg ist immer gleich. Und Krieg ist gut für´s Geschäft. Wenn Ihr für Eure Ambitionen Söldner brauchen solltet, ich kann sie vermitteln."

Auf das ravnosianische Gangreldiffamieren ging sie nicht weiter ein, lächelt aber wissend.
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Re: (H)af(f)entheater [Luca, Angelique]

Beitrag von Luca » Mi 24. Mai 2017, 23:14

Luca sah den Harlekin mit einer Mischung aus Wohlwollen und Befriedigung an.

"Tatsächlich? Das freut mich zu hören, es könnte durchaus dazu kommen, dass ich von eurem Angebot Gebrauch machen muss. Eure Einstellung gefällt mir."

Der Ravnos stand von seiner provisorischen Sitzgelegenheit auf und reckte sich.

"Unser anregendes Gespräch war durchaus erfrischend, aber ich fürchte, ich muss noch einige Geschäfte abwickeln, bis der Morgen graut. Solltet ihr mich suchen, dann sucht nach der sirena d'oro hier im Hafen. Wo seid ihr denn für gewöhnlich zu finden?"

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