Die karolingische Stadtmauer

Die Stolze ist voll von Geschichte, selbst jetzt, voller Orte und Plätze mit ihrem ganz eigenen Charme.
Hier sind einige davon.

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Il Narratore
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Die karolingische Stadtmauer

Beitrag von Il Narratore » Do 23. Jul 2015, 13:34

Für zweihundert Jahre lag Genua offen und ohne Verteidigung dar. Die Langobarden hatten die alte Mauer niedergerissen und sich einen Dreck darum geschert, was aus der schutzlosen Stadt werden sollte. Unfähig und zu arm sie selbst wieder zu errichten und zu stolz um die fernen Könige um Hilfe anzubetteln, lebten die Genovesi lieber im Schatten ihrer Ruinen. Sie trugen die Überreste der römischen Mauer fort und bauten ihre Häuser und Kirchen mit den alten Steinen, sodass heute kaum noch eine Spur von ihr übrig ist.
Erst Mitte des 9.Jahrhunderts wurde eine neue Mauer gebaut, hauptsächlich mit geschenkten Geldern der Karolinger und der fränkischen Fremdherrscher. Groß und breit bauten sie die Mauer, mit Wehrgängen und Zinnen, und wie es sich gehörte auf die Spitzen der die Stadt umgebenden Hügel.
Obwohl einige Dörfer und Teile der Stadt, wie etwa die Basilica di San Siro, vor dieser neuen Stadt lagen, umfasste sie doch mit 20Hektar Fläche einen Großteil der alten römischen Stadt, die unter den Veränderungen der Jahrhunderte langsam in ihrer Klarheit verschwand. Nur die größten und wichtigsten Straßen waren noch erkennbar, tiefe Gräben in dem Gewirr aus Gassen und Häusern, und die Franken setzten an ihre Enden erneut mächtige Tore.

Vier Öffnungen fanden sich in dem meterdicken Werk aus Natursteinen:
Die "Porta di San Pietro" oder auch Petrustor im Norden der Stadt die die Via San Bernardo bewacht. Es ist das Hauptportal, durch das Handel mit dem gesamten Nordwesten des Golfes von Genua betrieben wird. Wer zur Basilica di San Siro oder nach Castelletto will, der muss einige Meter in Dunkelheit durch den dicken Stein laufen.
Nur unweit des Tores befand sich die kleine Kapelle des Erzengel Michaels.
Etwas weiter östlich hiervon öffnete die "Porta di Serravalle" den Schutzring und entließ den Reisenden in den Weiler Luccoli und von dort aus zum Castelletto und dem gleichnamigen Dorf auf dem Monte Albano. Es ist das kleinste Tor der Stadtmauer und erinnert mehr an eine Ausfallpforte, da es nie für den Handel genutzt wurde
Ganz im Osten der Stadt befand sich die "Porta Soprana", die auf den Fundamenten der antiken "Porta Superana" gebaut worden war und weithin der Stabtbevölkerung Respekt einflößen sollte. Das größte aller Tore, zweiflügelig aus dicken Brettern mit Eisenbändern verstärkt, ist Endpunkt der Platealunga, der Straße die sich nach Westen zum Hafen windet, um dort die Via San Bernardo zu kreuzen. Hier befand sich auch der "Torre Soprana", ein mächtiger, eckiger Turm, von dem aus man aus dem Hinterland anmarschierende Heere erkennen konnte.
Das südlichste der Tore, der Haupthandelsweg nach Südosten an der Küste entlang war das "Porta di Castello", das an der Küste Genuas lag und die Stadtmauer mit den militärischen Kais verband.
Es erhielt seinen Namen vom einzigen Kastell der damaligen Stadt, das nur einen Steinwurf von ihm entfernt stand: Die Bischofsburg.
Wichtige Bestandteile der Stadtmauern waren die vier großen Türme: Castello, Luccoli, Soprana und Castello, die nach ihren ungefähren Standorten benannt waren.