Angelique, Filles de Meunier

Das Gefolge der Dunkelheit: Die Männer, Frauen und Monster in den Schatten lauernd und ihre Handlanger.

Moderatoren: Acacia, Toma Ianos Navodeanu

Benutzeravatar
Angelique
Malkavianer
Beiträge: 1667
Registriert: Fr 22. Jan 2016, 14:50

Angelique, Filles de Meunier

Beitrag von Angelique » Di 23. Aug 2016, 21:13

Auf dem ersten Blick war das Mädchen ein armes Pilgerkind, das überall aus dem Languedoc, Katalanischen oder Regnum Italicum stammen konnte. Die schwarzen Haare und dunklen Augen und die feinen Züge, sowie der zierliche, ja magere Leib ließen das Erbe der romanischen Herrscher und Beherrschten der Antike erahnen, die nun nur noch unfreie Massen unter der Knute der nordischen Eroberer waren und deren Kultur nur noch ein Schatten war, den alte zerfallene Ruinen auf traurige Dörfer warfen, die sich frecherweise noch wie die alten Städte nannten.

Die braunen Augen des Mädchens - wie alt mochte es sein? Elf, zwölf? Kaum heiratsfähig und gewiß nicht gebärfreudig jedenfalls - waren in unterschiedlichem Lichte von faszinierender Farbe, so als ändere diese sich fast und wäre schwer zu bestimmen. Bei klarem Blick in diese, wirkten sie aber rehhaft braun und groß und eindringlich. Vielleicht war der Blick auch manchmal etwas entrückt.

Das kindliche Gesicht war zu vielfältigem Mienenspiel fähig und konnte verstörend erwachsen und altklug wirken, ja, zynisch jenseits der scheinbaren Jahre. Dann wiederum lachte es oft und war unbefangen wie das Kind, zu dem es passen sollte.

Schwarze Locken umspielten das blasse Gesichtchen und zumeist trug das Mädchen einen breitkrempigen Pilgerhut mit Jakobsmuschel und einer immer größer werdenden Zahl von Pilgerzeichen, die selbst Berufspilger schwer in langen Jahren erworben haben konnten. Vielleicht ein Erbstück?
Ein Pilgerstab und die Flasche vervollständigten das Bild einer kindlichen Pilgerin. Einzig das Kreuz um den Hals war ein Hinweis auf das seltsam ketzerische Okzitanische: ein Taukreuz, das der wahrhaft Gebildete mit alten gnostischen und älteren Zeichen verbinden konnte, nahm man die Kette hinzu, wirkte es wie ein Henkelkreuz.
Meist ging das Mädchen barfuß oder in einfachem Schuhwerk, manchmal auf Trippen im Morast Genuas.

Nicht zu sehen dagegen waren die Lederriemen, die eine einfache, aber effektive Rüstung waren, die das Mädchen unter dem Pilgergewand verborgen trug.
Auch das Sichelmesser, ein Geschenk ihrer geheimnisvollen Erschafferin, bekam man nur zu Gesicht, wenn die Stunde des Todes gekommen war.

Wenn das Kind aber begann zu sprechen und sich nicht verstellte, merkte man schaudernd, daß es in den sieben freien Künsten bewandert war, die keine Frau, geschweige denn ein kleines Mädchen, beherrschen konnte, ja selbst adlige und klerikale Schüler sich damit häufig schwer taten.
Das Ketzerische des Freien Südens, in dem Frauen lesen und scheiben konnten, ja sogar Besitz und Mitbestimmung hatten, troff mit jedem zersetzenden Wort in heller Stimme aus dem Engelsmund und brachte Ahnung vom Untergang der Christenheit, wenn erst der Pöbel die gleichen Rechte wie der Adel hatte, Frauen Ämter inne und die Heilige Schrift in profane Sprachen übersetzt von Laien und Weibsvolk gepredigt wurde.

Selten hatten die Todesengel des Wahnsinns ein harmloseres Gefäß für ihr Antoniusfeuer gewählt als Angelique, die Müllerstochter.
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"