Die Schöne, die das liest [Caterina]

[April '17]

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Gaius Marcellus
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Die Schöne, die das liest [Caterina]

Beitrag von Gaius Marcellus » Fr 31. Mär 2017, 20:44

Erster Brief an Caterina

Abgegeben zu Händen den Ottavani Scuto,
kurz vor der Verkündung des Urteils im Elysium


„An die gequälte Rose Genuas,

ich will euch nicht den Geist und die Zeit mit verschnörkelten Worten stehlen,

doch ich will euch um Verzeihung bitten, Verzeihung, dass ich euch nicht die Beachtung schenkte, die euch sicherlich zukam, Verzeihung, dass ich den Gelüsten des Fleisches in so schmerzlicher Art verfiel. Ich habe in dieser schicksalsschweren Nacht versagt und diese Schuld so auch weitergetragen.

Ich hoffe nur noch auf die Gnade unseres Prinzen für uns alle und eure Gnade für mich – auch wenn ich mit weder noch zu rechnen wage, nicht einmal zu hoffen.

In Reue und Demut für sein Versagen, Gaius von Genua.“

Unter den professionellen Brief war in eher ungeschickter Hand ein Kupferkessel aufgezeichnet.
Ich hab heut Nacht vom Tod geträumt,
er stand auf allen Wegen,
er winkte und er rief nach mir so laut.

Er sprach mein Leben sei verwirkt,
ich sollt mich zu ihm legen,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut.

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Caterina
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Re: Die Schöne, die das liest [Caterina]

Beitrag von Caterina » So 2. Apr 2017, 15:44

Es dauerte nicht lange, da kam ein kleiner Bengel im neu eröffneten Heilerhaus vorbei und gab für den Herrn Gaius ein Leinenbeutelchen und ein gerolltes Pergament ab.
Des Beutelchen enthielt zwei Hälften einer Holzrose, die wohl in der Mitte gespalten wurden... ein würziger Geruch stieg davon empor.
Das Pergament war gerollt und mit einem roten Band gehalten.
Darauf war die schwungvolle Schrift der Troeador eindeutig erkennbar. Doch fehlten die Verzierungen zur Gänze...
Nicht alle Schmerzen heilt der Schlaf,
Und nicht so bald wirst du gesund,
Wenn dich eine Erkenntnis zu tödlich traf
Aus einem allzu lieben Grund.

Wie viel ein solches Wort entdeckt
Und dir erklärt mit einem Mal!
Wie's dich aus sel'gen Träumen weckt
Durch eines Blitzes grellen Strahl!


(abgeändertes Gedicht von Frieda Port)
"...Sendest noch sterbend Düfte uns zu
Rose, du Holde!
Leben und sterben will ich wie du..."
JZitatschnipsel, Johann Jakob Ihle

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Gaius Marcellus
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Re: Die Schöne, die das liest [Caterina]

Beitrag von Gaius Marcellus » Mi 5. Apr 2017, 10:42

Viele Nächte blieb Stille, dann wurde eine Lieferung zweier alter Kupferkessel - ausgebraucht - an die Adresse vorgenommen. Aus dem Haus der Heiler. Keine weiteren Angaben zu dem Geschenk. Es war auch nicht mehr als alte Kupferkessel... Materialwert zumindest?

Viele weitere Nächte blieb Stille, dann hing im Elysium das Strafmaß. Ein weiterer Brief fand seinen Weg zu Caterina.


"An die verborgene Rose von Genua,
meine Gedanken sind weiterhin bei euch, Sieben Jahre tat ich nun für mich und meinen Geist Buße. Hielt mich zurück, ließ meinem Tier keinen Auslauf, meinen Schwächen keinen Raum und meiner lauten Stimme keinen Platz in den Reihen der Kainskinder der Domäne.

Heute steht verkündet, wie der höchst verehrte Prinz mit uns zu verfahren gedenkt. In größter Achtung ihrer Worte will ich jede Strafe tragen und hoffe, auch ihr könnt das. Ich will euch Glück und Stärke wünschen, für die Prüfung die da gegen uns beide kommt.

Solltet ihr eines Nachts ohne Zorn und Hass gegen mich erwachen, so bitte ich euch, schickt nach mir – ihre Majestät wünscht unsere Dienstbarkeit und Genua braucht Frieden im Herzen.
In stetiger Hoffnung auf Heilung.
Gaius von Genua“
Ich hab heut Nacht vom Tod geträumt,
er stand auf allen Wegen,
er winkte und er rief nach mir so laut.

Er sprach mein Leben sei verwirkt,
ich sollt mich zu ihm legen,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut.

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Re: Die Schöne, die das liest [Caterina]

Beitrag von Caterina » Do 6. Apr 2017, 23:07

Als Scuto die Kupferkessel sah, kratzte sich der Wirt am lichter werdenden Haupt.
Was sollte denn dieser Blödsinn? Waren die nun alle verrückt? Hatten die Heiler wohl diese Seuche davongetragen?
Auf jeden Fall schien die Schönheit wirklich seltsame Freunde zu haben... So konnte das nicht weitergehen- das würde ihm moch die Kunden vertreiben!
So schickte der Wirt die Heiler mit den Kesseln wieder zurück. Zwar verscheuchte er sie nicht, aber gezetert war das Ganze dennoch.
Es kamen aber keine weiteren Worte...

Erst auf den Brief bekam der Salubri eine Antwort.
Noch immer schnörkellos, doch gekonnt war die Tinte auf das Pergament gebracht
Auch ich wünsche euch alles Gute.

Ihr werdet verstehen, dass ich wichtigere Probleme habe, als mich gebührend auf euch vorzubereiten.
Auch werdet ihr verstehen, dass eure Bußworte weder meine Probleme noch meine neue Sicht ändert.

Ich soll ohne Hass auf euch aufwachen? Niemals verspürte ich so etwas.
Ihr wollt Frieden im Herzen? Damit kann euch ein törichtes Gör nicht dienen. Denn genau das habt ihr mir und dem Rest der kainitischen Gesellschaft vor Augen geführt... ich bin nichts weiter als ein dummes, verzogenes Kind.
Ihre Majestät wünscht unsere Dienstbarkeit? Ich werde ihr dienen, aber gewiss nicht in eurem Sinne. Ich werde ihr dienen, wie es mein Vormund für angemessen erachtet.
Dem Mann, den UNSERE Dummheit mehr gekostet hat, als ich mir vorstellen wollte.

Ihr habt eure Lektion gelernt? Gratuliere, ich auch.

Caterina Tebalducci
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Rose, du Holde!
Leben und sterben will ich wie du..."
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Re: Die Schöne, die das liest [Caterina]

Beitrag von Caterina » Fr 21. Apr 2017, 23:23

Einige Tage nach dem Bestrafungsabend kam der kleine Luca erneut mit einem gerollten Pergament vorbei.
"Bitte dem Herrn Marcellus geben.", kam die knappe Antwort.
Dieses Mal war die Handschrift gewohnt schwungvoll und wieder verschnörkelt.
Der Anfangsbuchstabe verziert...
Wo immer wir auch gehen,
ein Teil von uns bleibt dort,
die Spuren unsrer Schritte,
sie gehen nicht mehr fort.

Ein Lächeln bleibt zurück,
ein Herz das freudig schlägt,
die Wärme unsrer Stimme,
die durch die Kälte trägt.

Berührung unsrer Hand,
die noch zu fühlen ist,
und dass durch uns ein Mensch
sein Dasein kurz vergißt.

Wo immer wir auch gehen,
bleibt eine Spur zurück,
und hinterläßt ein Strahlen
von unsrem eignen Glück.
"...Sendest noch sterbend Düfte uns zu
Rose, du Holde!
Leben und sterben will ich wie du..."
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Re: Die Schöne, die das liest [Caterina]

Beitrag von Caterina » Do 15. Jun 2017, 21:50

Doch weitere Worte folten nicht mehr...
Finitus
Zusammenfassung:
Gaius schickt Caterina einen Brief und Kupferkesseln zur Bitte um ein Aussöhnungsgespräch.
Doch sie lehnt in poetischen Worten ab.
"...Sendest noch sterbend Düfte uns zu
Rose, du Holde!
Leben und sterben will ich wie du..."
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