Das Bischofskastell

Die Stolze ist voll von Geschichte, selbst jetzt, voller Orte und Plätze mit ihrem ganz eigenen Charme.
Hier sind einige davon.

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Il Canzoniere
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Das Bischofskastell

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 1. Feb 2016, 22:01

Nur einen Steinwurf vom Porta di Castello und seinem Wachturm entfernt, über Mascarana thronend wie dieses über den Rest der Stadt thronte, liegt eine alte, an seiner Bauweise deutlich als römische Burg zu erkennen: das Bischofskastell. Ursprünglich als römische Garnison auf einem strategisch günstig liegenden Hügel errichtet und von allen Seiten mit erst kürzlich erneuerten, neun Meter hohen und drei Meter dicken Mauern aus massivem Stein umgeben, ist es ein auch von weitem gut sichtbarer Koloss.

Einhundertfünfzig Meter in der Länge und achtzig in der Tiefe, neun Rundtürme und einem direkt ins Herzen Mascaranas führenden massiven, stahlverstärkten Haupttor vor dem sich der Piazza Sarzana ausbreitet, macht aus der Feste nicht nur das größte Konstrukt Genuas sondern auch einen wichtigen Orientierungspunkt sollte man sich in den unzähligen Gassen Claviculas oder den Obsthainen Raveccas verlaufen.

Das das vor langer Zeit für die römischen Legionen errichtete Gebäude schon lange nicht mehr militärisch genutzt wird, kann man an vielen der Umbauarbeiten erkennen. So wird einer der Rundtürme als Glockenturm der Kapelle des heiligen Silvester innerhalb des Kastells genutzt. Auch die Abstände zwischen den noch bestehenden weiteren Türmen lassen erkennen, dass bereits ein gutes Drittel der am ursprünglichen Kastell vorhandenen Türme komplett verschwunden ist - wohl um andernorts als Baumaterial zu dienen. Weitere Türme dienen als Gästequartiere, Mannschaftsräume der Bischofsgarde, Arbeitszimmer und zur Lagerung von allerlei Dingen. Tatsächlich wurden nur vier von ihnen seit kurzem wieder zur Bewachung des Kastells genutzt.
Aber auch sonst fanden sich viele Hinweise darauf das die Zeit nicht still stand: das ehemals existierende zweite Haupttor auf der Rückseite des Kastells, zur karolingischen Mauer hinweisend, war vor langer vollständig zugemauert worden. Lediglich kleine Pforten nach Ravecca und zum Porta di Castello existierten. Das frühere Militärbad dient als bischöfliche Bibliothek sowie der Unterbringung einiger Diener des Bischofs.

Die meisten der alten römischen Gebäude, mit Ausnahme des Bades, bestehen überhaupt nicht mehr oder nur in veränderter Form. So stehen im inneren der Mauer Gebäude zur Unterbringung der Bischofsgarde, der hier lebenden Diener, Priesternovizen, Gästen und des Bischofs. Auch ein Schulgebäude wurde kürzlich eingerichtet. Ställe, Hundezwinger, eine Schreibwerkstatt, die Küche sowie einige Lagerräume stehen hingegen direkt innen an der Mauer.

Da das Kastell für ursprünglich dreihundert Legionäre gebaut worden ist, es heute jedoch lediglich von einhundert Bewohnern genutzt wird, gibt es im Inneren größere Freiflächen auf denen Gemüse und Obst angebaut wird, welches zur eigenen Versorgung aber auch der Speisung Bedürftiger dient. Auch ein Brunnen und einige Käfige mit gezüchteten Kaninchen stehen hier.

Tagsüber ist das Kastell ein geschäftiger Ort. Priester und Mönche, Händler und Handwerker gehen ein und aus und viele der hier untergekommenen Gäste haben geschäftlich oder privat in der Stadt zu tun. Die hier lebenden Novizen geben dem alten Ort einen lebhaften Aspekt hinzu. Die eigene Mauer trennt zum Großteil von der Hektik, dem Gestank und dem Lärm der Stadt und macht aus dem Kastell eine Oase des angenehmen aber auch andächtigen Lebens.

Nachts ändert sich das. Mit dem Untergang der Sonne werden die Tore geschlossen, was zum einen das Leben aussperrt und zum anderen eine Art Stasis auf das Kastell herab beschwört, welche dem nächtlichen Besucher gar unheimlich erscheinen mag. Da Kinder, Gäste und Bedienstete schlafen, sind nur noch die Männer der Bischofsgarde auf den Türmen und an den Toren zu sehen. Auch Bibliothek und Küche bleiben verschlossen, was auch die Gäste des Bischofs in ihren Zimmern hält. Riesige Hunde bewachen, an dicken Ketten festgemacht, jeden Eingang. Fackeln erleuchten die leere Mauer. Nur der nächtliche Gottesdienst in der Kapelle des heiligen Silvesters durchbricht diese Stille.

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