[1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

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Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Federico Augusto » Sa 20. Jan 2018, 16:30

Von ihrem Gegenüber kam kein Lachen zurück. Der Umhang blickte sie durch die Dunkelheit an, als verstünde er nicht recht, woher diese Fröhlichkeit kam. Oder was sie in der Tat war.
Er wartete, bis es abgestorben war, dann erst sprach er weiter.
"Ich meinte Genua, Herrin, die Domäne Genua wird wohl eure Heimat sein? Von Politik und Ränken verstehe ich nichts", behauptete die Kreatur, ohne rot zu werden, "und noch weniger von diesem Senat von dem ihr sprecht. Aber man hat mich informiert, dass die Domäne Anspruch nicht nur auf die Stadt selbst, sondern auch einige abgelegenere Dörfer erhebt."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Sousanna » Di 16. Jan 2018, 20:08

Sousanna zeigte ein leichtes Schmunzeln. Ob es nun reine Höflichkeit oder tatsächlich mildes Amüsement war, war kaum zu erkennen. Der Umgang mit anderen Kindern Kains schien ihr ins tote Fleisch übergegangen zu sein. Einer Maske gleich, die so fest mit der rosigen Haut verwachsen war, dass man sie nicht mehr abnehmen konnte, ohne eine schwere Verletzung zu verursachen.

Dann aber schien sie tatsächlich lachen zu müssen. Glockenhell ließ ihr Lachen die Nacht zu erleuchten. Wäre unter ihrer zerbrechlichen Verkleidung kein Monster gesteckt, das seine Lippen regelmäßig mit Blut benetzte, hätte man ihr die Unschuld in jenem Augenblick ohne zu zögern abnehmen können.
"Ich hoffe, dass ich nicht aussehe, als würde ich hierher gehören", erwiderte sie mit schelmisch blitzenden Augen. "Meine Heimat ist Ravecca, jenes Viertel, das ich im Senat vertrete. Hier bin ich nur um ... mich von meinen Geschäften zu erholen." Das Grinsen der Ravnos erinnerte an das einer Raubkatze, die von der Maus sprach, die sie bereits in ihren Tatzen gefangen hielt.

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Federico Augusto » Di 16. Jan 2018, 17:15

"Dort sind Geheimnisse am sichersten, dort kann sie niemand stehlen: Im Grab."
Federico gluckste. Ein dunkles Geräusch, das aus seiner Kehle blubberte.
"Meistens jedenfalls."

Vielleicht war die Kreatur nicht so sehr vernünftig als viel mehr vernunftbegabt. Aber letzten Endes machte das wenig Unterschied: Die von ihm präsentierte Maske blieb die gleiche.
"Ich werde für euch nach einem geeigneten Versteck suchen. Wie überall wird es auch hier Ecken und Nischen geben, in denen wir zu vergessendes verstecken können. Ich werde in der Gegend eine Nachricht an euch hinterlassen, Sousanna, wenn euch dies genehm ist?
Auch wenn es mir, wenn ihr erlaubt, etwas seltsam vorkommt. Ihr seid länger hier als ich, wie ich annehme, da ihr so gut mit der örtlichen Jugend auskommt. Es wundert mich, dass ihr Kunde über eure eigene Heimat verlangt."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Sousanna » Di 16. Jan 2018, 12:58

Noch besser. Die Ravnos hatte absolut kein Problem damit, wenn sich diese Kreatur von ihren Schützlingen fernhalten würde. Je ferner fremde Blutsauger ihr und den ihren blieben umso besser.
So nickte sie und ihr zuvor ausschließlich höfliches Lächeln gewann etwas an Wärme und Anerkennung. Wenn diese Gestalt schon aussah wie ein Monster aus den schlimmsten Albträumen eines Kindes, vernünftig war sie offensichtlich.

Das eifrige Nicken ließ sie noch etwas wärmer dreinblicken und seufzend ließ sie ihren Blick schweifen, als suche sie hier auf diesem dunklen Acker eine Krypta, die es zu erobern galt. Die schlanken Arme hatten sich hinter ihrem Rücken verkreuzt so dass die schöne, zierliche Gestalt mit dem wachen Blick für einen kurzen Augenblick den Anschein eines Scholaren machte, der ein wichtiges Thema durchdachte.
"Ich habe darüber nachgedacht, doch in der Stadt erschien es mir zu auffällig, Kisten auf Friedhöfen zu lagern und hier in diesen Gegenden kenne ich mich noch nicht gut genug aus.", erklärte sie dann nachdenklich.

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Federico Augusto » Mo 15. Jan 2018, 21:44

Die Kreatur zögerte einen Augenblick, als Sousanna ihre Einladung aussprach, dann sagte sie:
"Ich mache keine Besuche zum Amüsement."
Daraufhin ließ sie das Thema fallen. Sie würde die Kinder in Ruhe lassen, in jeglicher Hinsicht, so viel hatte sie vorerst versichert. Alles weitere würde sich zeigen.

Die Bitte um einen geheimnisleeren Ort hielt sie dagegen nicht lange auf. Die Kreatur nickte eifrig.
"Ein vernünftiges Begehren, eine gute Wahl. Habt ihr euch bereits auf den Friedhöfen umgetan, in den Kirchen? Solche verfügen gewöhnlicherweise über stumme Ecken, die selten gestört werden. Insbesondere die Grüfte..."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Sousanna » Mo 15. Jan 2018, 13:17

Ihr Blick folgte dem Seinen. Man konnte keine Verurteilung jener doch sehr respektlosen Frage erkennen, doch in ihren Augen lag die dezente Verneinung dieser Anfrage auf Gewalt. So leicht, dass man meinen konnte, man hätte es sich nur eingebildet, schüttelte sich das Haupt der Dame. Den Kindern mochte besonderer Schutz zu Teil werden. Ihr Eigentum aber bewachte sie noch eifersüchtiger. Das war wohl die Art der schönen Frauen aus dem Orient.

"Ihr habt nicht gestört.", erwiderte sie allerdings mit jenem leichten, höflichen Lächeln auf den vollen Lippen. "Nur seid ihr aufgefallen. Wenn es euch erfreut, stört es mich auch nicht, wenn ihr sie weiterhin besucht. Nur tut ihnen kein Leid."
Dann aber trat Nachdenklichkeit in Sousannas Blick. Es war leichtsinnig hinter diesem so ... zuvorkommenden Angebot keine List zu erwarten, doch es wäre eine gute Gelegenheit. Eine Möglichkeit etwas zu erledigen, dass sie schon lange quälte. Die vollen, so zum Kuss einladenden Lippen wurden zu einem schmalen, nachdenklichen Strich, während ihre Gedanken offenkundig rasten. "Es ist sehr freundlich von euch, mir so etwas anzubieten. Tatsächlich suche ich etwas", begann sie dann langsam, die Gestalt genau fixierend. "Ich suche einen Ort. Einen für meine Geheimnisse. Ich sollte Dinge ungesehen lagern können. So ihr so etwas findet, wäre ich euch zu Dank verpflichtet und würde euch mit meinen Künsten zur Verfügung stehen."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Federico Augusto » Fr 12. Jan 2018, 23:47

"Ich...verstehe."

Es verstrich eine kleine Zeitspanne, während der der Schatten schwieg. Sein Blick ruhte auf ihrem Kettenhund. Längere Zeit, als vielleicht angebracht war. Unweigerlich war dabei wohl auch eine Frage mit im Spiel, die man in angesehener Gesellschaft nicht stellte. Eine respektlose, gewalttätige Frage.
Er stellte sie nicht.

"Ich will euch nicht über Gebühr abhalten, meine Dame, und die Störung eurer Geschäfte tut mir Leid. Fortan werde ich...eure Kinder mit dem euch zustehenden Respekt behandeln, und sie nicht länger belästigen.
Die Umstände versagen mir, euch in sehr viel angenehmerer Umgebung vorstellig zu werden. Gibt es daher etwas...mit dem ich euch behilflich sein kann? Es ist recht dreist von mir, ich weiß und bitte um Verzeihung. Doch seht es als eine winzige Gefälligkeit eines Neuangekommenen an die Alteingesessenen."


Ein Maul klaffte unter der Kapuze auf, breit und voller gelblicher Zähne, die nur undeutlich zu erkennen waren. Ein Lächeln - oder ein gefräßiges Grinsen.
Noch bin ich frisch in der Gegend, doch ich versichere euch: Ich kann vieles finden, was andere für unmöglich halten. Begehrt es euch nach einem alten Relikt? Einer Lösung für ein hartnäckiges...Problem? Kunde aus der fernen Heimat? Es gibt kaum ein Geheimnis, das ich nicht für euch ergattern kann.
Nicht einmal die des Grabes."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Sousanna » Fr 12. Jan 2018, 19:51

Ein anmutiges Nicken war die Antwort darauf, doch es wirkte etwas brüchig.
Je mehr die Stimme dieses Wesens erklang, desto mehr krochen die kalten Schauen ihren Rücken empor. Strichen mit eisigen, dünnen Fingern über ihren Nacken und ließ die sonst so kaltschnäuzige Ravnos sich fragen, ob sie nicht doch langsam zu ihrer Kinderschar oder besser zu den schützenden Armen ihres Kettenhundes zurückkehren sollte.
Unruhig begannen von Diebstahl geübte Finger an dem dunkelgrünen Rock herumzunesteln und weiße Zähne nagten an ihrer vollen Unterlippe herum, während ihr Blick hin und wieder nach hinten flackerte.

"Ich beanspruche nur die Kinder und deren Eltern.", erklärte sie schließlich bemüht sachlich. "Das Dorf interessiert mich nicht."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Federico Augusto » Fr 12. Jan 2018, 18:12

"Ich habe euch nicht so sehr gesucht, als ich viel mehr über euch gestolpert bin. Zufällig."
Der undeutliche Fleck, der sein Gesicht sein musste, drehte sich. Er blickte hinter die Ravnos, zu den Kindern.
"Eure freundliche Begrüßung ist mir Dienst genug", sagte es.
Die Stimme war freundlich genug, seine Worte genügsam, höflich und zuvorkommend.
Dennoch. Dennoch war irgendetwas daran, an ihm, an seiner Haltung, an seiner ganzen Gegenwart, das sich nur als unheimlich beschreiben ließ.

"Ich bin neu in der Stadt", fuhr Federico über dieses Unbehagen hinweg fort. "Und hatte noch keine Gelegenheit, mich bekannt zu machen.
Bitte, verratet mir: Beansprucht ihr dieses Dorf für euch? Ich habe in den letzten Nächten hier in der Nähe vorläufig Zuflucht gefunden. Wenn Blut und Land euer ist, werde ich weiterziehen."

Re: [1004] Ein unerwarteter Besuch [Federico Augusto]

von Sousanna » Fr 12. Jan 2018, 14:14

Ein seltsames Bild, dass sich hier bot. Leicht runzelte sich die Stirn der Schönen, doch sie schwieg. Vielleicht hatte sie bereits ungewöhnlicheres gesehen. Vielleicht verbarg sie ihre Irritation auch einfach sehr gut. Oder aber der Anblick war so überraschend banal, dass sie sich schlicht etwas spektakuläreres vorgestellt hatte, nachdem eine körperlose Stimme aus dem Nichts heraus mit ihr gesprochen hatte.
In jedem Fall aber zeigte sie eine formvollendete Verneigung, die mehr in einen Ballsaal als hier auf einen Acker gehört hätte. "Es ist mir eine Freude euch kennen zu lernen, werter Federico.", erwiderte sie mit einem sanften Lächeln und bemühte sich einen Punkt auszumachen, den sie als Augen der Gestalt fixieren konnte. "Ich bin Sousanna von Byzanz, Neugeborene der Wanderer, Senatorin unter dem Monde Genuas, Tochter des Capsar, des großen Fürsten und Erretters der thrakischen Lande, Anchilla aus dem Blute der Wanderer."

Auf sein Versprechen neigte sie leicht das Haupt. "Ich danke euch für eure Zusage. Es liegt mir nichts an geistlosen Gezank mit den anderen Kindern der Nacht.", gab die Ravnos zurück, ehe sie sich in der Nacht umsah. "Gibt es denn etwas, dass ich für euch tun kann, da ihr unsere Nähe gesucht habt?"

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