Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

[Januar '17]

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Titus
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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Titus » Mo 23. Jan 2017, 22:11

Titus nickte und legte seine Hand schuldbewusst auf seine eigene Brust.

"Verzeih mir, ich wollte Dich nicht beleidigen. Ich kenne Dich nicht gut genug, um zu beurteilen, wie verbunden Du dem Volk bist, zu dem Du einst gehört hast. Doch vertraue ich natürlich auf Dein Wort."

Für einen Augenblick ging er stumm neben ihm her, bevor er schließlich erneut das Wort ergriff.

"Was denkst Du über den christlichen Glauben? Du siehst die Menschen in Luccoli und wie sie in die Kirche gehen und beten."

Ein Hauch von Neugier ist in seiner tiefen Stimme zu höhren.

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Brimir
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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Brimir » Di 24. Jan 2017, 10:48

"Es gibt Nichts zu verzeihen. Ich sehe das nicht als Beleidigung, sondern als deine Aufgabe. Jeder Jäger muss wissen, mit wem er auf die Jagd geht und wo die Grenzen des Anderen sind, um sich darauf zu verlassen. Ich selbst stelle die selben Fragen, wenn jeman aus einer mir fremden Kultur kommt, die dazu neigt eine Gefahr für Genua werden zu können. Yasir hat sich endlose Fragen stellen müssen... am Ende hatte ich mit meiner Einschätzung recht."

Brimir zuckte mit den Schultern und tat das Thema damait für sich ab. Dann stellte Titus die Frage nach dem christlichen Glauben und brachte damit den Gangrel ersteinmal lange zum Schweigen. Sorgsamn dachte er über die Frage nach, um Titus eine ehrliche Antwort geben zu können. Er griff unter seine Tunika und holte drei Holz-Amulette mit eingebrannten Runen hervor, die Titus sicher schon einmal in Benedettos Buch gesehen hat.

"Wir Nordleute glauben, dass unsere Götter unter uns wandeln... in jedem Donnerschlag sehen wir Thor, der mit Mjoelnir am Himmel entlang fliegt... wir glauben, dass Tyr uns in den Schlachten neben uns steht... und Odin als Wanderer an unseren Türen klopft und um Speis und Trank bittet, um unsere Gastfreundschaft zu testen. Wir glauben, dass sie Verletzbar sind, wie wir und durch die Welten reisen. Sie sind mächtiger als Menschen und doch sind wir ihre Abbilder. Sie werden neben uns kämpfen, wenn Ragnarök kommt und für uns sterben, um den Kreislauf neu zu beginnen."

Es folgte eine deutlich kürzere Pause.

"Deshalb fällt es mir schwer einen Gott anzuerkennen, der nur seinen Sohn schickt, um eins mit den Menschen zu sein. Einen Sohn, der bereits gestorben ist und somit den direkten Einfluss des Gottes auf Midgard - so nennen wir diese Welt - verloren hat.

Ich sehe nicht, wie die Menschen in die Kirche gehen, höchstens, wenn sie einmal zu später Stunde dort sind. Meistens tun sie das, während meinem Schlaf. Aber ich sehe, wie es sie vereint... sie beruhigt und ihnen Kraft schenkt. Deshalb respektiere ich diesen Glauben... auch, wenn ich ihn nicht teile. Deshalb sehe ich keinen Grund, ihnen meinen nähe rzu bringen. Wie du schon sagtest... es würde sie verwirren."

All die Worte waren sachlich und ohne Spitze gesprochen. Keine Abscheu und keine Gräme begleiteten sie. Als würde Brimir einfache Tatsachen beschreiben.
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Titus
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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Titus » Mi 25. Jan 2017, 20:45

"Gott hat seinen Sohn auf die Erde geschickt, um die Menschen von ihren Sünden zu befreien. Und Gott hat Einfluss auf uns alle, denn er ist allmächtig. Und sein Sohn ist nicht tot, denn er ist wieder auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Und wenn das Reich Christus dereins endet, wird Jesus Christus zur Rechten seines Vaters über jeden Menschen vor Gericht sitzen und ihn erlösen oder auf ewig verdammen."

Auch wenn er es nicht wirklich wollte schien Titus doch das Gefühl zu haben seinen Glauben verteidigen zu müssen...schließlich schüttelte er sachte den Kopf.

"Was passiert in Deinem Glauben, wenn die Welt endet...was passiert mit den Menschen? Und was mit unsereins?"

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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Brimir » Do 26. Jan 2017, 13:30

Brimir folgte den Verteidigungen von Gaius und nickte sachte, während er darüber nachdachte. Es war kein zustimmendes Nicken, sondern vielemhr nur ein Zeichen, dass er zuhörte und sich darüber gedanken machte.

"Hat er dich nicht schon auf ewig verdammt, indem er dich zu einem Kind Kains gemacht hat? In deinem Glauben ist es doch so, dass Kain Mörder war und Gott ihn und seine Nachfahren verflucht hat zu diesem Leben, oder?"

Die Frage war voll von ehrlichem Interesse und Brimir schien, wie schon damals zu Zeiten bei Benedetto Freude an dieser Diskussion zu haben. Auf Titus Frage hin, lächelte Brimir dann breit.

"Wir nennen das Ende Ragnarök... das Schicksal der Götter... die Götterdämmerung. Es beginnt mit dem Fimbulwinter, einer Eiszeit mit drei strengen Wintern, ohne Sommer dazwischen, mit Schnee, klirrendem Frost und eisigen Stürmen. Darauf folgt ein drei Jahre andauernder Krieg zwischen Göttern und Eisriesen. Skalli und Hati verfolgen Sonne und Mond. Die Sterne fallen vom Himmel, wodurch die Erde bebt. Bäume werden entwurzelt und Berge fallen ein. Dadurch sprengt der Fenriswolf seine Fesseln und die Midgardschlange erhebt sich aus dem Meer. Die Luft beginnt zu brennen und die Riesen kommen über den Bifröst nach Midgard. Loki schließt sich ihnen mit den Armeen Hels an.

Heimdall ruft die Götter mit Gjallarhorn zusammen, um Rat zu halten und die Asen wappnen sich zum Kampf. Ihnen an der Seite stehen die Einherjer, die Krieger, die im Kampf gefallen sind und seitdem an Odins Tafel in Walhalla mit ihren Ahnen speisten und tranken.

In dem Krieg wird alles zerstört. Viele Götter sterben und ebensoviele Riesen. Die Mitgardschlange und der Fenriswolf gehen zu Grunde. Die verbleibenden Asen versammeln sich. Flammen und Rauch werden zum Himmel schießen und die ganze Welt entzünden. Durch den Ausgleich von Ordnung und Chaos wird ein Gleichgewicht entstehen, das dem wiedergeborenen Allvater, Odin in seiner neuen Gestallt Fimbultýr, verhilft, eine neue Welt zu schaffen. Die Asen einen sich am Idafelde und alles Böse bessert sich."

Es folgte eine kurze Pause.

"Die Menschen werden in dieser Welt einen Ort des Friedens finden und neben den Einherjern, die für sie stritten, dort für immer leben."

Dann lächelte Brimir und klopfte sich auf die Brust.

"Wir. Wir sind Einherjer. Gefallene in der Schlacht auf die eine oder andere Weise ausgewählt und als würdig erachtet. Kain war der erste von uns, der noch nicht einkehren durfte nach Walhalle. Unsere Pflicht ist es weiter zu kämpfen, denn die Heere Hels kehren ebenso nicht alle ein ins Totenreich. Einige, die wie wir sind dienen der Finsternis und dem Bösen, nutzen Lokis Magie. Sie zu bekämpfen, die zu Ragnarök gegen uns stehen, ist unsere Pflicht, um zu verhindern, dass ihre Armee noch größer wird."
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Beitrag von Titus » Do 26. Jan 2017, 19:39

Titus nickte und stimmte Brimir zu.

"Durch Kain tragen wir alle seine Erbschuld in uns und somit verdammt. Doch ich glaube, dass auch für uns Erlösung möglich ist. Wir sind zwar auf ewig verdammt, haben aber auch die Ewigkeit Zeit, uns Erlösung zu verdienen. Sei es durch Gebete, gute Taten, das Töten der Gottlosen und Teufelsanbeter. Ich glaube fest daran, dass ich eines Nachts die Erlösung erfahre und den Aufgang der Sonne wiedersehen kann."

Ein leidvoller Weg, der sich auch in seiner Stimme ein wenig niederschlug. Schließlich hörte er Brimirs Erzählungen über die Götterdämmerung zu. Eine Weile blieb er still und dachte darüber nach.

"Klingt nach einem ruhmreichen aber unheilvollen Schicksal."

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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Brimir » Fr 27. Jan 2017, 11:03

"Auch in meinem Glauben werden wir eines Tages die Sonne wiedersehen."

Brimir lächelte sachte.

"Ende und Neuanfang. Darauf basiert der Glauben meiner Heimat. Warum sollte es unheilvoll sein, wenn alles böse sich bessert und die nächste Welt voller Frieden ist? Eine Welt, in der jeder auch die dunkelsten, in Freundschaft leben und zusammen Met trinken?"

Der Gangrel verstand nicht, was daran schlimm sein sollte und die fragende Art schwang auch in der Stimme mit, während in der Ferne die Lichter des Dorfes auftauchten.
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Beitrag von Titus » Sa 28. Jan 2017, 20:21

Titus nickte.

"Du hast Recht...es klingt nicht unheilvoller als die Offenbarungen des Johannes. Aber lassen wir das...ich glaube die Zeit ist noch nicht gekommen, Dich zum christlichen Glauben zu bekehren und ich möchte nicht riskieren, dass wir darüber Streit anfangen...nicht in diesen Zeiten."

Titus schwieg und betrachtete die fernen Lichter von Luccoli.

"Glaubst Du, dass das Ende kurz bevor steht? Dass die Welt auf die ein oder andere Art endet? Ragnarök, Apokalypse, der jüngste Tag, Gehenna? Glaubst Du dass es bald soweit sein wird?"

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Beitrag von Brimir » Mo 30. Jan 2017, 13:45

"Wie ich eingangs schon sagte, Titus. Ich hege keinen Groll gegen dich, wegen deinem Glauben und Streit ist das letzte, was ich mit dir will. Seh mich doch einfach derweil... als Hilfestellung, falls dir einmal Probleme mit den Nordleuten über den Weg laufen. Unsere Kultur ist komplex und Vieles unterscheidet sich massiv. Ich kann dir da sicher zur Seite stehen."

Auf seine Frage hin musste Brimir ein wenig nachdenken. Er schien keine für sich zufriedenstellende Antwort darauf zu finden.

"Wir leben nicht im Fimbulwinter. Deshalb ist Ragnarök noch nicht nah. Aber die Armee Hels wächst und gedeiht. Das kann kein gutes Zeichen sein und vielleicht erleben wir es schon bald. Ich bin vorbereitet, falls es soweit ist und ich freue mich darauf in dieser Schlacht zu fallen, um dann ewig zu leben, wenn der Neuanfang beginnt."

Neugierig warnderte den Blick hinauf zum Gesicht des Kapadozianers.

"Was ist mit dir? Glaubst du, dass das Ende nah ist? Und glaubst du, dass dein Herr dir am Ende deine Schuld vergibt?"
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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Titus » Sa 4. Feb 2017, 17:00

"Die Offenbarung des Johannes prophezeiht, dass der jüngste Tag kommt, wenn die tausendjährige Herrschaft Jesus Christus endet. Wir nähern uns dem Jahr des Herrn 1000 und somit ist der jüngste Tag nicht mehr fern. Ich glaube daran, dass es bald geschehen wird und wir alle vor Jesus treten, um sein Urteil zu erwarten.

Die Schuld des ersten Brudermörders Kain liegt auf uns allen und es ist offensichtlich, dass mir Gott noch nicht verziehen hat. Das Weihwasser und die Oblate der Kommunion brennen wie Feuer auf meiner Haut, das Licht des Tages bleibt mir verwehrt, heilige Stätten kann ich micht betreten, geschweige denn heilige Reliquien ertragen und immernoch muss ich das Blut der Lebenden stehlen, um fort zu bestehen."

In Titus Gesicht konnte man die Qual über diese Umstände deutlich erkennen.

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Re: Ein Besuch in Luccoli [Brimir]

Beitrag von Brimir » Di 7. Feb 2017, 13:06

"Benedetto hatte mir von diesem Johannes berichtet. Seine erzählungen von dem jüngsten Gericht sind den Geschichten über Ragnarök gar nicht mal so unähnlich."

Doch die Erzählungen, die folgten und der Gesichtsausdruck, den Titus an den Tag legte, verwirrten Brimir.

"Dein Glaube sagt, dass du einen Fluch trägst für jemanden, der so alt ist, dass du unmöglich für seine Taten verantwortlich sein kannst? Oder hast du selbst etwas getan, um dir diese 'Strafe' aufzubürden? Kennst du den Grund warum dein Gott dich bestrafen sollte... schon vor dem Gericht?"

Da war offene Neugierde, die er gegenüber dem Amtsbruder empfand.
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