[Fluff, Angelique] Die Welt im Wandel

Das Archiv speziell für nicht-Kanon-Relikte. Alles was "discontinued" oder "retconned" wurde.

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Gesperrt
Benutzeravatar
Angelique
Malkavianer
Beiträge: 1999
Registriert: Fr 22. Jan 2016, 14:50

[Fluff, Angelique] Die Welt im Wandel

Beitrag von Angelique » Mo 13. Mär 2017, 15:55

So einfach war es manchmal, dass Angelique sich fragte, ob sie wirklich besser wurde oder die Sterblichen unaufmerksamer.

Während alle ihre Blicke und ihre Wachsamkeit nach außen lenkten und die Wachen der alten Palastkapelle San Michelle die Verteidigung des belagerten Pavia unterstützten, krabbelte spinnengleich das untote Katharerkätzchen durch die Fenster in den wuchtigen Basilikabau.
Bald, so hatten ihre Visionen ihr gesagt, würde dieser Ort Opfer der Flammen werden. Ob in diesem Krieg der Päpste oder in einem anderen Konflikt, das wusste sie nicht. Aber sie musste einfach die unersetzlichen Schätze retten, die hier lagerten. Unter anderem eine Abschrift des Euagetaematikon, dem Buch des strahlenden Blutes, das in Unkenntnis der Katholiken aus byzantinischer und arianischer Zeit überdauert hatte und ironischerweise als Reliquie des Heiligen Augustinus hier bewahrt wurde.

Der Ort war nicht wirklich heilig. Das hätte sie eigentlich warnen müssen. Welch kainitische Schändungen und schwarze Messen hier wohl stattgefunden hatten oder sogar noch stattfanden, war nicht zu sagen, aber die malkavianische Reliquiendiebin konnte sich so frei bewegen wie in einem heidnischen Bordell.
Angelique hüpfte vom hohen Fenster in den dunklen Bau, der nicht beschienen war, um feindlichen Geschützen kein Ziel zu geben. Lautlos huschte sie in zu den Treppen der Krypta, zwängte sich durch die Gitterstäbe der verschlossenen Türen, die jeden aufgehalten hätten, der größer als das zierliche Kind gewesen wäre, und nahm schließlich mit, was sie tragen konnte von den kostbaren und seltsam okkulten Schätzen der Kirche.
Sie wusste nicht, dass das reinigende Feuer in einigen Jahren von rechtgläubigen fremden Kriegern gelegt werden würde, um die verbotenen Zauberdinge und ketzerischen Schriften zu zerstören.

Stattdessen rettete sie ohne es zu ahnen, die teuflischsten der unchristlichen Artefakte, ganz im Sinne ihres gelangweilten, vergeistigten Ahnherrn Malkav, der in ihnen wohl Potential für mehr Spaß in der Zukunft sich erhoffte.

Sie unterdrückte ein Kichern des Triumphs, als sie sich anschickte, die Kirche auf demselben Weg zu verlassen, auf dem sie gekommen war, als eine klare Stimme in der Kirche hallte: „Dort ist sie!“

Ein blonder androgyner Knabe stand dort, gehüllt in kostbar imperial geschmückten Mi-Parti modernsten byzantinischen Stils, und deutete mit hübscher Hand, sinnlichem Lächeln und grausamen Schalk in den Augen auf das ertappte Mädchen.

Er sah sie! Sein durchdringender Blick zerfetzte ihre Verdunklung wie die Sonne den Morgennebel.

Es klirrte, als ein großer Mann in Kettenhemd mit langem Bart und ähnlich dem Brimir Genuas in der Gewandung vergangener Zeiten hinter einer Säule hervortrat. Bartaxt und Klettenstab ragten aus seinen Händen. Amtsinsignien einer untergegangenen arianischen Epoche.

Der Knabe sprach wieder: „So sieht also das Diebeskätzchen aus, das seit Jahrzehnten sein Unwesen treibt und nie gefasst wurde. Nun, es zeigt sich, dass es sich lohnt, das Orakel der Lombardei zu bemühen, das vorhersagt, wo und wann die Elster wieder zuschlägt, nicht wahr, Gorgreve?“

„Fürwahr“, grollte der große Krieger und wirbelte gekonnt den Klettenstab zwischen den Fingern, als könne er nicht erwarten, das kleine Folterinstrument in Angeliques Haare zu vergraben und samt dem Skalp abzureißen.
Voller Entsetzen erwartete sie die nächsten Worte des Gogreve, was hier wohl dem Liktor Genuas entsprach. Sie würden die von ihr so gefürchtete Zaubermacht beinhalten, da brauchte sie kein Orakel sein.

Und so war es auch. „Bei Wotan und Jesus, die an Yggdrasil gehangen haben,VERHARRE! Und erwarte deine Strafe.“

„Oh, lass genug von ihr übrig, dass ich sie... befragen kann“, seufzte der Jüngling. „Viele Nächte lang befragen...“

Angelique erstarrte bei den Worten des Vollstreckers aus Pavia voll Grauen. Jetzt war es um sie geschehen! Ein Orakelspruch ihrer eigenen Ahnin war also ihr Ende? Welch köstliche Ironie! Sie lachte schrill auf. Und konnte sich bewegen...?

Das Glück im Unglück wollte es so, dass der machtvolle Krieger zwar älter und erfahrener war als sie, aber schwächer im Blut. Und so traf Malkavs Macht den so schönen und so grausamen Vampir, der sie entdeckt hatte, und verwirrte ihn lang genug, dass sie vorm überraschtem Gogreve Pavias ins Dunkel der Kirche hechten und aus seinem alten, rachsüchtigen Verstand entschwinden konnte, ohne dass der böse Adonis sie sofort wiederentdeckte.

Teile ihrer Beute an sich geklammert hetzte sie wenig später fort von der Kirche in die Nacht. Das würde ihr noch viele Probleme bereiten, aber fürs erste war sie entkommen.
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"

Gesperrt