Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

[Februar '17]

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Melissa
Tzimisce
Beiträge: 908
Registriert: Fr 22. Jan 2016, 15:17

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Melissa » Mo 20. Feb 2017, 23:21

Der Handelshof im Nordosten der Stadt, direkt an der Piazza di Sant'Andra hinter der Porta Soprana gelegen, war kein einzelnes Gebäude sondern eine ganze Reihe von Bauwerken. Mehrere Lager, Gasthäuser und Reparaturwerkstätten drängten sich beiderseits der großen Handelsstraße, die vom Nordosttor bis zum Hafen der Stadt führte.
Händler aus einigen Gegenden Norditaliens boten dort tagsüber ihre Waren feil und vergnügten sich dort des Nachts oder fanden ihren Schlaf. Händler, die ihren kostbaren Besitz aus Venetien, der Lombardei und der Emilia schätzten und auf deren Betreiben daher schon vor Jahren eine hohe Mauer rund um den gesamten Komplex gezogen worden war - zwei Meter hoch und aus Bruchstein, fensterlos, mit nur zwei Lücken:
Eine auf der Seite zur Piazza di Sant'Andrea hin, eine auf der gegenüberliegenden Seite, hin zur Strata Romana. Jene Straße, die die Grenze vom Jagdgebiet der Melissa markierte. Beide Durchgänge waren etwa acht Fuß breit - breit genug für den Strom an Wagen und Menschen, der sich täglich hindurch schob.
Beide wurden von je einer Handvoll Bewaffneter bewacht, die mit ihren schwarzen Speeren mit den blutroten Spitzen, mit den Hunde an ihrer Seite und mit den ledernen Harnischen mit Schuppen darauf deutlich machten, dass sie zur Stadtwache Broglios gehörten. Oder jedenfalls die gleichen Rüstungen trugen.
La famiglia é il nido dell'uomo.
- Giovanni Faldella

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Sousanna » Di 21. Feb 2017, 13:27

Auch die Ravnos war stehen geblieben und ihr Blick ruhte nachdenklich auf dem Handelshof und den Wachen. Einen Moment lang war sie sehr still, fast schien es, als betrachtete sie den Dolch in Gedanken. Drehte und wendete ihn und führte gedankliche Gespräche. Schließlich hob sich ihr Blick zu Ramon und ein Lächeln umspielte ihre Züge, dessen Unschuld lediglich noch in einer Freude am Spiel zu erkennen war.
"Es würde darauf ankommen.", begann sie schließlich. "Darauf wie sehr du dich nach besagtem Dolch sehnst. Was du zu zahlen bereit wärst, ob es exakt dieses Stück sein müsste und wie groß mein Gewinn dabei. Ob ich dich mag oder nicht... Meine Möglichkeiten reichen von netten Gesprächen mit den Eigentümern über andere Quellen, ein ebenbürtiges Stück zu besorgen..." Leicht lächelte sie ihn an und es war etwas Geheimnisvolles in diesem Lächeln. "Was ich erreichen möchte?", fragte sie schließlich und zuckte die Schultern. Sie selbst hatte keine wirkliche Antwort darauf. "Ich denke ein gutes Leben in Frieden, ohne Angst und mit der Möglichkeit meinen Talenten nachzugehen, wäre schon wirklich wundervoll."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Ramon
Brujah
Beiträge: 429
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 17:02

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Ramon » Di 21. Feb 2017, 18:19

Ramon genoss die Ausführungen der Ravnos, er redete zwar selbst gern, aber Sousanna hörte er auch gerne zu, eine seltene Eigenschaft. Als Ramon jedoc bemerkte wie eine der Wachen Sousanna mistrauisch beäugte,Begann es in dem Brujah zu brodeln, und er stapfte entschlossenen Schrittes auf die Wache zu und baute sich vor ihr auf.

Gibt es ein Problem ? Ihr werft eure Augen auf meine Begleitung, lasst eure Grabscherhände bei euch, wenn ihr sie nicht verlieren wollt.

Zähneknirschend wendete sich der Brujah wieder der Ravnos zu, und zwang sich zu lächeln.

Keine Geschäftspartner also , von denen ich wissen sollte ? ich mag es nicht wenn man mich belügt .. seid euch dessen bewusst...
Wie wird man seinen Schatten los?
Wie lässt man alles hinter sich?
Wie jagt man sein Gewissen fort?
Wie flieht man vor dem eignen Ich?
wenn man seinem eignen Schatten nie entgeht?

Benutzeravatar
Melissa
Tzimisce
Beiträge: 908
Registriert: Fr 22. Jan 2016, 15:17

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Melissa » Di 21. Feb 2017, 19:18

Die vier Wachen, die auf dieser Seite des Hofes postiert waren, sahen den Fremden an, als hätte er soeben vor ihren Schuhen in den Dreck gepisst: Eine Mischung aus amüsiertem Unglauben und gekränktem Stolz war in den Gesichtern der Männer abzulesen.
Es waren breitschultrige Schläger, allesamt. Narben im Gesicht und auf den Oberarmen, die Haare kurz geschoren, die Nasen mehrmals gebrochen.
Einer von ihnen, etwas abseits, hielt eine Kette um seine linke Hand gewickelt. Daran ein Hund, ein Mastino, der sicher fast doppelt so viel wog wie Sousanna. Einer der Köter, die sie bereits auf Melissens Ball am Eingang und über die Villa verteilt gesehen hatte. Der Hund hatte bereits zu kläffen angefangen, noch ehe der Vampir sich ihm wirklich genähert hatte. Als er sich vor der einen Wache aufgebaut hatte, begann das Tier wie wild geworden an seinen Ketten zu zerren. Es spürte den fremden Jäger, roch die Vitae in seinen Adern - und war offenkundig darauf abgerichtet worden.

"Vorsichtig, Junge. Ganz, ganz vorsichtig", erwiderte die Wache ruhig. Ihr Atem stank nach faulendem Fleisch, ihre Augen zogen sich zusammen, als sie den Fremden fixierte. Ihr Blick ging an ihm herunter, glitt lang und anhaltend über seinen Oberkörper, seine Arme, seinen Gürtel. Seinen Schritt. Ehe sie langsam wieder zu seinem Gesicht wanderte.
Ramon hörte, wie sich Leder aneinander rieb, wie ihre Finger sich fester um die Speere mit den blutroten Spitzen schlossen. Er sah, wie sich die Haltung der Männer änderte, ganz subtil. Wie sie ihre Waffen anders zu halten begannen. Wie die Kette mit dem Hund ein Stück länger wurde.
Offensichtlich mochten die bewaffneten Stadtwachen es nicht, wenn man ihnen drohte.

Zwei der Männer schienen Ramons Warnung dann mehr als eine Aufforderung aufzufassen. Sie machten einige Schritte auf Sousanna zu, offenbar auch, um Ramon leichter flankieren zu können. Ihre Blicke huschten von der zierlichen Dame immer wieder zu dem Mann, der um einiges kräftiger aussah als sie.
"Belästigt der Iberer euch, Fräulein?", fragte einer.
La famiglia é il nido dell'uomo.
- Giovanni Faldella

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Sousanna » Di 21. Feb 2017, 23:26

Mit einem Ausdruck völligen Erstaunens starrte Sousanna den Brujah an, als er seinen Versuch unternahm, sie zu beschützen. Es hätte gerade noch gefehlt, dass ihr der Mund offen stand. So überrascht war die Hehlerin in jenem Augenblick. Doch zugleich trat Besorgnis in ihren Blick. Es war keine gute Idee, Wächter auf der Straße auf diese Weise anzusprechen. Es war überhaupt keine gute Idee, Männer mit solcher Bewaffnung und in Überzahl anzusprechen. Alles an der zierlichen Frau sprach davon, dass es ihr lieber gewesen wäre, keine Belästigung der Wachen zu begehen. Auch wenn etwas in ihr seltsam erfreut darüber war, dass Ramon so für sie einstand und sie schützen wollte.

Auf die Frage der Wache und das Näherkommen der Männer, wich sie unwillkürlich ein wenig zurück und die schmalen Schultern hoben sich leicht. Als bestünde die Hoffnung, übersehen zu werden, wenn sie sich noch ein wenig kleiner machte. Unruhig spielten die schlanken Hände miteinander, mit dem Stoff ihres Kleides und mit dem Gürtel. "Nein", murmelte die Ravnos und schüttelte den hübschen Kopf. "Nein, wir haben uns nur unterhalten."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Ramon
Brujah
Beiträge: 429
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 17:02

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Ramon » Mi 22. Feb 2017, 12:36

Ramons Blick verfinsterte sich, als die Wachen offenbar anfingen den beiden zu drohen. Seine Hände rutschten Instinktiv an den Anderthalbhänder, den er am Waffengurt trug, und fingen wie wild an zu pochen, als er den Griff fest umschloss. Es sollte nicht zu Blutvergießen kommen, aber er müsste klarstellen, das sie keine Leichte Beute sind. mit entschlossenem Blick wendete er sich den zwei Wachen zu, die Sou und ihn flankierten.

Ich sagte doch das ihr besser daran tut mich und meine Begleiterin in Frieden zu lassen. Seid euch sicher, ihr wisst nicht welcher wunderschönen Gefahr ihr hier gegenübersteht... und euer Herr wird es sicher nicht gutheißen, wenn ihr euch sinnlos verletzt.

Einschüchtern + Manipulation = 4 Erfolge, einer davon 10
@Ramon (Felix) rolled 42. (7 + 8 + 10 + 5 + 7 + 5 = 42)

Stille lag in der Luft, als die einschüchternden Worte des Brujah auf die Ohren der Wachen trafen. die nächsten Minuten würden über den Ausgang der Situation entscheiden.. vielsagend blickte der Brujah Sou an, sie sollte sich verteidigen, sollte es zu einem Kampf kommen.
Wie wird man seinen Schatten los?
Wie lässt man alles hinter sich?
Wie jagt man sein Gewissen fort?
Wie flieht man vor dem eignen Ich?
wenn man seinem eignen Schatten nie entgeht?

Benutzeravatar
Melissa
Tzimisce
Beiträge: 908
Registriert: Fr 22. Jan 2016, 15:17

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Melissa » Mi 22. Feb 2017, 13:59

Einer der Männer - derjenige, der eingeschüchtert worden war von seinen Worten - machte zwei Schritte zurück. Sein Gesicht verlor alle Farbe.
"Ihr zwei verpisst euch besser aus dem Sestiere", stellte der andere fest, "Und lasst euch hier nie wieder blicken."
Auch seine Stimme wurde unsicherer, sein Blick wankte von dem zierlichen Fräulein zu dem Mann zwischen ihnen. Glitt zu seinen Kameraden und suchte dort Halt in der Menge.
Die andern beiden schienen wenig beeindruckt vom Gehabe des Brujah. Der Hund zerrte immer noch wie irre an seiner Kette, Speerspitzen senkten sich eine Handbreit.

Es war mitten in der Nacht, das Viertel ansonsten ruhig - bis auf den Wirbel am Tor des Handelshofes. Das Gekläff des Hundes hallte über den Hof und durch die nächtlichen Gassen Broglios. Andere - auf der anderen Seite der Mauer und auch im Quartier der Wachen - nahmen den Ruf auf, vervielfältigten ihn.
Ein Geheul, das jeden feinen Gehörgang rund um die Piazza di Sant'Andrea aus dem Schlaf - oder der mitternächtlichen Arbeit reißen musste.

Eine Tür flog auf.
Worte schnitten sich durch die Dunkelheit, knallten auf die Tiere ein. Die Geräusche der Hunde erstarben beinahe augenblicklich. Der Mann, der dem Brujah Widerworte gegeben hatte, erbleichte ebenfalls. Er wirbelte herum, wandte dem Brujah den Rücken zu. Die Drohungen des Mannes schien ebenso rasch vergessen wie die Gefahr, ihn völlig zu ignorieren.
Auch der Mann mit dem Mastino an der Kette - der sein Interesse an Ramon nicht völlig aufgegeben hatte, sich aber nicht entscheiden konnte, ob er oder die Neuankömmlinge interessanter waren - stand plötzlich stramm.

"Che cazzo?!", verlangte eine Frau zu wissen, die in Begleitung zweier Männer aus einem der Häuser innerhalb der Mauern gekommen war. Einer von ihnen trug die gleiche Ausrüstung wie die Wachen am Eingang, nur ohne Speer. Der zweit trug die Kleidung eines Zivilisten und sah deutlich unsicherer aus, als der erste oder seine Begleitung. Er ging einige Schritte hinter ihnen und schien mehr unsicher zu sein, ob er mit ihnen hatte hinaus gehen sollen oder in ihrer Arbeitsstube auf ihre Rückkehr warten.
Die Frau, die ihnen voran ging, war eine zierliche Gestalt, schlank, schmal und etwas unter 5 Fuß klein. Ihr Gesicht war blass, kühl und irritiert. Noch nicht wütend über diese Störung ihrer Ruhe, nur...besorgt, dass die Hunde dermaßen angeschlagen hatten.
"Che cazzo?, verlangte sie erneut vom Hundeführer zu wissen.
La famiglia é il nido dell'uomo.
- Giovanni Faldella

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Sousanna » Mi 22. Feb 2017, 17:02

Blankes Entsetzen hatte auf dem Gesicht der Schönheit gestanden als ihr heißblütiger Begleiter der Wachen offen drohte. War er seines Unlebens müde oder hatte er schlicht und ergreifend den Verstand verloren?! Oder aber glaubte er wirklich, dass er als Mann Gottes vor allem Übel geschützt sein würde. Egal, wie diese Sache ausging, sie würde ein ernstes Gespräch mit ihm führen müssen... sollten sie beide hier überhaupt herauskommen.
So erwiderte sie seinen Blick in einer Mischung aus stummer, wütender Warnung und Ungläubigkeit.

Sie hatte gerade etwas sagen wollen, hatte ihre Fähigkeiten der Manipulation und ihre unschuldige Ausstrahlung benutzen wollen, um beide Parteien zur Ruhe und Räson zu bringen, als die Tür aufflog.
In dem Moment, als Sousanna realisiert hatte, wer dort vor ihnen stand, war ihr die Farbe aus den rosigen Wangen gewichen. Wieso musste die Drachin sie fast immer in Situationen aufgreifen, die in jeder Hinsicht unrühmlich waren? Nun gut, sie gab gerade nicht ihrem Tier nach, doch dafür war ihr Begleiter kurz davor gestanden, sich mit einem ihrer Wachen zu prügeln...
Beinahe augenblicklich zeigte die Ravnos einen ehrerbietigen Knicks und wandte das Wort an die Kainitin: "Melissa, ich bitte euch, diese Störung zu verzeihen. Mein Begleiter und ich, wir wollten hier wirklich keinen Ärger machen. Es war nur ein kleines Missverständnis." Ihre Worte waren hastig über die vollen Lippen gesprudelt, nervös aber ehrlich. Dazu hatte Ramon einen Blick abbekommen, der ihn düster warnte, jetzt noch einmal irgendjemanden zu bedrohen und sie in noch größere Schwierigkeiten zu bringen. Jetzt war verflucht nochmal Höflichkeit und Beschwichtigung angesagt.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Ramon
Brujah
Beiträge: 429
Registriert: Mi 8. Feb 2017, 17:02

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Ramon » Mi 22. Feb 2017, 17:41

Ramon irritierte es, das Sou die völlig falsche Reaktion auf sein Verhalten zeigte. Immerhin ein bisschen Dankbarkeit hätte er erwartet... Als er jedoch den Namen Melissa fallen hörte, erinnerte er sich an die Schriftstücke im Elysium. Richtig, Broglio schien zu mindestens teilweise unter der Kontrolle einer gewissen Melissa zu sein, eine weitere Fügung des Schicksals also, er würde eine weitere Schlüsselfigur kennenlernen.. diese Tatsache lockte ihm ein Lächeln hervor, bis er sich schließlich dazu besann ebenfalls eine Verneigung anzudeuten.

Meine Begleiterin hätte es nicht besser sagen können. wären wir nicht gestört worden, wären wir schon längst weitergewandert.... eure Wachen schienen es jedenfalls für eine gute Idee zu halten uns etwas zu genau unter die Lupe zu nehmen. Da wir jedoch nicht gegen geltendes Recht verstoßen haben, denke ich das diese Begegnung nicht zwingend von unangenehmer Natur zu sein braucht...

Er lies bewusst eine Pause, Nun war Melissa am Zug. Ramon war gespannt, wie sie wohl reagieren würde, und vorallem welche Art von Anführerin sie zu sein schien....
Wie wird man seinen Schatten los?
Wie lässt man alles hinter sich?
Wie jagt man sein Gewissen fort?
Wie flieht man vor dem eignen Ich?
wenn man seinem eignen Schatten nie entgeht?

Benutzeravatar
Melissa
Tzimisce
Beiträge: 908
Registriert: Fr 22. Jan 2016, 15:17

Re: Nachtigallen und Lärchen [Ramon, Melissa]

Beitrag von Melissa » Mi 22. Feb 2017, 18:48

Die Frau betrachtete Sousanna mit einem abschätzigen Blick, als könnte sie aus ihren Worten und ihrem Gesicht erkennen, was sich hier in den letzten Minuten ereignet hatte. Dieses Mal hatte Sou sich aber nicht mit jemandem angelegt, den Melissa mit Freuden und Vorurteilen vor den Karren schubste, sondern mit dem Eigentum der Tzimisce selbst.
Ihre rasche Entschuldigung stimmte die Senatorin aber immerhin milde und so richtete ihre Neugier sich zunächst auf jemand anderen.

"Marco", surrte sie mit zuckersüßer Stimme und blickte den Hundeführer wieder an. Der Hauptmann neben ihr zuckte zusammen, als sie ihre Stimme dermaßen ruhig stellte, denn er kannte sie seit Jahren und wusste sehr wohl, was sie zu bedeuten hatte. Unruhig schob er sich ein Stück von ihr weg, mehr unterbewusst denn als absichtliche Handlung.
"Was ist hier vorgefallen?", fragte Melissa. "Sei ehrlich, du weißt wie sehr ich Lügen noch über alles andere hasse."
'Marco' schien einen halben Kopf zu schrumpfen, stand aber Rede und Antwort.
"Nichts, Domina. Haben Dienst getan wie immer, kommen die beiden vorbei. Der Kerl hat uns gewarnt, seine Alte" - "Meine liebe Freundin Sousanna", korrigierte die Tzimisce ihn, woraufhin er ins Stottern geriet und dem Fräulein nervöse Blicke zuwarf.
"Eure liebe Freundin Sousanna nicht anzurühren, sonst verlieren wir unsere Hände"
"Haben ihn nich angerührt, Domina", erklärte der Mann, dem der Brujah gedroht hatte.
"Niemanden nicht, Domina", bestätigten die andern beiden eilig, mit Seitenblicken auf Sousanna.

Melissa befand sich in einem Gebiet, das sie als ihres deklariert hatte vor Gott und dem Hof der Nacht. Das sie mit einer hohen Mauer und vielen Wachen umgeben hatte und das sie eifersüchtigst hütete. Ganz offenkundig brachte allein die Andeutung von Landfriedensbruch sie an den Rand ihres guten Benehmens und machte sie aggressiv.
Ihr Blick wanderte von dem Hundeführer zu der Ravnos. Ihr Blick, der einige Dutzend Male schlimmer war als jede Anzüglichkeit, die die Sterblichen sich hätten ausdenken können. Ihr Blick, der trotz aller Höflichkeit eisig war und sichtbar auf den Wachen gelastet hatte, die sich unter ihm wanden wie Welpen unter einem festen Griff.

"Sou, meine Liebe...", sagte sie, betont langsam. "Du hättest mir Bescheid sagen sollen, ehe du vorbei kamst, dann hätten wir dieses...Missverständnis vermeiden können."
Sie zog das Wort in die Länge und sprach es aus wie einen schmutzigen kleinen Fluch, nicht ohne ein schiefes Lächeln anzudeuten.
"Bitte sag mir: Spricht Marco die Wahrheit oder hat dein...Begleiter Recht daran getan, ihn mit Gewalt zu bedrohen? Und wer ist es eigentlich, den du mir da vor die Haustür bringst?"
Den Fremden selbst ignorierte sie, als wäre er gar nicht anwesend.
La famiglia é il nido dell'uomo.
- Giovanni Faldella

Gesperrt