Das Kloster San Marcellino

Die Stolze ist voll von Geschichte, selbst jetzt, voller Orte und Plätze mit ihrem ganz eigenen Charme.
Hier sind einige davon.

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Il Narratore
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Das Kloster San Marcellino

Beitrag von Il Narratore » Do 23. Jul 2015, 13:35

Im Nordwesten der Stadt Genua, malerisch zwischen zwei Flüssen gelegen, steht das kleine Kloster San Marcellino. Es liegt damit in der Nähe der Nekropole San Siro und die Gegenwart der Toten trägt zu einer nüchternen und kontemplativen Atmosphäre bei, welche die Bauten der Priorei umgibt. Schon seit über 500 Jahren sollen hier Geistliche gelebt und gewirkt haben, erst in einer kleinen Kirche, nun in der Gemeinschaft. Das Kloster ist eine der weniger bekannten Anlagen der Umgebung und wird von nahelegenen Abteien überschattet, was dem Prior Ercole ganz recht ist.

Ercole ist ein gottesfürchtiger und demütiger Mann, der seine kleine Herde von Mönchen zu stetigem Gehorsam vor dem Herrn anhält. Die Gottesdienste werden dabei oft in der mittlerweile erweiterten Klosterkirche abgehalten, die das Zentrum der Anlage bildet. An diese schließt sich ein kleiner Klosterhof an, umgeben vom Kreuzgang der Anlage, der all die Gebäude miteinander verbindet. Im Hof haben die Mönche einen Kräutergarten angelegt, während in der Mitte ein alter, tiefer Brunnen zu finden ist.

Direkt am Hof liegen auch der Speisesaal, das Refektorium, sowie der Schlafsaal, das Dormitorium. Ein kleiner Gang verbindet den Hof zudem mit dem Klosterkapitel, in dem Versammlungen der Mönche abgehalten werden, wobei eine Nebentür in diesem Gang zu den Bedürfnisanstalten (Necessarium) führt. Einige kleinere Wirtschaftsgebäude und eine Steinmauer umschließen den Komplex, den man somit nur über die Klosterpforte oder eine der beiden Nebentüren betreten kann. Eine dieser Nebentüren steht auch Nachts Bittstellern offen - eine Anweisung von Prior Ercole, der mit dem Einrichten eines solchen Wachdienstes auch gleichzeitig seiner Angst vor Überfällen zu begegnen sucht.

Lagergebäude benötigt das Kloster nicht, denn unter der Anlage finden sich Katakomben, deren Ursprung mittlerweile ebenso im Dunkel liegt, wie die Gründung der ersten Kirche an diesem Ort. Sie wurden in den letzten Jahrhunderten zum Teil als Begräbnisstätte der Mönche genutzt, doch noch immer ist genügend Platz, um hier die Vorräte und Werkzeuge der Priorei zu lagern. Und noch immer finden die Mönche von Zeit zu Zeit uralte, längst vergessene Kammern, voller antiker Verzierungen und verblasster Wandmalereien...

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Il Canzoniere
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Re: Das Kloster San Marcellino

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 30. Jan 2016, 09:58

Nach dem Tod Ercoles hatte sich einiges in San Marcellino verändert: Dankbar über die Dienste bei der Enttarnung des maximinianischen Dämon war dem Kloster gestattet worden, sich fortan als Abtei zu bezeichnen. Ein gewisser Albanus hatte Ercoles Nachfolge als Leiter angetreten, war nun der Abt. Ein weltlicherer Mann, sagten böse Stimmen. Ein geschickterer Verhandlungsführer und der richtige Mann für den Wandel, sagten die Gönner des Klosters.

Und der Wandel kam: Spenden flossen reichlich für die gottesfürchtigen Männer von San Marcellino. Bald wurde mit den Umbauten begonnen, unter der Leitung des jungen Ansaldo de Volta, einem Architekten aus einer traditionsreichen Familie. Die Außengebäude wurden niedergerissen, der Innenbereich umgebaut und massiv vergrößert. Neue Wirtschaftsgebäude entstanden. Nur die Katakomben blieben unberührt von den Händen der Sterblichen.

Nun beinahe doppelt so groß in seiner Fläche, vergrößerte das Kloster auch die Zahl seiner Bewohner. Fähige und kluge junge Männer wurden gesucht - oder sie fanden sich von selbst ein. Man munkelte sogar davon, dass das Kloster einen gewissen Auswahlprozess vornehme, bei dem längst nicht alle bestehen würden. Dem Abt zur Seite stand der im Dorf Burgus wohlbekannte Bibliothekar, ein gewisser Benedetto...

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